Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Im Golfsport und überhaupt. Der Golfsport wird sich in 2019 bewegen und die vier Spieler vor mir haben in der Winterpause offensichtlich zu viel Golf im Fernsehen gekuckt. Oder sie wurden – noch schlimmer – von den Massen der Winter-Trainingstipps in Newslettern und Golf-Heftchen ins ‚Paralysis by Analysis-Koma‘ getrieben.

Eigentlich habe ich es längst aufgeben, über Spielgeschwindigkeiten zu mosern. Das überlasse ich Lesern wie Andreas. Andererseits möchte ich den jungen Menschen, die vor mir spielen mitteilen, dass sie sich ihre Putt-Rituale auf einem vom Winter noch geschredderten Frühjahrsgrün eigentlich schenken könnten. Selbst wenn sie eine Linie sehen, ist die nicht treu und so bleibt das Putten – wie meist – ein Glückspiel.

Meine Empfehlung wäre: Kurz peilen, schwingen und hoffen – und manchmal fällt der Ball.

Aber was machen die Herren: Sie markieren, laufen um Ball und Loch herum, richten den Ball aus. Finger hoch (Aim Point? Oder um die Windgeschwindigkeit zu messen?), noch mal die Markierung ausrichten, neu anpeilen, wieder in die Hocke, dann ansprechen, dann putten, dann wundern, dass der Ball zur Seite springt. Also sammeln, durchatmen, neu justieren, neu markieren, nochmal herum laufen, Ball neu ausrichten, wieder in die Hocke, dann Ball ansprechen, putten – zu kurz gelassen. Fluchen, markieren, Ball ausrichten, dann ein frustrierter Tap In-Versuch mit dem Putter-Rücken, bei dem der Ball an der Lochkante liegen bleibt.

Und das mal vier, Grün für Grün, muss das sein?

Wird sich das mit den neuen Golfregeln ändern? Die sind ähnlich vorrausschauend geplant, wie die vermehrte Ausbildung von Neurologen in Österreich. Ich weiß nicht mehr, in welcher medizinischen Fachzeitschrift ich das las, aber man bemüht sich in Österreich derzeit möglichst viele Neurologen und Gehirnchirurgen auszubilden, weil man vermutet, dass die Verstrahlung durch Mobilgeräte eine exorbitante Zunahme an Hirn-Tumoren zur Folge haben wird. Nicht, dass man die SARS-Werte reduzieren würde oder das Telefonieren in Bahn und Bussen sowie die allgemeine WLan-Verseuchung verhindern würde – nein. Man richtet sich nur darauf ein, dass mehr Gehirnchirurgen gebraucht werden.

So ähnlich ist es auch bei den Golfregeln. In einem Blog in 2014 schrieb ich: "Schach ist Schach und Golf ist Golf und sowie jemand auf einem Golfplatz mit anderen Leuten auch nur um eine Tasse Kaffee spielt, dann spielen – wir zumindest – Golf, und zwar nach den Regeln der R&A. Und wenn die R&A irgendwann anfangen sollte, ein anderes Spiel zu erfinden um dem Zeitgeist aus wirtschaftlichen Gründen zu huldigen, dann wird es trotzdem Traditionalisten geben, die weiterhin nach den alten Regeln spielen werden und damit sind nicht nur die Hickory & Tweed-Societies gemeint.“

Nun gut – jetzt ist es so weit. Die „multioptionale Erlebnisorientierung“ des modernen Menschen erfordert neue Regeln, genauer gesagt: eine Vereinfachung des Reglements im Golfsport, die ich als älterer Mensch, der sich nicht mehr alles merken kann, grundsätzlich begrüße. Ich zitiere:
Mit Wirkung zum 1. Januar 2019 planen die weltweit anerkannten obersten Regelhüter des Golfsports, der R&A und die USGA, weitreichende Veränderungen in den Golfregeln. Sie sollen das Golfspiel, bei gleichzeitiger Wahrung des Charakters, leichter verständlich, fairer und zukunftsfähiger machen. Dazu haben die beiden Regelinstanzen am 1. März einen umfassenden Überblick über ihre Initiative zur Modernisierung der Golfregeln vorgelegt. Kernstück: Aus gegenwärtig 34 Golfregeln werden 24. Eine vergleichbare umfassende Reorganisation der Regeln liegt über 30 Jahre zurück.“

Auch der Deutsche Golf Verband (DGV) begrüßt die Initiative ausdrücklich: „Es ist tatsächlich Zeit für eine grundlegende Regelrevision. Wenn Golf sich auch in Zukunft in einem sich immer schneller wandelnden Sport- und Freizeitmarkt als hochattraktive Sportart und Freizeitvergnügen präsentieren möchte, ist ein moderneres Regelwerk unabdingbar. Die jetzt veröffentlichten und beabsichtigten grundlegenden Anpassungen weisen den richtigen Weg, weil sie sowohl den Zugang zum Golfsport als auch die Ausübung des Golfsports selbst erheblich vereinfachen.“

Was sich alles ändert, wird man uns bis 2019 in unseren ‚Golf-Fachmagazinen‘ ausführlich erläutern und in bunten Bild-Strecken zeigen, wie man die Suchzeit von fünf auf drei Minuten verkürzt. Und die Empfehlung, dass jeder Schlag nicht mehr als 40 Sekunden dauern und üblicherweise noch schneller ausgeführt werden soll, wird unseren Clubkameraden Jens-Erich Manitzke hoffentlich von seinem Starrkrampf erlösen.

