Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Zum Fest der Liebe gedenkt man bisweilen jener, die am Rande unserer satten Grüns und fetten Weiden leben. Einsame Gestalten, die vom ALDI in den Mund geradeso existieren - bisweilen schlechter, als es der normale Golfer je für möglich halten würde. Wen ich meine? Die Golflehrer!

Auch in diesem Jahr hat die PGA-Maschine eine Vielzahl neuer Golflehrer ausgespuckt. Wird jemand darunter sein, der die Weisheit eines Hervey Pennick, das Herz einer Barbara Helbig oder die Augen eines John Jacobs haben wird?

Wir wissen es nicht. Was wir jedoch wissen ist, dass sich einige der Adepten, nicht zuletzt auf Grund der Marktlage, frühzeitig über ein geregeltes Zweiteinkommen Gedanken machen sollten. Seit Jahren empfehlen wir von Cybergolf deshalb allen Neulingen, die Weihnachtspause zu nutzen, um es mit Bären basteln zu probieren. Die Anleitung stammt von unserer früheren Webmasterin Vera S., wofür ihr nochmal herzlich gedankt sei.

Für wen ist diese Hilfe zur Selbsthilfe! 

Nehmen wir als Beispiel einen einfachen Pro, den guten Kumpel vom Club nebenan. Seit seinem einzigen Auftritt bei einem ProAm im letzten Sommer, wo er erstmals seit Jahren und vollkommen überraschend eine 79 spielte, träumt er heimlich von einem letzten Versuch, die Tour-Karte zu erobern. Aber da hat er sich geschnitten. Keine Mini -, geschweige denn Sunshine-Tour ist in spielbare Nähe gerückt. Und in diesem Jahr erwartet ihn - mangels Teilnehmer - nicht mal das übliche 5-Sterne-Domizil im warmen Süden, in dem es sich bislang so gemütlich überwintern ließ. Nein, keine Absacker an der Sheraton-Bar.
Jetzt, wo der Winter Deutschland kalt und schneidend überzieht, steht er sich, in Moonboots und dicke Jacke vermummt, auf der Driving Range die Beine in den Bauch. Die Konjunkturdelle hat auch in seinem Terminkalender gewütet. Die einst so ergiebige Geldquelle, der golfnarrische Hacker aus dem Mittelstand, ist versiegt, denn die Prioritätenkarten wurden neu gemischt und Basel II beats Birdie. Neukunden sind ausgeblieben, Schnupperkurse und Firmenevents wurden vertagt. Das Motto dieser Tage lautet: "Stop Golf, start working!"

Selbst die stinkreichen, alten Krüstchen, unendlich nervig, aber stets solvent, die bislang für Zockers tägliche Knete sorgten, haben sich anscheinend alle in Thalasso-Bädern verschanzt, um sich von ihren arabischen Lustknaben aus "TausendundeinerNacht" porentiefe Genüsse bereiten zu lassen. Kurz gesagt: Wie überall, war auch hier das Jahr umsatzmäßig beschissen; die Freiheit des Kleinunternehmers wird zum Fluch und was bleibt ist der Gulag einer sibirischkalten Driving Range.
Auf der Golfanlage wurde eine zweistellige Millionensumme versenkt, in die Wintertrainingskabine jedoch kein Hunderter. Der Heizstrahler aus dem Baumarkt brät immer nur die eine Seite, wo der Golflehrer ohnehin schon ein Loch hat: rechte Arschbacke, wo der leere Geldbeutel trauert.
Windige Knebelverträge hatten unseren Freund den Pro über den ganzen Sommer an den Sweatshop seiner Übungswiese gekettet. Jetzt steht er auch noch im Winter auf eisigen Füssen seinen Mann. Das Ersparte reicht vorne und hinten nicht aus. Zudem bläst ihm der scharfe Wind der Bundesversicherungsanstalt ins Gesicht, die ihm mit ihren Nachzahlungsforderungen auf schmerzhafte Weise die alte Kaufmannsregel einbläut, dass Einnahme nicht gleich Gewinn ist.

Ein Titleist-Regenanzug macht noch keinen guten Golflehrer und Pro sein bedeutet keinesfalls, so betucht zu sein, wie die Mehrzahl seiner Klienten (es war). Golflehrer werden ist nicht schwer, Golflehrer sein dagegen sehr.

Besondere Härtefälle sind ehemalige "Playing- Pros", die auf Grund ihrer Bekanntheit einen Stundensatz fordern, den selbst ein dümmlicher Neureicher nur in seltensten Fällen hinzublättern gewillt ist. So macht man aus einem Schüler schnell einen "Kumpel", dem man dann anstatt der offiziellen 150.- € für 45 Minuten mal gerade eben einen schwarzen Fuffi abknöpft. Aber auch das reicht nicht aus, um die langen, kalten Winterabende zu überstehen.

