Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Vielen Dank für die freundlichen Rückmeldungen zu meinem Blog „Golfentwicklung stabil“ von letzter Woche, besonders im Social Media Bereich gab es (zaghaften) Zuspruch.

Aber auch Fragen, denn wer noch nicht so lange dabei ist, konnte mit den Hintergründen der Thematik sowie meiner Polemik bez. DGV-Kommunikation und VcG wenig anfangen. Andere Golfer haben wiederum vergessen (oder verdrängt), welche Scheinwelten ihnen Jahr für Jahr vorgegaukelt werden.

Der Vergesslichste bin jedoch ich selbst. Erst die Suchmaschinen haben ich mich daran erinnert, dass ich mich bereits 2013 von jeglicher DGV-Politik verabschieden wollte. (Meist gelang mir das, aber manchmal werde ich wieder rückfällig.)

Meine 'Notizen' von letzter Woche bezogen sich auf aktuelle Verlautbarungen des DGV, aber die Hintergründe sind viel älter. Ich werde jetzt nicht wieder bei Old Tom Morris anfangen, aber ich verweise auf das Interview DGV über Platzreife, Mitgliedschaft & Hologramm mit dem Titel „Wir stellen alles in Frage“ in der ‚Golf Post‘ vom 9.1.2014.

Das Interview enthält den üblichen DGV-Schalmeienklang, aber Ihr solltet nach unten scrollen und die Kommentare zu diesem Artikel einblenden. Da findet Ihr deutliche Worte sowie vernünftige Vorschläge wie zum Beispiel von 'Petermann, der fragt, warum Golfclubs nicht mit örtlichen Sportvereinen kooperieren. Dazu gab es (meines Wissens) weder eine Diskussion, noch habe ich jemals davon gehört, dass man seine Vorschläge von Verbandseite her aufgegriffen hätte.

Natürlich habe auch ich damals meinen Senf dazu gegeben und dabei Links gepostet, die zu 'DGV-Blogs' führen und die bisher golfpolitisch unbedarften Spieler/Innen evtl. näherbringen, wovon wir hier reden.

Auf dieses Interview von 2014 bezieht sich auch ein Brief des leider im Vorjahr verstorbenen Golfpsychologen und Platzrichters Dr. Wolfgang Kuner, den ich gestern fand und aus dem ich zitieren möchte, da er an Aktualität nichts eingebüßt hat:

Lieber Eugen,
mein Tag hatte bis jetzt gut begonnen, dann habe ich das
Interview in der Golfpost gelesen und vorbei war's. Da fehlen die Worte. Was ich herauslese ist: zukünftig letztlich jeden auf den Platz zu lassen. Einzige Voraussetzung: er zahlt. Verabschieden wir uns vom Spirit of the Game und was Golf sein kann bzw. ist: eine traditionelle Ballsportart.

Und: Golf als Spaßveranstaltung. Gerne - solange darunter nicht Jahrmarkt zu verstehen ist, wie das neuerdings in diversen "Rettungsvorschlägen" zu lesen ist. (…) Da ist dann der Schritt zum kompletten Jux-Golf nicht sehr weit. Warum nicht mit einem Fass Bier und in Badehose auf die Runde? Rasen ist ja Rasen, ob im Vorgarten oder auf dem Golfplatz. Hauptsache ein "Spaß-Event". Austauschbar, denn es geht ja nicht mehr um Inhalte, sondern um die "Party". Und die schreit immer nach Neuem, nach Abwechslung - so ist das menschliche Gehirn beschaffen, sagen zumindest die Gehirnwissenschaftler.

Eines wird von den "Spaß-Golf"-Adepten jedoch übersehen: dass dann niemand mehr den Genuss aus Können beziehen wird und eine Runde "according to the rules" spielt, unbeachtet des sich ergebenden Scores. Das wäre eigentlich Golf.
Und wer keine Zeit für eine 9-Loch-Runde hat, muss sich einen anderen passenderen Zeitvertreib suchen. Wer keine zwei Stunden Zeit für‘ s Kino hat, geht nicht hin. Und wer keine Zeit für 90 Minuten Fußball hat, wird nicht spielen. Relativ einfach. Gab es vor Jahrzehnten mal ein Trend zum Tennis, kam jetzt der Trend zum Golf. Weitere „In-Sein“ -Wellen werden folgen.

