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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

von Eugen Pletsch

Während das Handicap in anderen Ländern nur eine grobe Richtschnur der Vergleichbarkeit darstellt, wird hierzulande auf die Ziffer nach dem Komma so viel Wert gelegt, wie auf einen akademischen Titel: Jo Grützkopf – Handicap 52,7!

Ein Handicap (HCP), auch „Vorgabe“ genannt, dokumentiert Ihre bisher erspielte Bestleistung, die sich auf den Platz-Standard bezieht. Der Platzstandard (Par eines Platzes) wird durch die Zahl der Schläge definiert, die ein von den Göttern gesalbter Handicap-Null Spieler, auch Scratch-Golfer* genannt, für eine 18-Loch Runde benötigt. Meist hat ein Platz ein Par von 70 – 72.
Beispiel: Wer die 18 Bahnen eines Platzes mit durchschnittlich zwei Schlägen über Par spielt, liegt am Ende 36 Schläge über dem Platzstandard und hätte ein Handicap von 36. Wenn Sie Ihre Runde bei einem Platzstandard von Par 70 mit 85 Schlägen absolvieren, spielen Sie ein Handicap 15. Verstanden?

Durch diese Handicap-Regelung können sich also Spieler verschiedener Spielklassen im Wettkampf miteinander vergleichen. Wenn Sie mit einem Handicap 12 und einem Handicap 8 Spieler auf einem Par 70-Platz unterwegs sind und Sie selbst Handicap 28 spielen, kann Folgendes passieren: Handicap 8 braucht 80 Schläge, überspielt also um 2 Schläge. Handicap 12 spielt sein Handicap, braucht also 82 Schläge. Sie brauchen 95 Schläge und haben Ihre Vorgabe somit um drei Schläge unterspielt. Brutto – also von der effektiven Schlagzahl betrachtet – ist der Handicap 8-Spieler die Nr.1. Aber netto – im Vergleich der Leistungsgruppen – haben Sie das beste Ergebnis. Gratulation!

Das Handicap-System wurde von einem alten Knaben namens Lionel Callaway entwickelt, der als Pro in Pinehurst ständig den Streit trunkener Zocker schlichten musste. Die faire Festlegung des Handicaps sollte zu einer Chancengleichheit verschiedener Spieler führen.

In Deutschland wurde die Vorgabe vor einiger Zeit von 36 auf 54 erhöht. 2001 wurden dann Course Rating und Slope-Wert als neue Kriterien eingeführt, um den Schwierigkeitsgrad eines Golfplatzes erfassen. Ziel war, die Handicaps der Spieler verschiedener Clubs fairer vergleichen zu können, was aber leider nicht vom Mogeln abhält. Ein gutes Handicap gilt in gewissen Kreisen als Status-Symbol und hat schon manchen schwachen Charakter zu Dummheiten verführt. Manche Spieler, die versuchen, ihr Handicap um jeden Preis nach unten zu zwingen, schämen sich nicht, ihre Mitspieler zu betrügen. Andere, sogenannte Handicapschoner, treten bei Turnieren mit zu hohem Handicap an, um Preise abzuräumen. Dass man sich dabei auf Dauer nur blamieren kann, egal ob man beim Zocken verliert oder beim Schummeln erwischt wird, scheint manchen Leuten egal zu sein.

Für die Vergleichbarkeit von Leistung mag das Handicap-System ganz hilfreich sein, und mit einem Vorgabeeintrag in Ihrem Clubausweis wären Sie (gegen Gebühr) berechtigt, in anderen Golfclubs zu spielen, sofern der Platz nicht überlastet ist oder andere Einschränkungen gelten. Aber solange Sie niemanden gefährden und ein flottes Golf spielen, geht es auch ohne Super-Handicap, zumal Platzerlaubnis, Turnierreife und Vorgabe die Qualifikation eines Spielers sowieso nicht wirklich beschreiben, wie man allerorten sieht.

Es gibt durchaus vernünftige Zeitgenossen, die eher in einem Ameisenhaufen schlafen würden, als sich um ein besseres Handicap zu bemühen. Sie ziehen an nieseligen Novembertagen selig ihre Karre durch den Schlamm und finden auffallend viele Bälle. Sie treten wohlwollend zur Seite, wenn sie meinen heißen Atem in ihrem Nacken spüren und helfen mir dann, im Wald nach meinem Ball zu suchen. Die angenehmsten Typen auf dem Platz. Gute Pilzkenner.

* Ein Golfprofi hat kein Handicap und muss grundsätzlich gegen den Platzstandard spielen, was gerade viele deutsche Golflehrer ins Schwitzen bringt.

Auszug aus: "Der Weg der weißen Kugel"

Und was meint WIKI zum Handicap?

 

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