Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Muss man Verständnis dafür haben, dass sich die Stuttgarter Sonnenkönige vor dem roten Drachen zum großen Kotau  niederwerfen?

„Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener“, könnte eigentlich auch von irgendeinem Putt-Guru stammen. Oder von Martin Schulz. Es macht Sinn auf dem Grün, das Loch von allen Seiten zu betrachten, aber wie Daimler den Satz gemeint hat, weiß ich nicht. 

Andererseits: Wer bedient sich nicht gerne an den Zitaten des Dalai Lama, weil der sozusagen unter „Weltkulturerbe“ läuft und nix kostet. Werbe-Agenturen oder die Marketing-Fuzzies von Daimler haben vielleicht mal gehört, dass der Dalai Lama das Oberhaupt der Tibeter ist, vielleicht auch, dass er im Exil lebt. Aber dass die chinesische Nomenklatura in Tibet seit Jahrzehnten die gesamte tibetische Kultur zerlegt und der Dalai Lama ein Staatsfeind ist, gehört heutzutage nicht mehr zur Allgemeinbildung.
Und was jetzt? Wie immer und überall geht es um Geld, viel Geld und wenn Daimler so leichtfertig ist, den Dalai Lama in einem Werbespruch zu zitieren, dann hat das die Konsequenz, dass die hohen Herren aus Stuttgart einen tiefen Bückling machen müssen. Einen sehr tiefen.

Ich bin wahrhaftig kein Anhänger des „alten“ Tibet, das als Staatsform ähnlich strukturiert war, wie der Daimler-Konzern heute: Ein Gottkönig von Würdenträgern umgeben, eine Staatsreligion, der sich alles unterzuordnen hat, viel Prunk bei den Herrschenden und Hunger in den Hütten der Sklaven, Wasserträger und Zulieferer. Deshalb ist es einerseits naheliegend, wenn Daimler den Dalai Lama, Friedensnobelpreisträger und religiöses Oberhaupt der Tibeter, für werbliche Zwecke zitiert. (Immerhin bietet der Dalai Lama die Idee einer Befreiung, von der mancher Stuttgarter Manager nur träumen kann.)
Aber musste es unbedingt dieser Satz sein? „Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener.“

Heilig's Blechle. Des ischt doch grauenhaft. Des ischt unterstes Glückkeks-Niveau! Und das soll vom Dalai Lama sein? Kein Wunder, dass die Chinesen sauer sind! Aus Sicht der Chinesen untergräbt Daimler mit dieser unverschämten Aussage „die Souveränität und territoriale Integrität Chinas“, womit diesem überaus sensiblen „chinesischen Volk“ Schmerz und Trauer zugefügt wurde.

Durch OFFENHEIT! Und das von Daimler! Wo sich doch die gesamte deutsche Automobilindustrie darüber einig war, dass Offenheit nur schadet. Sofort musste sich Dieter Zetsche deshalb in prosaisch-kriecherischem Schleimchinesisch entschuldigen! Schließlich ist der Arm der Chinesen ist lang genug, um dem Zetsche die Zwetschen zu zerquetschen! 

Wie die chinesische Propaganda die Tibet-Frage sieht, stellte sie vor einiger Zeit der FAZ dar, während die Netzfrauen wie Millionen Menschen weltweit weiterhin die Flagge für Tibet hissen.

Meine Sympathien gelten eindeutig den Tibetern und nicht erst, seit ich den Weg der weißen Kugel schrieb, der ein Kapitel über mein früheres Leben als Golf-Mönch in Lhasa enthält. Tibeter sind sehr sympathisch und die nettesten Leute, die ich in Indien traf. Außerdem haben sie gute Tricks drauf! Ich sichte immer noch alte Blogs und stieß dabei kürzlich auf einen Text von 2007, den ich über ein Seminar mit tibetischen Lamas verfasst hatte. Das war in der Zeit, in der ich mich noch mit Mental-Training befasst habe und in der Praxis von Vajrasattva (tib. Dorje Sempa) vermutete ich die wirkungsvollste Methode, sich als Golfer von negativem Karma zu reinigen, was fraglos der Grund ist, wenn ein Ball auslippt.

