Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Häufig erhalte ich Mails, die auf Golfbücher, Onlinetipps und Workshops hinweisen, in denen es nur darum geht wie man den Ball noch 20 Meter weiter ins Rough schlagen kann…

Diesen Samstag hat die German Long Drive Championship im Kölner Golfclub stattgefunden, bei der Lara Lehnstaedt bei den Damen und Anton Kirstein bei den Herren siegreich waren. Gratulation.

Mit welchen Längen gesiegt wurde, weiß ich (noch) nicht. Ich weiß nur: Anton Kirstein ist ein sehr netter junger Man. Wir spielten mal zusammen ein ProAm in Glashofen-Neusaß, wo ich mich von seinen spielerischen und Gentleman-Qualitäten überzeugen konnte.
Aber haben mich seine enormen Längen animiert, schneller zu schwingen oder härter zu schlagen um den Ball länger abzuschlagen? Nein. Wie bereits an dieser Stelle erwähnt habe ich eine (gemäß Tom Zacharias) altersgemäß moderate Länge vom Abschlag, die man mit viel Aufwand auch optimieren könnte, was dann aber zu Lasten der Treffgenauigkeit gehen würde.

Natürlich ist Bewegung und Training in jedem Alter zu empfehlen. Auch mir, denn ich leide bei meiner sitzenden Tätigkeit unter einem erheblichen Bewegungsdefizit und Konditionsmangel (und hatte mir deshalb auch dieser Tage ein e-Bike gekauft). Aber Langhanteln stemmen? Oder ein Hardcore-Fitnessprogramm absolvieren, bei dem sich ältere Leute eigentlich nur verletzen können?

Die ewige Diskussion, ob es der lange Drive (Heuler & Co) oder das kurze Spiel (Bob Rotella) ist, was den Score am Meisten positiv beeinflusst, ist längst geklärt. Statistisch ist der Longhitter im Vorteil, sofern er seinen zweiten und dritten Schlag nicht ebenso lang schlägt. (Ihr kennt den Witz von dem Golf-Gorilla?).

Wie die meisten Spieler habe ich mich jahrelang bemüht, den Ball länger vom Tee abzuschlagen. In meinem Buch „Endlich einstellig!“ erzähle ich, wie mir meine Trainerin Barbara Helbig die Leviten las und meinte, ich würde wie ein 80jähriger schwingen. Das hatte gesessen, aber mangels Schnellflex-Muskeln oder überhaupt Muskeln, läppere ich meinen Ball weiterhin vom Tee, wo er (meist Mitte Fairway) nach 180-190 Metern zum Liegen kommt.

Eine trockene abschüssige Bahn, auf der ein Ball bis 230 Meter rollt, beschert auch mir Glückgefühle, aber meist sind unsere Bahnen nass, und es geht bergauf. Und Länge ist für mein Spiel auch deshalb nicht relevant, weil ich mein Golfer-Leben lang da mit dem Hybrid da angreifen musste, wo meine Mitspieler mit dem Eisen 8 nach dem Grün schlugen. Ich kenne es nicht anders und kann es nicht anders. Was dadurch zählt, ist Genauigkeit beim 2. oder 3. Schlag und da hapert es bei mir mittlerweile auch, mangels Training.

Hin und wieder lassen mich einige „Young Guns“ noch mitwatscheln, die mich um mindestens 50-80 Meter kurz lassen. Aber gezählt wird hinter dem Grün und da macht sich meine Spielerfahrung bisweilen doch noch bemerkbar. Manchmal gewinne ich sogar das Loch, weil die Young Guns zwar unendlich lange Drives schlagen können, aber häufig die Bahn nicht treffen.

Bisweilen sprechen mich Altersgenossen an, wie kürzlich unser Henry. Auf der Driving Range. Er stand neben mir. Seine Drives würden immer kürzer werden, monierte der einstige Longhitter. Warum Henry mich, den ewigen Shorthitter, ansprach, war mir ein Rätsel. Vielleicht, weil er irrtümlich glaubte, dass jemand, der satirische Golfbücher geschrieben hat, irgendetwas über den Golfschwung wissen müsste. Nun – ich habe, wie ein Rezensent, der mich persönlich kennt einst schrieb – „mehr über das Golfspiel vergessen, als andere je wissen werden“ (oder so ähnlich). Das ist schon richtig, aber das heißt nicht, dass ich einem Silberschopf Hoffnung auf einen vierten Frühling machen könnte.
Natürlich gibt es Phänomene wie Sam Snead. Wer ihn nicht kennt: Der Pro Heinz Schmiedbauer schreibt aktuell über Snead in einem Artikel, der vom Golfsportmagazin veröffentlicht wurde.