So verlaufen Entwicklungen. Doch aus Profitgründen alle halbwegs Interessierten als potentielle Golfspieler zu betrachten und das Spiel so umzugestalten, dass es ein anderes, kaum wiedererkennbares Spiel wird, ist weder Lösung noch Verständnis. Im Gegenteil: die zwei-Klassengesellschaft auf dem Platz wird weiter verstärkt werden zwischen jenen, die noch wissen worum es geht bei diesem traditionellen Spiel, sich gar zu benehmen wissen (Etikette) und jenen, die sich die "Platzreife" letztlich beim Pro kaufen durften und nahezu komplett ahnungslos über den Platz gehen. Auch werden sie gleichsam "verkauft", denn sie wissen es mangels entsprechender Ausbildung nicht besser.

Fast-Food-Golf als Kotau vor fiktiven neuen Zahlern.

Junk-Food als Golf etikettiert. Gammelfleisch gab's schon, warum also nicht auch Gammel-Golf. Dieses Motto entspräche der in manchen Clubs gepflegten Politik: Mitglieder(wünsche) interessieren uns nicht mehr, die zahlen ja sowieso schon, wichtig sind uns die Greenfee-Spieler und möglichst viele Neumitglieder. (Anmerkung ep: Siehe auch ganz aktuell: Straten Wieso geben so viele den Golfsport auf?)

Und so geht es letztlich nicht darum, einen Sport zu forcieren und zu fördern, sondern um Profit.

Golf wird verkauft, weil es nur darauf ankommt, neue Zahler durchs Dorf zu treiben. Dann werden halt schnell mal die Regeln geändert, ebenso schnell das Verhalten auf dem Platz oder überhaupt die Art und Weise, wie gespielt wird. (…)

Mit Blick auf die Geschichte von Clubs und Verband werden Ratlosigkeit, Hin- und Her rudern usw. nachvollziehbar. Über Jahrzehnte wurden Führungsämter eher aus persönlichkeitsbereichernden denn aus Kompetenz- und sachorientierten Gründen genüsslich angestrebt. Clubmitglieder nebenberuflich als Freizeitvergnügen nach der Willfährigkeitspfeife tanzen zu lassen, mag eine gewisse narzisstische Befriedigung bieten, aber dass sich daraus dann letztlich ein Verband konstituierte, diente nicht unbedingt der unternehmerischen, professionellen Entwicklung. Da helfen dann auch neu geschaffene Berufsbilder oder eine Schein-Verwissenschaftlichung wenig.

Wo elitäres Gehabe und Überheblichkeit vorherrschen, ist Fluktuation nicht verwunderlich! 

Ebenso wenig verwunderlich ist, dass heute, in einer Phase, in welcher "Ungebundenheit" sich zu einem der dominanten sozio-ökonomischen, gesellschaftlichen Leitmotive entwickelt hat, sich jemand sehr genau anschaut, ob und wo er sich bindet und Geld investiert.

Schnee von gestern? Mitnichten. Wenn ich mir nur einen Teil der "Leading-Courses" als Spitze des Eisberges ansehe, hat sich nicht viel geändert. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Club, der meint, es sich leisten zu können, auf einem seiner drei 9-Loch-Kurse bei schlechter Witterung mal eben zwei oder drei Löcher zu sperren, das Tages-Greenfee dabei jedoch nicht verringert, denkt nicht langfristig.  (...) Wie professionell und / oder kundenorientiert dies sein mag, mögen andere entscheiden. Vielleicht sollte eine Gegenbewegung „back to the roots“ ganz im 'Spirit of the Game' geben, um dem Seelenverkauf Einhalt zu gebieten.

Wolfgang

Schnee von gestern? Jeder kann selbst vergleichen, was sich seit den "Wahlversprechen" des DGV-Interviews von 2014 geändert hat. Der Konflikt in dem auch ich stecke, besteht darin, dass wir "Traditionalisten" einerseits die klassischen Werte unseres Spiels nicht aufgeben möchten, andererseits müssen die Golfclubs überleben, damit wir weiterhin spielen können.
Alle Vorschläge, dass es auch eine Nummer einfacher und preiswerter sein darf (Konzept Öko-Platz Schlapp in Schotten) stießen auf taube Ohren und kommen nun zu spät. Die Clubs sitzen in der Kostenfalle. Ergo geht es jetzt nur noch darum, Frischfleisch auf die Weide zu treiben, auch wenn das Spiel selbst dabei über die Wupper geht.

Dennoch bleibt zu hoffen, dass es immer wieder Spieler/Innen geben wird, die nach dem Spirit unseres Spiels suchen und sich dabei nicht von dem elitären Gehabe ‚privilegierter Minderheiten‘ abschrecken lassen.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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