Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Vom 16. – 19. Februar 2017 war ich als Gast von Starwood Hotels und Arabella Golf auf Mallorca einer von 30 Teilnehmern beim Mallorca Press Cup 2017...

Also, die Sache war so: Vor einigen Wochen kontaktierte mich eine Dame namens Christine Crespo mit der Frage, ob ich am Mallorca Press Cup 2017 teilnehmen wolle, der vom 16. – 19. Februar auf Mallorca stattfinden würde. Natürlich zickte ich erstmal rum.
Seit Jahren habe ich Einladungen u. a. nach Mauritius, Ägypten und sonst wo hin aus vielerlei Gründen abgelehnt. Mallorca hatte ich nicht auf dem Schirm gehabt. Andererseits habe ich im Winter stets eiskalte Füße und der Gedanke an Wärme animierte mich, mal abgesehen davon, dass ich auf Mallorca noch nie Golf gespielt habe.
„Ob die Federbetten lang genug wären?“ fragte ich Frau Crespo. Ob ich am Nachmittag fliegen könne? Und beim Turnier nur im letzten Flight starten? Alles kein Problem, antwortete sie.

Ich besprach die Reise mit meinen medizinischen Beratern, die offensichtlich froh waren, mich eine Weile los zu sein. Ich wurde mit neuen Beruhigungsmitteln ausgestattet (die z.B. Gorillas bekommen, wenn sie von Zoo zu Zoo transportiert werden) und begann, mich auf die Zeitumstellung vorzubereiten. Mein Hoffnung war, um 9 Uhr morgens aus dem Bett zu kommen. Das bedeutete, dass ich etwa 23 Uhr einschlafen müsste, was mir jedoch nur manchmal gelang. Wie nervös ich war, merkte ich am Morgen vor dem Abflug, als der Feuermelder zu piepen begann. Aus der Küche drang schwarzer Rauch, es roch nach verbranntem Plastik.

ICH HATTE MEINEN KUNSTSTOFFWASSERKOCHER AUF DIE HERDPLATTE GESTELLT!

Nachdem ich das Cerankochfeld notdürftig gesäubert und die Wohnung gelüftet hatte, fuhr ich Richtung Frankfurt. Meinen Wagen habe ich bei Parkfuchs24.de geparkt, die sich (besonders nach dem Rückflug) als zuverlässig, pünktlich und äußerst freundlich erwiesen.

Am späten Nachmittag landete der Flieger in Palma. Der Fahrer stand bereits am Infopoint und hatte Lars Kretzschmar von der Golf Post im Schlepptau. Der Shuttle brachte uns zum Castillo Hotel Son Vida. Auf dem Weg staunte ich, wie sehr sich alles verändert hatte. Nicht, dass ich noch wüsste, wie es vor 30 Jahren ausgesehen hatte, aber es schien mir alles sehr verändert.

Der Mallorca Press Cup 2017, zu dem ich eingeladen war, fand zum 7. Mal in Folge statt. Zweck der Veranstaltung ist, Mallorca als Golfdestination zu fördern. Mallorca Press Cup 2017 Begrüßung in der LobbyIch hätte nicht gedacht, dass man deutschen Golfern noch etwas über Mallorca als Golfdestination erzählen müsste, aber wenn das der Deal ist um warme Füße zu bekommen – bitte sehr! Das Event hat zwei Hauptsponsoren: Starwood Hotels Mallorca und Arabella Golf. Geladen werden jährlich 30 Journalisten und Blogger aus 10 europäischen Ländern (drei pro Land), die an zwei Tagen ein Turnier spielen. Ich war gespannt.

Ankommen, einchecken, auspacken, durchatmen und die Sicht genießen. Vom Balkon aus blickte ich auf eine Golfbahn neben dem subtropischen Garten des Hotels. In der Ferne sah ich die Stadt Palma und das Meer. Die Bettdecke war riesig, das Zimmer gediegen, stilvoll und was Leselampen etc. angeht, sehr durchdacht. Auf dem Bett lag ein Karton mit Logo-Bällen, eine Kappe und das Turnier-Shirt, dass wir tragen sollten. (Man würde das Shirt am 1. Turniertag um 17 Uhr abholen und wir bekämen es frisch gewaschen zurück, las ich. Dass dieses Shirt sozusagen unser Ausweis war, der uns Kaffee und Snacks verschaffen würde, merkte ich erst später.)

