Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Der Golfsport hat zumindest von Verbandsseite her zwei dominante Farben. Schwarz und Grün. Und das sind auch die zwei dominanten Aspekte: Schwarze Schafe als Sponsoren und immer mehr ökologisches Bewusstsein angesichts des dramatischen Bienen- und Insektensterbens.

Die letzte Woche war insofern interessant, als mir das Gewitter am vergangenen Mittwoch die DSL-Leitung geschreddert hatte, was mich aus meinem gewohnten Alltag riss.

Eine Woche offline (dank Telekom) ist für einen Freiberufler der im Netz arbeitet, eigentlich eine Katastrophe, aber ich konnte mir sicher sein, dass die Kollegen der Online-Golfmedien anlässlich der OPEN ausführliche Bildstrecken der Spielerfrauen veröffentlichen würden.

Also fuhr ich in den Odenwald, um Marlies und Klaus Holitzka zu besuchen und um die wunderbare Luft auf dem Golfplatz Odenwald zu genießen.

Irgendwann kam es zu einer interessanten Diskussion über das Insektensterben. Das Künstlerehepaar hat ein großes Grundstück, auf dem nur noch einige Flächen ausgemäht werden, zum Beispiel Hollys private Driving Range hinter dem Haus. Den Rest überlässt man der Natur unter dem Motto: Die wird schon wissen, was sie tut.

(Ein ähnliches Experiment hatte mein Freund, der Schriftsteller Helmut Salzinger (in seinem Buch „Der Gärtner im Dschungel“ dokumentiert).

Bei dem Gespräch erwähnte ich, dass ich gerade einen Text von ‚Rasenfuchs‘ Norbert Lischka mit dem Titel „Dramatisches Insektensterben“ veröffentlicht hatte.

Marlies berichtete daraufhin von dem Entomologische Verein Krefeld und deren Forschungen. (Die aktuelle Diskussion dazu hat Daniel Lingenhöhl sehr gut zusammengefasst) – und Marlies erzählte von Nachbarn, die sich nun auch überlegen, Teile ihrer Grundstücke der Natur zu überlassen, was etwas anderes ist, als für einen Sommer ein Tütchen Wildblumensamen auszuschütten.

Am Tag darauf hörte ich in HR1 von der Ankündigung einer Sendung bez. Mähroboter und „Unkraut“. Auch über den Begriff ‚Unkraut‘ hatten wir diskutiert. Warum müssen wir unsere Gärten vom Unkraut befreien? Wegen der Nachbarn, die keine Samen abgekommen wollen?
Selbst Städte und Gemeinden beginnen in Anbetracht des Flächen deckenden Insekten,- und Vogelsterbens umzudenken. Meine Heimatstadt Gießen ist so pleite, dass man seit dem Hessentag alle Verkehrsinseln in herrlichem Blumenreichtum verwildern lässt. Aber reicht das?

Was der Verein aus Krefeld herausgefunden hat ist, dass es nicht nur die Bauern mit ihrem Glyphosat sind, die das Insektensterben verursachen, sondern auch die Haus-und Gartenbesitzer, die ihrem überholten Ideal vom ‚idealem Garten‘ (frei von ‚Unkraut‘) huldigen.
Wie zeitgemäß ist der Begriff „Unkraut“ wenn wir damit die Pflanzen meinen und ausrotten, die Insekten und Bienen dringend zum Überleben brauchen. Naturschutzbehörden verlangen von Golfplatzbetreibern große Flächen als Brachen auszuweisen. Auch öffentliche Parks haben immer mehr Wildwuchs-Flächen. Ich würde von keinem Schrebergärtner, der häufig neben den Nutzpflanzen auch große Blumenrabatten zieht, verlangen, dass er Teile seines Gartens verwildern lässt. Aber wie viele Hausbesitzer, gerade Golfer, haben manikürte Rasenflächen, die ein vollkommen sinnloses Dasein fristen. Die Kinder sind aus dem Haus, die Eltern auf dem Platz – warum also nicht wachsen lassen, was wachsen will?