Diese Praxis von Vajrasattva würde auch Irrsinn und die Verschleierungen des Geistes beseitigen, die jede innewohnende Buddha-Natur verdecken. Hieß es. Yips, unter dem ich damals noch sehr litt, würde ich zum Beispiel als eine Verschleierung des Geistes bezeichnen.

(Im Rückblick muss ich sagen: So richtig hat es bei mir nicht funktioniert. Irrsinn und die Wirrnisse meines Geistes konnte ich erst dadurch überwinden, indem ich nicht mehr zu den DGV-Jahreshauptversammlungen fuhr.)

Interessant war es, dieses Vajrasattva-Seminar, wenn auch zeitweise etwas langweilig. Die Stunden zogen sich endlos hin, es war wie auf einer Sonntagsrunde. Seine Eminenz der Rinpoche beschrieb uns die verschiedenen Stufen der Reinigungspraxis von Vajrasattva in einem indisch gefärbten Englisch, das die Übersetzerin auf wundersame Weise verstand und übersetzen konnte. Immer wieder brummeln wir tibetische Texte, deren Lautschrift ich nur mühselig ablesen konnte. Dann sollte versucht werden, sich einen Bodhisattva vorzustellen, der auf einem Lotus sitzt, getragen von acht Elefanten, die jeweils sechs Stoßzähne haben.
Es gelang mir leider nicht, die anmutige Gestalt eines Erleuchteten vor meinem geistigen Auge erscheinen zu lassen, der verschiedene Glück bringende Symbole trägt.
Dann sollten wir uns vorstellen, wie Manna, so eine Art astrale Milch, über unser Scheitel-Chakra in uns hineinfließt und unseren Geist reinigt und mit Klarheit erfüllt. Ich bin zwar kein besonders phantasievoller Mensch, aber ich habe es versucht. Unablässig rezitierte der Rinpoche Mantras, unterstützt von zwei Lamas und den fortgeschrittenen Schülern der Gruppe.
Und dann sah ich sie, die astrale Milch! Über meinem Scheitel, etwa 15 cm über meinem Kopf. Mein Scheitel-Chakra war weit geöffnet, etwa so groß wie ein Golf-Loch. Wenn ich damals irgendetwas aus 15 cm Entfernung in ein Loch schubsen oder fließen lassen sollte, bekam ich damals sofort einen Yips. Prompt verschütte ich das göttliche Manna, das mir über den Kopf und meine Brille floss, rein astral natürlich, was so ähnlich ist wie virtuell, aber daneben ist daneben.
Die Fähigkeit zur Visualisierung ist besonders für Golfer ausgesprochen wichtig und deshalb war mein Frust groß. Von Jack Nicklaus sagt man, dass er noch nie in seinem Leben einen Golfschlag gemacht hätte, ohne sich genau vorzustellen, wie er ihn trifft, wie der Ball fliegt und wo er landet.
Ich bin auch davon überzeugt, dass der Körper eine genaue Vorstellung des Geistes besser umsetzen kann, als eine vage Ahnung. Wenn ich bei wichtigen Pitches zur Fahne ging und dann zum Ball zurücklief, dann kam mir das (auf meinem spielerischen Niveau) zwar etwas affig vor, aber der Erfolg gab mir Recht. Das Auge sieht und der Körper handelt. Visualisierung bedeutet, dass ich mit meinem inneren Auge sehe, damit der Körper dann besser agieren kann.

Die Lamas brummelten mich in den Halbschlaf, während meine inneren Visionen von verschütteter Astralmilch verschmiert waren. Dann schlug der Rinpoche eine Glocke, die Lamas machen mit ihren Zimbeln und Trommeln ein lautes Getöse, die Zeremonie nähert sich ihrem Ende und ich war wieder wach. Nicht erwacht, aber wach.

Immerhin hatte ich die Situation von allen Seiten betrachtet und fühlte mich nun viel offener.

So viel für heute

Ihr / Euer

Golf-Mönch Eugen Pletsch (vorne links)

Tibetische Golf-Mönche Cartoon. Peter Ruge 

 

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