Der Dresscode war casual, was den Koffer leichter macht. Nachdem ich mich eingerichtet hatte, machte ich eine Runde durch das weitläufige Hotel. Große Bilder, alte Möbel, Musketen an den Wänden…eine Verbindung von Tradition, zeitlose Eleganz und großem Komfort. In der Rezeption (und einem Bildband im Zimmer) sind Fotos der Schönen, Reichen und Mächtigen zu sehen, die das Castillo Hotel Son Vida beehrt hatten.

Beim Meeting um 19 Uhr 30 lernte ich Frau Crespo dann endlich persönlich kennen. Die charmante Dame mit bayrischem Akzent, die seit 30 Jahren auf Mallorca lebt, ist der Spirit dieser Veranstaltung. Manche Gäste kannten sich bereits, andere wurden einander vorgestellt. Ich fühlte mich wohl. Draußen wartete der Bus zum Sheraton Mallorca Arabella Golf Hotel, wo uns im Restaurant La Bodega del Green Tapas und Drinks serviert wurden. Eine äußerst leckere Angelegenheit, bei der ich Juha Hakulinen als Tischnachbar hatte.

Abendgesellschaft beim Mallorca Press Cup 2017 Foto: Eugen Pletsch

Juha ist ein Pro aus Finnland, der für seinen Verband hauptsächlich mit Nachwuchsförderung befasst ist, aber auch schreibt und fotografiert. Mir gegenüber saß der Golfcoach Dan Frost, der gerade an seinem ersten Buch arbeitet. Natürlich kamen wir sehr schnell auf die Meta-Ebene des Spiels zu sprechen. Ich erwähnte Dr. Gio Valiantes Fearless Golf, wodurch sich das Gespräch Richtung Mastery Golf entwickelte. Dan Frost, der sowohl mit Jugendlichen als auch mit Spitzen-Pros arbeitet, ist ein großer Fan von Michael Murphys ‚Golf in the Kingdom‘. Juha erzählte von einem Mann, der in Finnland Buddha-Golf praktiziert. Da konnte ich mir natürlich nicht verkneifen, von der Figur des HoLinWan zu erzählen, der in verschiedenen Erscheinungsformen durch meine Bücher spukt, was Dan sehr interessierte. So plapperten wir den ganzen Abend. Fasziniert entdeckten wir immer mehr Gemeinsamkeiten. Bereits an diesem ersten Abend wurde deutlich, dass dieses Zusammentreffen nicht allein dem Zweck dient, über unseren Gastgeber zu berichten. Vielmehr gestaltet der Gastgeber den Rahmen, der es golfverrückten Autoren aus vielen Ländern ermöglicht, sich gemäß unserem ‚Sprit of the Game‘ in alter Tradition die Köpfe heiß zu reden. Der Abend war lehrreich, spannend und

genussvoll, aber pünktlich um halb 11 brachte uns der Bus zurück zum Hotel. Die Liste mit den Startzeiten für den nächsten Tag hatten wir bereits. Frau Crespo hatte Wort gehalten, ich war im letzten Flight…

Foto: Son Vida. Der Autor auf dem Putting Grün Foto: Juha Hakulinen

1. Turniertag im Golf Son Vida, der erste Flight startet um 10.10 Uhr. Son Vida ist die älteste Golfanlage auf Mallorca, die 1964 von F.W. Hawtree designed wurde. Zwei mal wurdn hier die Balearic Open ausgetragen, im Jahre 1990 mit dem fantastischen Sieg von Steve Ballesteros im play-off und im Jahre 1994 mit dem Sieg von Barry Lane.
Carts zum 1. Golftag
Zehn einstellige Handicaps unter den 30 Gästen, nur drei Handicaps über 20. Dan Frost war bereits vorab mit Freunden außer Konkurrenz gestartet. Wir konnten je nach Startzeit halbstündlich mit dem Shuttle zum Platz fahren. Meine Abschlagszeit war um 11 Uhr 40, ich fuhr aber früher, da ich mit Leihschlägern spielen würde, die ich erstmal beschnuppern wollte. Im Shuttle mit dabei war auch Juha – mit Lars, der vor uns starten würde. Lars hatte sich vorgenommen, den Tag zu genießen. Berufliche Verpflichtungen und private Interessen hatten ihn bisher davor geschützt, dem kompletten Golfwahnsinn zu verfallen.