In diesen dunklen Stunden erinnert sich mancher Golflehrer der Handwerkertradition seiner Zunft und sinnt darüber nach, wie schön es wäre, wenn er jetzt Daunenfeder in Bälle stopfen dürfte oder an einem Persimmon- Holz feilen könnte, um sich ein paar Schillinge dazu zu verdienen.
Doch in der modernen Fertigungstechnologie unserer High-Tech-Kultur sind solche Künste absurd geworden, von den Geschäftsfeldern der Spezialisten für Golftraditionsprodukte einmal abgesehen.

Die Preisfrage lautet also: Was könnte ein Pro basteln und werkeln? Was würde für Wärme, Gemeinschaft und Freude sorgen, anderen Menschen Spaß machen und vielleicht noch etwas Geld bringen?

Über diese Frage, die wir den Golflehrern als "Ich- AG-Geschenk- Idee" zu Weihnachten präsentieren wollten, hat das CyberGolf-Team lange gesessen und nachgedacht. Wir führten hitzige Gespräche, befragten Fachleute, durchsurften das Web nach einer sowohl einfachen, als auch praktikablen Lösung.
Was könnte die finanzielle Situation unserer Golflehrer - unter Wahrung der Menschenwürde - verbessern? Was wäre eine kreative Tätigkeit, die nur wenig Materialeinsatz braucht?

Schließlich trommelte ich einige Mitarbeiter zu einem - physisch präsenten, nicht virtuellen - Brainstorming zusammen. Lord Timbo kam aus Irland, HoLinWan aus Nowhereland und Webmasterin Vera. S unsere hochspezialisierte JAVA-Expertin, kam aus dem Wohnzimmer, wo sie, wie mir schien, mit Näharbeiten beschäftigt war.

Wir saßen zusammen und ich schilderte das Problem, bis ich irgendwann von einem lauten AUTSCH unterbrochen wurde.
Vera S. hatte sich in den Finger gestochen. Ich war ohnehin genervt von ihrem Gefummel, da sie meiner Ansicht nach nicht den nötigen Ernst in die Sitzung brachte. Also so fragte ich sie:
"Was machst Du denn da eigentlich?"
"ICH BASTLE MEINEN ERSTEN TEDDYBÄREN!"
"WAS?"
"Ja, Teddybären basteln entspannt total. Außerdem sind die echt süß. Es gibt mittlerweile eine große Plattform von Bärenbastlern im Web. Man braucht nicht viel dazu und man kann jeden Bären ganz individuell gestalten. Und jeder will einen Bären! Ich bastele meinen ersten Bären und bin mit Vorbestellungen schon auf Jahre ausgebucht."

Es folgte noch eine kurze Schilderung, wie sie dazu kam und geklingelt hat es mir bei dem folgenden Satz:

"Weißt Du, was Teddybären kosten?"

Nein, wusste ich nicht, aber jetzt weiß ich es: Unter Freunden so viel, wie ein Tchibo-Driver und unter Sammlern so viel, wie ein Marken-Driver mit einer nach oben offenen Preisgestaltung. Ich war sprachlos, was ich selten genug bin.

Satori im Plüschfell. Das war´s!

Unsere Lösung: Pro baut Teddy, Frau Pro näht kleine, pelzige Golfjacken und häkelt Strümpfe an fröhliche Bärenköpfe, die auch als Schlägerhauben taugen. Pro und Frau Pro erfahren die Freude, die einem zufließt, wenn der putzige Freund Gestalt annimmt. Bald spüren sie den warmen Strom der Lust, der entsteht, wenn zwei Menschen zusammenfügen, was zusammen muss: Arme, Beine, Kopf und Bauch. Und die ganze Kunst bringt auch noch Bares!

Also, liebe Freunde, und das gilt nicht nur für Golflehrer, sondern auch für die vielen einsamen Golfspieler, die wie ich zur kalten Winterszeit am Rad drehen: Hab Hofnung, baut Bären, das Leben geht weiter!

Denn wie sagt der Volksmund:

Lass Deine Nadel in Ehren gewähren, so wirst Du Dich nähren von Teddybären.

Es folgt unsere Hilfe zur Selbsthilfe
Veras Anleitung zum Bärenbau!
(die mich an manchen Stellen an eine Anleitung zum Golfschwung erinnert, weshalb sie jedem Golflehrer leicht verständlich sein dürfte).

