Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Während sich Golf-Deutschland gen München aufmachte, um unser Spiel im Spannungsfeld zwischen Jet-Set und Jet-Lag zu erleben, fuhr ich, antizyklisch wie es meine Art ist, Richtung Nordrhein-Westfalen.

Als Kolumnist und Berater der NRW-Golfjournale (Koerdt-Verlag) war ich vom Verlag zu einem Gespräch mit Gerd Rothfuchs gebeten worden, Vize im NRW-Golfverband und Manager des Golfclubs Rheine-Mesum.

Mein Instinkt sagte mir, dass ich bereits am Mittwoch anreisen sollte, wenn ich zum Termin am Donnerstag 11 Uhr pünktlich sein wollte. Tatsächlich war ich mehr als vier Stunden unterwegs. Allein bis Siegen brauchte ich zwei Stunden und dankte Gott, dass ich nicht mehr im Außendienst tätig bin.

(Dass die AUDI-Drängler – zumindest nach meinen Beobachtungen – derzeit die giftigsten Unfall-Provokateure auf deutschen Straßen sind, behalte ich mal besser für mich, da AUDI in diesem Jahr evtl. noch eine Lesung mit mir plant.)

Trotz der nervösen Stechfliegen aus Ingolstadt habe ich mein Ziel dennoch erreicht und mein Quartier im Traditions-Hotel Borcharding bezogen, ein Haus, das in der 14. Generation (seit 1712) betrieben wird und die unerschütterliche Ruhe ausstrahlt, die mir so gänzlich fehlt.

Etwas später, im Golfclub, begrüßte mich Manager Gerd Rothfuchs und drückte mir einen Cart-Schlüssel in die Hand, damit ich mich auf dem Platz umsehen konnte, auf dem eine hitzige Schlacht unter den Herrengolfern tobte und wie jedermann weiß, sind Herrengolfer ein gefährliches Völkchen, wenn man sie während des Turniers reizt.
Wer als Besucher mal eben über den Platz brettert und im falschen Moment mit knirschenden Reifen hinter einem Abschlag bremst, auf dem sich ein Club-Matador gerade bereit macht einen provisorischen Ball nachzuschlagen, lebt gefährlich.

Deshalb fuhr ich zum Clubhaus zurück, worauf Herr Rothfuchs kurzerhand in das Cart stieg und mich über den Platz chauffierte. Wenn wir Spielern begegneten, sparte er nicht mit knackigen Kommentaren. Humor, Herzlichkeit und der ‚rustikale‘ sportliche Umgang miteinander sind offensichtlich die Grundstimmung, die diesen Club dominiert. Ich vermutete, dass diese ‚Grundstimmung‘ von der Persönlichkeit des Gerd Rothfuchs maßgeblich mitgeprägt wurde, was sich bei dem ‚offiziellen‘ Gespräch am nächsten Tag bestätigte.

Auf unserer Rundfahrt erzählte er mir von der Entstehung der Anlage und seinem Engagement für Golf als Sport für Jedermann und Frau. Dabei entdeckten wir viele Gemeinsamkeiten in unserer Golfer-Biographie, zum Beispiel spielten wir beide vor etlichen Jahren unsere erste Runde Golfrunde auf den vertrockneten Briefmarkengrüns der ‚Lausward‘ in Düsseldorf, wurden für Jahre golfsüchtig und irgendwann wurde unser Laster zum Beruf.

Als die Hitze nachgelassen hatte und weil der Abend so schön war (und der Club auch einen öffentlichen 9-Loch-Platz hat, auf dem kein Turnier stattfand), schloss ich mich einem Ehepaar an und genoss Grüns von einer Qualität, die man auf einem öffentlichen Platz nur selten finden wird.

Wer diese Golfanlage in ihrer Schönheit erlebt, wird sich nicht vorstellen können, dass es hier vor 25 Jahren nichts als Maisfelder gab. Dieser Platz ist wirklich ein Beitrag zum Naturschutz, weshalb die Anlage auch mit dem silbernen DGV-Zertifikat ausgezeichnet wurde.

Warum mich manche Golfer irritiert anschauten, verstand ich erst später, als ich bemerkte, dass ich Herrn Rothfuchs Cart mit der Aufschrift ‚Platzaufsicht‘ geklaut hatte.