Vom Caddy-Master wurden wir mit klobigen Callaway-Schlägern ausgestattet. Ich hatte regular flex Schäfte und einen 11 Grad Driver mit glitschigem Griff, Juha bekam stiff-Schäfte. Ich bin dankbar, dass ich meine Schläger nicht mitschleppen musste (ich hätte mich nicht entscheiden können, welche). Andererseits: Wer ein so großes Rad dreht, sollte an Golfgriffen nicht sparen, denn schlechte Abschläge auf engen Bahnen führen zu Zeitverzögerungen, die kostspieliger sind, als hin und wieder neue Griffe auf den Leihschlägern aufzuziehen. (Das war aber auch schon das Einzige, was ich auf dieser Reise zu meckern hatte.) 

Son Vida Foto: Juha Hakulinen


Dass die Plätze nach der Winter/Regenperiode nicht in optimalem Zustand sein können, ist verständlich, insbesondere, wenn auf einem komplett verbrannten Platz eine Grasumstellung vorgenommen wird. Darüber hat uns der Golf-Direktor Arabella Golf, Herr Bernat Llobera, ausführlich informiert. Ein Text über diese Mängel wird jedem Gast vor der Runde ausgehändigt, was Spieler, die diese Traditionsplätze spielen wollen, trotz stattlicher Greenfees nicht davon abhalten wird, ihr Glück zu versuchen. Son Vida war für unser Turnier geblockt, aber nach uns waren etliche Golfer unterwegs. Warum auch nicht? Der Tag war herrlich sonnig-warm und der Platz bis auf wenige Stellen, an denen blauen Fähnchen steckten, gut bespielbar. Der dritte Mann in unserem Flight war Hannes Huggel aus Österreich, ein altgedienter Golf-Journalist, der eine ordentliche Kugel schlägt.

Zu diesem Match nach Stableford gibt es nur zu sagen: Wir hatten Spaß und genossen die Runde, wobei wir alle nach der Winterpause Probleme mit der Richtung hatten. Mit mittlerweile 11,4 Handicap war ich natürlich der Hacker in der Gruppe, wobei ich immerhin ein paar längere Putts (zum Bogey oder DB) lochen konnte. Na gut, ein paar glückliche Pars waren auch dabei und wie die Ergebnisse später zeigten sollten, kochten auch die Einstelligen an diesem Tag nur mit Wasser.

(Auf meinem Bett fand ich später eine handgeschrieben Notiz von Golf-Direktor Bernat Llobera, dazu ein Schlüsselanhänger mit der Aufschrift: „Keep calm and play Golf. See you tomorrow at Son Mutaner…“ - eine sehr nette Geste, um uns Mut zu machen.)

Zurück im (neuen) Clubhaus des Golf Son Vida, ein Snack auf der Terrasse und dann Transfer zum Castillo Hotel Son Vida. Ich ging zum Schwimmen ins Spa und legte mich dann in den Whirlpool, um die müden Knochen aufzuwärmen.

19 Uhr 30: Transfer in das St. Regis Mardavall Mallorca Resort zum Dinner im Restaurant Aqua. Frau Crespo bereitete uns im Bus auf das Hotel St. Regis vor, wobei der Begriff ‚posh‘ fiel, den mir Dan Frost erklärte. ‚Posh‘ heißt: absolute Oberliga – und so war es dann auch, nicht nur das geniale Menü. Ich beobachtete eine Kellnerin, eine schlanke, fast hagere Spanierin. Ich weiß nicht, welchen Rang sie hat, jedenfalls war sie anders gekleidet, als die anderen Kellner. Unglaublich, mit welcher Konzentration diese Frau arbeitete. Sie erinnerte mich mit ihrem vollkommen fokussierten Falkenblick an Ben Hogan. Stets schien sie im Voraus zu ahnen, was ein Gast wünschte und bediente dann so flink wie freundlich. In dem alten Film „Die sieben Samurai“ gibt es diesen kleinen, schmalen Samurai, der immer schweigt, aber jeden Moment vollkommen präsent ist. So war sie. „Achtsamkeit“ ist ja heute ein großer Trend und diese Kellnerin ist die Verkörperung von Achtsamkeit, eine ZEN-Meisterin der Gastronomie.