Ich gebe zu: Für uns Golfer sind jede tote Mücke (oder Bremse) eine gute Mücke (oder Bremse), denn sie kann uns mitten im Rückschwung nicht mehr stechen. Andererseits müssten selbst wir in unserer heilen Welt langsam merken, dass etwas nicht stimmt. Die Frage ist nur: Interessiert uns das?

Interessiert es uns, dass die deutschen Automobil-Hersteller, häufig Sponsoren des Golfsports, offensichtlich als kriminelle Vereinigung agieren? Akzeptieren wir die vielen tausend Toten, die wir jährlich durch vermeidbare Luftverschmutzung allein in Deutschland haben? Ist es uns wurscht, wenn Profi-Golfer das BERENBERG oder andere Bankster-Logos auf ihrer Kappe tragen, egal in welche Machenschaften diese Banken verstrickt sind. Ist es uns wurscht, dass der nächste Ryder Cup in Italien aus dubiosen Quellen finanziert sein könnte (was nicht zu beweisen ist, aber offensichtlich scheint, wenn man die Investitionen der MAFIA in Italien recherchiert).

Ist das der Spirit of Golf, Golfers Ethos, mit dem wir so gerne angeben? Sind solche Fragen unzulässig? Mache ich aus toten Mücken Elefanten?

Als der DGV vor etlichen Jahren eine Broschüre veröffentlichte, in der man die Golfplätze als Trittsteinbiotope bezeichnete, verspottete ich diesen damaligen Versuch, Golfplätze grün zu waschen, als peinlichen ÖKO-Fake. Mittlerweile hat sich das Bewusstsein vieler Greenkeeper tatsächlich in Richtung des Visionärs Heribert Schlapp verändert, der mit dem damaligen Golfplatz Schotten (einst unter dem Spott von Golfern und geächtet vom DGV) den ersten echten „Öko-Golfplatz“ in Deutschland schuf; mit Wildwuchs-Flächen, wie sie bei uns im Golfpark Winnerod und etlichen anderen Plätzen mittlerweile selbstverständlich sind.
Allein aus Kostengründen hat sich auch die Spritzerei auf den Spielflächen erheblich reduziert.

Ich bin Golfer, betreibe ein Golfportal und liebe gut gemähte Fairways, solange ich weiß, dass der größte Teil der umgebenden Flächen Brachen sind, die zum Pflanzen- und Tierreichtum beitragen.

Viele Entscheider der Wirtschaft sind Golfer und manche denken (spätestens wenn der Staatsanwalt klopft) darüber nach, auf was sie sich da eingelassen haben bei ihren Entscheidungen pro Profit und contra Umwelt.

Ja, wir sitzen alle im Glashaus und ich schlage auch nach jeder Mücke und Bremse, die mir zu nah kommt. Dennoch: Mittlerweile ist es eine dramatische Situation, die uns alle betrifft, denn wenn es so weitergeht (das schrieb ich bereits vor 20 Jahren im ‚Weg der weißen Kugel‘) „können wir bald nur noch in Turnhallen Indoor-Golf spielen“ oder wie Einstein einst sagte: „Wenn die Biene stirbt, stirbt auch der Mensch“.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

PS: Vor Jahren hatte ich im Zusammenhang mit meiner Aktion „Golfer gegen Gendreck“ eine Allianz von Golfzeitschriften, Golfverband, Bienenschützern und Online-Magazinen zu initiieren versucht: Die Idee war, Bilder der schönsten Blüten, Brachen und Biotope deutscher Golfclubs zu veröffentlichen und zu prämieren. Die Idee wurde anfangs von allen begeistert aufgenommen, sogar vom DGV, aber passiert ist dann nichts. Dieser Wettbewerb und die Veröffentlichungen hätten nicht nur dem Image des Golfsports gut getan, sondern hätte auch zu einem Bewusstseinswandel unter Golfern führen können. Aber – vielleicht, weil die Idee von Herrn Pletsch kam – war plötzlich niemand mehr zu erreichen...

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Wildwiesenflächen im Golfpark Winnerod