Auch das Schlagen außerhalb der Reihenfolge im Zählspiel (Ready Golf) soll gefördert werden, (Bravo!) und dann wird noch eine alternative Form des Zählspiels angeboten, bei der durch die Spielleitung eine maximale Begrenzung für ein zu notierendes Ergebnis je Loch festgelegt werden kann.
Ab 2019 muss auch die Fahne bei einem Schlag auf dem Grün nicht mehr bedient werden (endlich!) und das Fallenlassen des Balles (Droppen) muss nicht mehr aus Schulter - sondern kann aus beliebiger Höhe erfolgen, was wir ohnehin schon machen, weil das von gewissen Menschen aus der Entfernung als Hitlergruß interpretiert wird und weitere AfD‘ler auf die Golfplätze und in den Verband locken könnte.

Viele Verhaltensweisen, die dem Charakter des Spiels nicht widersprechen, sind künftig straflos, so z. B. das versehentliche Bewegen eines Balls durch den Spieler bei der Suche, das versehentliche Treffen des Spielers, seiner Ausrüstung oder seines Caddies mit dem Ball oder das Bewegen oder Berühren von Gegenständen wie Blättern, Steinen und Stöcken im Hindernis mit der Hand oder dem Schläger.
Über das versehentliche Treffen der Ehefrau und seine Folgen hat sich die R&A nicht ausgelassen.

Entfernungsmessgeräte sind ab 2019 grundsätzlich erlaubt, es sei denn, sie sind durch die Platzregel verboten (Umkehrung der aktuellen Regelung). Prima! Wenn jeder im Wald weiß, in welcher Himmelsrichtung das Fairway liegt, kann sich das Spiel nur beschleunigen,

Von besonderer Bedeutung ist auch künftig der „Spirit of the Game“ (wahre Geist des Golfspiels). So werden Spielleitungen befugt sein, den hohen Anspruch, den der Golfsport an das Verhalten eines Spielers anlegt, durch einen eigenen Verhaltenskodex zu konkretisieren.

Was das bedeutet, ist mir ehrlich gesagt nicht klar, da der Geist des Golfspiels vor Jahren in eine Flasche verbannt wurde, die um Clubhaus der R&A in einem Safe steht. Aber vielleicht werde ich irgendwann mit Hilfe österreichischer Neurologen begreifen, was der neuzeitliche Golfsport noch mit dem Geist des Golfspiels zu tun hat.

Immerhin haben die obersten Regelinstanzen weltweit viele Beteiligte zurate gezogen, um in einem fünfjährigen Beratungsprozess zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es sich beim Golf um einen Sport(!) handelt, der draußen bei jedem Wetter und auf nicht standardisierten Spielfeldern in fast jeder Art von Landschaft gespielt wird.

Das hat zur Folge, dass man immer nach einem Regelkodex suchen wird, „der die Balance aus Fairness und Einfachheit möglichst überzeugend darstellt. Dazu gibt es wahrscheinlich so viele verschiedene Ansichten, wie es Golfspieler gibt“, bemerkt Alexander Klose vom Deutschen Golf Verband. Er begrüßt Vereinfachungen des Spiels, weshalb auch ich mir erlaube, weitere Vereinfachungen vorzuschlagen:

  1. Vierer-Flights müssen bei mehr als acht Putts pro Grüns den Ball aufheben und durchspielen lassen.
  2. Senioren mit Gehproblemen (ich) müssen von jüngeren Spieler auf Wunsch bergauf getragen werden.
  3. Wer seinen Score nicht mehr weiß, (ich) darf schätzen.
  4. Wem es auf der Runde keinen Spaß mehr macht (weil zu kalt, zu langsam, zu schnell o.Ä.) darf aufhören und bekommt pro nicht gespielte Bahn jeweils vier Stableford-Punkte.
  5. Stableford wird abgeschafft bzw. durch eine alternative Form des Zählspiels ersetzt, bei der nur die gelungenen Schläge gezählt werden.
  6. Wer für eine Trainerstunde EUR 200.- zahlt, darf auf dem Fairway aufteen.
  7. Kurze Putts, die eigentlich drin sein müssten, zählen als gelocht.

Weitere Vorschläge meiner LeserInnen sind herzlich willkommen!

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

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