23 Uhr waren wir zurück in „unserem“ Castillo. Weil der Barbesuch kein Teil des offiziellen Programms war, gönnte ich mir und meiner Leber frühzeitige Ruhe, um Kraft für die nächste Runde und das anschließende Gelage zu finden.

Alte Olivenbäume im GC Son Vida

Am 2. Turniertag spielen wir Individual Stableford auf dem Arabella Golf Son Muntaner. Wieder im letzten Flight, konnte ich mir Zeit lassen und mich auf der Driving Range warm machen. Meine Schläger waren mir von Son Vida rübergebracht worden; beim Caddymaster von Golf Son Muntaner versuche ich jedoch, die klobigen Wedges gegen schlankere Modelle auszutauschen.
Mit den Wedges war ich am Vortag beim Chippen mehrfach hängen geblieben. Mir ist klar, dass Leihschläger zu möglichst vielen Gästen passen müssen und dann sind „spielverzeihende“ Cavity Back-Eisen natürlich der größte gemeinsame Nenner. Mir hatten die Callaway- Weges auf der 1. Runde überhaupt nichts verziehen, aber wir fanden zwei Wedges von Nike, die eine etwas schmalere Optik hatten. Auf dem Pitching Grün klappt es dann mit den neuen Wedges etwas besser.

Son Muntaner, ein Kurt Rossknecht-Platz, wurde im Jahr 2000 eröffnet, 2009 wurden dort die “Mallorca Skin Games“ mit Spielern wie José Maria Olozábal, Justin Rose, Martin Kaymer und Robert Karlsson ausgetragen. Auf diesem Platz hatte man im Vorjahr mit einer Grasumstellung begonnen, aber bis auf ein paar nasse Stellen mit blauen Fähnchen tangierten uns die Bauarbeiten nicht besonders. Wir hatten andere Probleme, z. B. den Ball überhaupt auf die Bahn zu bekommen. Ich bestaunte (und fotografierte) die alten Olivenbäume, an denen ich mich nicht sattsehen konnte. Der ‚Chef‘ war offensichtlich Na Capitana, ein 1000 Jahre alter Olivenbaum auf der 15. Bahn, der unter Denkmalschutz steht.

Na Capitana, Son Mutaner, Mallorca, Foto: Eugen Pletsch

Ich spielte mit Ron aus Holland und Roberto, einem italienischen Journalisten. Am 1. Abschlag meinte Ron: „Ein Holländer, ein Italiener und ein Deutscher gehen zusammen auf eine Golfrunde…..“.

„Und weiter?“ fragte ich. Ich dachte, jetzt käme ein Witz.

„Nichts weiter“, sagte Ron, „aber so könnte doch ein guter Witz anfangen, oder?“ Ich nickte.

Der Witz war jedoch, dass ich, der ich mich dereinst in meinen Schriften mehrfach über die Zählweise gewisser Spieler aus Italien und Asien mokiert habe, auf der 1. Bahn einen Score von sechs Schlägen angab.

Roberto korrigierte: 7! Und er hatte Recht, was mit grottenpeinlich war. Auf dieser Runde habe ich dermaßen Probleme gehabt, meine Schläge zu rekonstruieren, dass ich mir wohl so eine Zählkette anschaffen werde, wie sie Anfänger benutzen.

Ansonsten war die Runde recht erfreulich, wenn man mal die Scores außeracht lässt. Wir genossen die Landschaft, das Wetter, das Platzdesign und die gemeinsame Suche nach unseren Bällen.

Foto: Juha Hakulinen

Nach der Runde und einem Snack auf der Terrasse des Golf Son Muntaner ging jeder seiner Wege. Mich zog es zum Whirlpool und so ging ich vor das Clubhaus, um auf den Shuttle zu warten. Einige Kollegen hatten sich da bereits eingefunden. Dan Frost war gerade dabei, die Schläger eines älteren Herren aus einem schmalen Bag zu ziehen, um sie Freunden zu zeigen. Diese Schläger hätte er am Morgen auf der Range ausprobieren dürfen, schwärmte er. Jeder Ball wäre wie ein Laserstrahl davongeschossen. Dan war hin und weg. Der Besitzer des Bags, ein Schwede, lächelte. Es waren die Hickory-Eisen und der Brassie von Johan Lindeberg, einer Legende des schwedischen Golfsports. Er hatte auch noch ein paar ‚moderne‘ Schläger, z.B. den Driver im Bag. „Dan habe nur die Eisen ausprobieren dürfen“ erzähle er, „den Brassie natürlich nicht. So einen Schläger verleiht man nicht.“ Das war mit klar.