Was gebraucht wird

1)   Mohairstoff in hellbraun (mit Muster aufgemalt)
2)   Füllung (Synthetikwatte, Schafwolle, evtl.Granulat)
3)   Bärenaugen (schwarz aus Glas, 8mm)
4)   Bärengelenke (10 Papp-, 10 kleinere Metallscheiben und 5 Splinte)
5)   Garn für die Nase (Perlgarn Gr. 8)
6)   festes Garn zum Nähen
7)   Nadel mit großer Öse
8)   Holzstab (ein chin. Essstäbchen) zum Wenden und Stopfen des Bärs oder
      auch eine gute Zange
9)   Splintendreher oder Zange geht auch zum Biegen der Gelenke
10) Spitze Schere zum Stoffschneiden und Rasieren
11) für später Leinengarn oder besonders reißfestes Nähgarn und Stopfnadel
      (riesig und fest) zum Augen einziehen

Was ist zu tun?
Los geht´s. Ich male mir erstmal das Schnittmuster auf den Stoff, am besten gleich mit Abgrenzungen, was offen bleiben muss, Punkte wo die Gelenke durchkommen und wenn man absoluter Anfänger ist so wie ich, dann auch noch welches Teil was ist :-). Dann werden die Einzelteile ausgeschnitten, ca. 0,5cm vom aufgemalten Rand (da wird nämlich nachher entlang genäht).
Mohair am besten mit einer spitzen scharfen Schere entlang des Stoffes, nicht das Fell mit Abschneiden.
Füße, und Bärenschnauze rasieren oder zupfen (geht aber auch noch an zusammengenähten Bären), gg. auch die Innen-Ohren.
Dann ein festes Garn einfädeln (farblich passend zum Bärenfell) und los geht es mit dem Zusammennähen, Teil auf Teil. Aufpassen bei den Beinen, da müssen unten noch die Sohlen rein. Drei Knoten am Ende und dann einen Steppstich, möglichst kleine Abstände, damit es auch gut beim Stopfen hält.
Arme:
Die Arme sind ganz einfach: nur aufeinander und Schlitz freilassen, damit noch Pappscheiben mit Splinten reingehen. Wenn die Arme zusammengenäht sind, umdrehen mit dem Holzstab. Dann mit einer Ale den aufgezeichneten Punkt innen durchstechen (die Mohairfasern nur auseinander schieben, nicht kaputt schneiden!) und dann die Pappscheibe in den Arm, Metallscheibe auf Splinte setzen und dann auch von innen durch Loch der Pappscheibe und Teddyfell.
Richtig fett stopfen (aber so, dass die Öffnung noch problemlos zugenäht werden kann) mit Hilfe des Holzstabes und mit Matratzenstich zunähen (siehe link). Fertig sind die Arme.
Beine:
Nun, die Beine sind etwas komplizierter. Wie bei den Armen eine kleine Öffnung für Pappscheiben und Splinte, aber natürlich die Unterseite offenlassen, weil da ja dann die Sohle rein genäht wird.
Genau wie bei Armen umdrehen mit Holzstab, wenn Sohlen komplett eingenäht, dann Splinte und dann Stopfen mit Matratzenstich zunähen.
Bauch:
Der dicke Bauch. Erstmal die Zwickel an der Seite und dann rundherum die zwei Stücke aneinander bis auf die kleine Öffnung am Rücken!!!.
Kopf:
Das ist ein wenig kniffelig. Man hat ja drei Teile, die beiden Seiten und die Kopfmitte. Die beiden Seitenteile an der Unterseite zusammennähen, bis zum Hals, dann die Kopfmitte oben drauf zum Hals auch zusammennähen und umdrehen und stopfen.
Dann eine Pappscheibe, Metallscheibe mit Splint am Hals einnähen.

Wenn alles mit Füllwolle gestopft ist - außer Bauch und Ohren - zugenähtes Kopfgelenk (Kräuselstich - siehe Link) fest zusammen vernähen und an den Bauch montierten.
Öffnung bleibt hinten am Rücken und Loch wird dann oben wo alle Nähte zusammenschließen gemacht. Am besten etwas vor der Naht zum Bauch hin, damit der Teddy nicht nach oben starrt.
Vom Bauch erst die Papp- dann die Metallscheibe drauf und mit Splintendreher beide Seiten der Splinte zur Schnecke dröseln, damit der Kopf richtig fest sitzt....lockert sich eh noch.
An den Seiten des Bauches, wo es passt, Löcher für Arme und Beine stechen und genau die gleiche Prozedur. Dann den Bauch ausstopfen und die Naht am Rücken mit Matratzenstich vernähen.
Augen:
Mit einer riesigen Nadel das Leinen Garn durch die Ösen der Augen ziehen. Augen und Gelenke sollten in Relation zum Bären stehen. Zu groß wirkt er zu finster, zu klein sieht er gemein aus.
Doppelt durch den Kopf ziehen, zuvor vielleicht mit Bleistift vormalen, damit Sie richtig positioniert sind.
Hinten am Kopf feste ziehen, knoten und vernähen.
Nase:
Auch mit Bleistift vormalen. Dann Umrandung sticken mit festem Perlgarn und aussticken.
Ohren:
Die Öhrchen werden bis auf die Unterseite zugenäht und dann rumgedreht. Dann mit Matzratzenstich zugenäht. Eventuell Vorderseite Rasieren (siehe oben). Dann erstmal mit Stecknadeln positionieren, festnähen und fertig ist der Bääääärrr !!!

Viel Spaß!

Vera

Nützliche Links, Schnittmuster und
Nähtipps müsst Ihr selbst googeln.

 

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