Pletsch im Club-Cart (Golfclub RHeine Mesum)

Meine nächste Etappe war Gelsenkirchen, wo ich von Frau Oelmann eingeladen war, den vom Wetterbericht angekündigten Weltuntergang mit ihr gemeinsam bei Köpi und BMW-Open durchzustehen. Das Köpi war kalt und die BMW-Open heiß, aber der Weltuntergang ließ zumindest in Gelsenkirchen auf sich warten. Immerhin sorgten Windböen dafür, dass die Hitze nicht mehr ganz so unerträglich war.

Am nächsten Tag machte wir einen Abstecher in Frau Oelmanns Club ‚Haus Leythe’, futterten einen Happen bei Pia-Engel Nixon und weil der Platz durch einen Kanonenstart belegt war, fuhren wir zum Golfclub Schloß Westerholt (Vielen Dank an Herrn Tietz!). Am 1. Abschlag schloss sich uns Frau Oelmanns Golfkumpel Claus an, einem Spezialisten für Ballfindung.

Frau Oelmann mit Taufkirche im Hintergrund

Schloss Westerholt spielte sich herrlich, keine Ahnung wo die anderen Golfer steckten. Wir kamen sehr flott voran, wobei wir einmal einen Dreier durchspielen ließen, die mir durch lange Drives aufgefallen war. Ich dachte es wären die ‚Young Guns‘ der Clubmannschaft, also winkten wir durch. Die Herren schlugen ab, trafen alle das Grün des Par 3 und spielten alle Par, aber es waren keine Kids sondern Senioren, was mir Mut machte, das Spiel nicht endgültig aufzugeben…

Von der 10. Bahn, einem Par 3 über das Wasser (an dem ich zwei Bälle verlor) mal abgesehen, war es eine äußert vergnügliche Landpartie. Claus hatte bereits 13 Bälle gefunden und Frau Oelmann konnte auf mehreren Bahnen aus mehreren Perspektiven auf die Kirche hinweisen, in der sie einst getauft wurde.

Zur Siegerehrung überreichte ich Frau Oelmann (1. Brutto / Damen plus Pletschplay-Gewinnerin 2017) ein monumentales Kristall-Präsent und verabschiedete mich alsbald, da ich den Golfclub Felderbach noch vor Einbruch der Nacht erreichen wollte.

Außerdem wartete der neue Sekretär, mein Freund Tim Schneider, auf mich mit dem Abendessen. Mein Zimmer mit Ausblick auf den Platz war ruhig gelegen und die Hitze erträglich, weshalb ich genug Schlaf fand, um mit Tim am nächsten Tag einige Bahnen auf der Anlage ‚Felderbach‘ zu spielen.

Auf der Golfanlage Felderbach

Es war dunstig, fast kühl, manchmal nieselte es – also sehr angenehm nach den heißen Tagen. Es gelang mir sogar, ein oder zwei Bahnen Par zu spielen. Tim, ein sehr konservativer Golfer und höchst kompetenter NRW-Platzrichter, drohte mir an, sofort die abendliche Lesung abzusagen, wenn ich noch ein Wort über Heulers „Aufteen auf dem Fairway“ verlieren würde, aber sonst war es eine angenehme Rundfahrt über die bergige Anlage, die ich im Leben nicht zu Fuß gehen wollte.

Um 18 Uhr 30 machte sich in mir etwas Nervosität breit. Ob wirklich jemand kommt? Noch war niemand da. Ich ging auf mein Zimmer, dann Spazieren, bis mich Tims Anruf erreichte, dass die Hütte fast voll wäre. Auch Freunde aus Düsseldorf die ich lange nicht gesehen hatte waren gekommen und Frau Oelmann war gleich mit einem Geschwader sportlicher Seniorinnen aus ihrem Club angereist, die sie davon überzeugt hatte, zur Lesung mitzufahren.

Zuerst gab es Häppchen und Sekt, um die Gemeinde anzuwärmen, dann eröffnete Tim Schneider die Veranstaltung mit einer sehr freundlichen Anmoderation und ich begann, Geschichten ‚Life aus der grünen Hölle‘ zu lesen. Nach fast zwei Stunden zeigte mir die Resonanz (und der anschließende Buchverkauf), dass die Lesung gut angekommen war.

Lesungen sind für mich anstrengend geworden, weshalb ich solche Veranstaltungen nicht mehr aktiv akquiriere, aber wenn Leser (oder Zuhörer, die mich einmal ‚life‘ erlebt haben) eine Lesung in ihrem Club anregen, dann komme ich natürlich gerne.

Soviel für heute...

Ihr / Eurer

Eugen Pletsch

 

Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button