Im Bus ratschten wir noch eine Weile über die Lust am Hickory, der einige meiner Freunde, wie Marc Amort und Andreas G. Karácsonyi frönen. Ich erzählte Johan, dass die Cybergolf-Korrespondentin und Bloggerin Frau Oelmann über THE GREAT MATCH berichtet hatte, bei dem ihr Golflehrer Perry Somers mitgespielt hatte. „Oh ja“, lächelte der Herr, „ich kennen die alle“. Wie ich am Abend erfuhr, hatte er in seiner Jugend als Mannschaftspieler der schwedischen Nationalmannschaft die irische Mannschaft auf deren Plätzen besiegt. So wie ihn die Kollegen umschwärmten, schien er der ‚grand old man‘ unter den schwedischen Golf-Autoren zu sein. Seine Erklärungen, warum die Schweden so viele gute Golfer haben, fand ich besonders interessant: „Wir bauen Plätze in der Nähe von Schulen und machen den Kids, die sonst nur auf der Straße abhängen, ein Angebot. Golf ist bei uns kein Elitesport, sondern ein konkreter Versuch, Kids aus allen Schichten an die frische Luft zu bringen. Wenn sie keine langen Weg von der Schule zum Platz haben, klappt das leichter.“

Ich erinnerte mich an meinen früheren Heimatclub Lochcarron, in Schottland, wo der uralte kleine Platz direkt hinter der Schule lag. Mehrfach hatte ich beobachtet, wie die Kids den Ranzen ins Gras legten und aus den Büschen ein Bag mit uralten Schlägern zogen, um damit über den Platz zu ziehen.

Golf spielen – im wahrsten Sinne des Wortes. Keine Golflehrer, keine Designer-Klamotten, kein Fitting – einfach nur spielen. Wer Talent hatte, würde früh genug auffallen.

„Wer finanziert das“, fragte ich Johan.

„Die Clubs“, meinte er. „Die müssen sich finanziell auch strecken, aber es lohnt sich. Es ist ja auch gut für die Gesellschaft, wenn Jugendliche dieses Spiel lernen.“

Ich hatte nicht alles verstanden, mein Englisch ist nicht mehr gut genug, aber ich hoffe, mit Johan Lindeberg noch mal ein Interview führen zu können, indem er die schwedische Golfpolitik im Detail erklärt. Jungendarbeit in Sun Mutaner, Mallorca, Foto: Eugen Pletsch
Am Vormittag in San Mutaner war mir aufgefallen, wie viele Kids mit Begeisterung beim Training waren. Ich vermute mal, dass die Ferien hatten, denn es waren wirklich etliche Kinder auf dem Putting Grün.
Wieder fiel mir „GOLFHEROEN“ von Jürgen Diethe ein, dieses außerordentliche Buch. Demnach bildeten schottische Handwerker aus den Unterschichten als Schlägerbauer (und Spieler, Greenkeeper und Caddies) die Grundlage für die weltweite Verbreitung des Golfsports. Die Unterschichten, nicht die Eliten, sorgten für den Golfnachwuchs.
Nur da, wo eine Karriere als Golfer sozialen Aufstieg bedeutet, wird das Spiel zum Sport auf höchstem Niveau. Aber warum kapiert man das nicht in Deutschland?
Warum kapiert man nicht, dass die wenigen Spieler „aus einfachen Verhältnissen“, die auf der Pro Golf Tour sind, spätestens auf der Challenge Tour dringend Unterstützung brauchen,um ihnen den Kopf auf dem Weg zur European Tour frei zu machen. Bei Bernhard Langer war es Jan Brügelmann, der half. Bei Kaymer, Siem und Cejka und anderen SpielerInnen „aus einfachen Verhältnissen“ vermute ich mal, dass ihre Familien große Opfer bringen mußten. Andererseits werden auf Verbandsseite Unsummen verbraten, um neue Golfer zu erreichen, die weder Spiel noch Sport im Sinn haben, sondern von dem albernen Gedanken angelockt werden, einer „Elite“ anzugehören, wenn sie mit dem Golfen beginnen.
Johan meinte auch, dass die Idee, Idole zu schaffen für die Katz wäre. Natürlich sind manche Kids von einem Stehaufmännchen wie Stenson inspiriert, aber der erste Schritt wäre, die Kids vom Computer und der Straße zu locken, was auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Golfsports fördertn würde. Vielleicht ist und bleibt das in Deutschland der Fußball, aber Johan Lindebergs Schilderungen boten gänzlich neue Aspekte.