Müssen wir uns ab einem gewissen Alter wirklich die Frage nach 10 oder 20 Metern mehr an Länge vom Tee stellen, eine Frage, die vollkommen irrelevant sind, wenn uns ein Spargel aus der Jugendmannschaft ohnehin 100 Meter kurz lässt? Die spielen doch ein ganz anderes Spiel!

Mein Tipp in dem Zusammenhang (manchmal kommt es ja zu solchen Wettkämpfen zwischen Kindern und Älteren): Man braucht nur Geduld. Sie sind unendlich lang vom Tee und beim Putten zeigen sie keine Nerven, aber wenn man ihre  Lieblingskuscheltier-Driver-Haube dezent verschwinden lässt, dann sind sie aus der Spur und hauen ins Rough. Auch die Andeutung, ihren Hamster zu vergiften, hat sich als hilfreich erwiesen.

Zurück zu Henry, der sich sein einstelliges Handicap (wie ich einst) auf glücklichen Runden zusammengekegelt hatte, aber die restlichen Golfer-Jahre meist im Rough verbracht hat.
„Wie Du wieder längere Drives schlagen kannst, Henry? Das fragst Du mich? Ich entsinne mich an unsere letzte Runde, einen angenehme Runde! Wir haben nicht einmal nach Deinem Ball gesucht!“
„Aber…“, Henry holt Luft.

„Nix aber. Das war so, weil Du Deinen Ball auf der Bahn halten konntest. Sei doch dankbar! Die Golfgöttin gewährt jetzt auch Dir die Gnade eines kürzeren Drives. Sei glücklich! Keine Zeckenangst mehr, kein endloses Gesuche, keinen Ball, den Du aus dem Fairway-Bunker toppen musst.“

„Hm – ja schon, aber mein Score…ich spiele mein Handicap längst nicht mehr.“

„TJa und? Wir haben doch geliefert. Wir haben bewiesen, was wir konnten, wir haben 30 cm Putts auf schnellen Grüns bergab gelocht. Wir haben es hinter uns! Du bist erlöst. Du musst NICHTS mehr als jede Minute genießen.“

 „Hmmpff.“ Henry grunzte verunsichert.

„Schau mal“ fuhr ich fort, „Die ganzen Statistiken von Drive-Längen beziehen sich auf junge Kerle die voll im Saft stehen, testosterongeplagte Jungbullen, die gottlob nach Bällen schlagen, anstatt irgendwo in den Krieg zu ziehen. Wir müssen das nicht mehr. Unsere Drive-Länge ist vollkommen altersgerecht. Wer in unserem Alter 250 Meter Drives schlägt ist entweder Profi, eine Mutation oder wurde als Baby mit Basaltstaub im Milchfläschchen aufgezogen.“

Sein nächstes „Hmmpff“ klang erleichtert, als wäre die schwere Last von ihm abfallen, die ihm das Golfspiel zuletzt immer mehr vergällt hatte.

„Solange Du Dein Handicap als Statussymbol ansiehst und Du es nicht mehr spielen kannst, drückt es Dich wie eine Villa, die Du Dir nicht mehr leisten kannst. Genieße den Platz wie er ist, spiele den Ball wie er liegt und sei dankbar für kurze Drives, die nicht im Aus verschwinden – oder in den Bunker rollen, wie früher.“

Mein Freund lächelte dankbar, versprach mir ein Abendessen und verschwand in Richtung 1. Abschlag, um einen ganz entspannten Drive zu schlagen, der überraschend weit flog.

Er winkte mir noch mal zu. Ich winkte zurück. Dann ging ich zurück in meine Abschlag-Box, um mein Training wieder aufzunehmen. Vor drei Tagen wurde ich nämlich gefragt, ob ich in der Seniorenmannschaft beim AK 65 Ligaspiel aushelfen könne. Da heißt es trainieren. Mein Ziel ist, dass meine Drives bis Mittwoch drei Meter länger fliegen. Dann würde ich es auf der 1. Bahn im Golfpark Winnerod (Par 4) bis zur 2. Welle schaffen, zumindest wenn es trocken bleibt...und von da sin es nur noch 2-3 Schläge bis zum Grün!

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

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