An unserem letzten Abend versammelten wir uns zum großen Dinner, diesmal jedoch im Hotel Son Vida. Gruppenfotos wurden gemacht und dann ging es in einen großen Saal, in dem die Wände komplett mit Bildern bemalt sind.

Hotel Son Vida Media Golf Cup Dinner 2017, Foto. Eugen Pletsch

 

Auf den Tischen lagen die schönsten Teller, die ich je gesehen habe. Magic!
Teller im Hotel Son Vida Foto: Eugen Pletsch
Nach dem Essen versammelten wir uns in einer Lounge.Golfdirektor Bernat Llobera hielt eine kurze Ansprache, dankte Frau Crespo und begann dann mit der Siegerehrung. Das englische Team gewann. Natürlich.

Ich sprach eine irische Kolumnistin an, „ob das englische Team bei dem nächsten ‚Media Golf Cup‘ überhaupt noch mitspielen dürfte, wegen dem Brexit…?“

„Dafür muss man nicht in der EU sein“, erwiderte sie.

„Und wie ist das dann mit dem Ryder Cup?“

„Stimmt, das ist noch ungeklärt."

„Vielleicht sollten England und USA den Ryder Cup wieder unter sich ausspielen, wie das früher war?“

„Oder Europa spielt gegen England und wer gewinnt, darf im Trump Cup gegen die USA antreten.“

„Gute Idee!“Baum und Stein in Son Quint, Mallorca Foto: Eugen Pletsch

Bevor die Bar eröffnet wurde gab Frau Crespo bekannt, wer am nächsten Tag wann abfliegen würde. Abschiedsstimmung, Karten wurden getauscht, man hatte neue Freunde gefunden. Im Rückblick darf ich sagen: Ich bin nach wie vor erstaunt über die Qualität der Gespräche und Kontakte und froh, dieser Einladung gefolgt zu sein. 

Aber ich hatte ja noch einen Tag, an dem ich mir Ruhe verschrieb. Erst am Nachmittag zog es mich zum neusten Arabella-Platz auf Mallorca: Son Quint.
Ganz für mich alleine spielte ich 9 Loch und genoss die Breite der Bahnen und die weite Sicht über Palma. Ich entdeckte weitere alte Olivenbäume und ein riesiges Steingebilde, von dem ich nicht weiß, ob es von den Greenkeepern aufgestellt wurde oder von einem Künstler, Neandertalern oder aus der Eiszeit stammt. Nach der Runde hätte ich den Caddy-Master Louis Vaccaro fragen können. Aber der hatte sehr interessante Geschichten zu erzählen, von seinen Jahren mit spanischen Top-Spielern auf der Tour, weshalb ich prompt vergaß, ihn nach dem Stein zu fragen. Wer was darüber weiß, kann mir ja schreiben….

PS: Zurück zu Hause kaufte ich mir zuerst einen neuen Wasserkocher.

Ihr / Euer


Eugen Pletsch

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Vielen Dank an Juha Hakulinen für seine Fotobeiträge!

 

Links:

Castillo Hotel Son Vida 
Fact Sheet des Hotels

Fotos:
http://www.starwoodassetlibrary.com/workspaces/?l=67170&r=jtl9p9EFF

Arabella Golfplätze:

-       https://www.arabellagolfmallorca.com/de/unsere-platze/golf-son-muntaner/uber-den-platz

-       https://www.arabellagolfmallorca.com/de/unsere-platze/golf-son-vida/uber-den-platz

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Fotos Arabella Golf: 

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