Die sonderbaren Erlebnisse, wundersamen Ereignisse und der ganze langweilige Alltag des Eugen Pletsch...

Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Wir haben den PletschBlog wieder in das alte Format umgestellt, damit Frau Oelmann und andere Leser, die sich hier tatsächlich bisweilen noch tummeln, auf der Startseite sofort sehen, wenn es etwas Neues gibt.

Was im Winter nicht so häufig sein wird, da ich z.B. die Meldung, dass Rafa-Bello durch einen Eagle die Führung in HongKong übernommen hat, gerne den Kollegen von PinPosition überlasse.

Oliver schrieb mir, dass der Evnroll Putter eine noch nie dagewesene Präzision bietet. Bei Posten der Meldung habe ich jedoch die Bezeichnung „Putt-Guru“ für den Designer Guerin Rife gestrichen. Von Marvin Buschmann habe ich nämlich gelernt, dass „Putt-Guru“ in Fachkreisen eher spöttisch und abwertend verwendet wird.

Aber um endlich mal zu einem interessanten Thema zu kommen: Zu meinen Eskapaden mit der Gitarre schrieb Leser Heiko Krakau: „Die Perspektive zu verändern, ohne direkt den Platz, an dem man steht, zu verlassen, ist doch eine prima Idee, wenn man gerade ein wenig den Spaß verloren hat. Warum also nicht in Ihrem Fall die Gitarre in den Blick, vermutlich auch zur Hand nehmen? Vermutlich haben das Golf- und Gitarre spielen bei Ihnen doch eine große Schnittmenge. Ich bin in Sachen Musik in jeder Hinsicht unbeteiligt, aber ich könnte mir vorstellen: Die Möglichkeit, sich auszudrücken, das Erforschen der eigenen Gefühlswelt, vielleicht auch die Spaß an Performance und der Bühne, die Liebe zu besonderem Material sind Dinge, die sich in beiden Welten finden lassen. Macht das das Schreiben nicht aus? Es ist nahezu unmöglich, etwas wirklich Originelles zu schreiben. Aber eine Beschreibung der ganz eigenen Sicht ist nun mal immer etwas Bereicherndes für andere. Ich persönlich würde mich über einen Artikel, der hier eine Nähe herstellt, jedenfalls sehr freuen.“

Und weiter schreibt er in Bezug auf mein Hadern mit dem Profi-Golfsport:

Ich kann mich auch nicht mehr so stark für professionelles Golf begeistern, wie ich es in den ersten Jahren meines noch recht jungen Golferlebens konnte. Wie in den meisten professionellen Sportwelten ist alles so fürchterlich glatt. Allerdings oder vielleicht auch gerade deswegen: Ich muss zugeben, dass mich die gestrige starke Runde von Tiger Woods irgendwie erfreut. Ich habe jüngst das seltsame Buch von Hank Haney über seine Arbeit mit TW gelesen und dies taugte für mich jedenfalls dazu, viel Empathie für Tiger und seine Menschwerdung aufbringen zu können. Umso weniger im Übrigen für Hank Haney.“

Ja, der Hank. Der hat sich bei mir auch nie dafür bedankt, dass ich ihn mit meiner Erzählung „Drei Männer im Boot“ zu einem Teil der Weltliteratur gemacht habe.  ;-)
Aber dass Golfen und Gitarre spielen eine gewisse Schnittmenge haben, ist in der Tat erkennbar. Dabei meine ich nicht die Leichtigkeit des Fingerdrucks beim Golfgriff und dem Griff auf den Seiten (was ich bereits erwähnt habe), sondern die Konzentration auf das, was beim Anschlag oder Abschlag passiert.
Man soll Parallelen nicht an den Haaren herbeiziehen, aber vor Leuten stehen und die Gitarre anschlagen oder einen Drive abschlagen, ist ein ähnliches Gefühl. Es wabert im Bauch und nur die Übung, sich auf sein Ziel zu konzentrieren, die Kontrolle der Atmung und Entspannung in den Armen hilft uns, den Moment zu überstehen in dem sich die Zeit krümmt und das JETZT zu einer unendlich langen Schrecksekunde werden kann.

Und das kann den besten der Besten passieren, wie Patti Smith, die "Hard Rain's a-Gonna Fall" bei der Nobelpreisvergabe an Bob Dylan vor Aufregung abrechen musste

Ähnliches, wenngleich in kleinerem Format, erlebt derzeit auch der tschechische Putter-Designer Petr Jandl, der mir gerade schrieb: „Wir spielen am Dienstag ein (für uns) großes Konzert (mind. 300 Leute) in einem tollem Club Mitte Prag. Der Ertrag wird der Schule für Blinde gespendet. Ich fühle mich alles andere als vorbereitet, kann mich an Texte nicht erinnern die ich 150x problemlos gesungen habe und ich fange an nervös zu werden. Training hilft nicht. Wie Golf. Je mehr man will...“.

Das ist Lampenfieber. In dem Zusammenhang las ich in den letzten Tagen Armin Rohdes Buch ‚Größenwahn und Lampenfieber‘, das in vielerlei Hinsicht interessant ist, besonders was seine Hinweise zum Lampenfieber angeht, diese Pein, die viele Golfer am 1. Tee regelmäßig überfällt.
(Sollte ‚Golf Gaga‘ jemals verfilmt werden, wäre Armin Rohde die perfekte Besetzung für den neureichen Clubbesitzer, der den GC Bauernburg gekapert hat. Und mein Jugendfreund Fritz Roth, den man immer öfter im Fernsehen sieht, wäre perfekt für die Rolle des Heinz Grötschmann. Aber wer wollte schon einen Film über die ‚Golfsucht, Größenwahn und Lampenfieber‘ drehen…?)

Apropos Buch lesen: Der große literarische Genuss, dem ich jedes Jahr im Oktober entgegenfiebere, ist das Oktoberprotokoll des Malers und Dichters Theo Köppen aus Göttingen, einst Protagonist der „Swinging Mescaleros“ und einer der Urväter des Poetry Slam.
Seit Jahren schreibt er dieses Oktoberprotokoll, in dem er seine Welt zwischen Arbeit, Alltag und leckeren Abendessen schildert. Besondere Akzente werden durch verschiedene Schriftgrößen erzielt. Meldungen, Werbesprüche, Nachrichten, Aufgelesenes und Nachgelesenes werden so zur Pointe. Schwer nachvollziehbar, ich weiß, und nicht darstellbar, weil diese Oktoberprotokolle nur einem Kreis von Freunden zugeschickt werden, die mit Köppens sonderbarem Humor etwas anzufangen wissen.
Vor dem diesjähriges Oktoberprotokoll erhielt ich die TROMPETE, eine Literaturzeitschrift, die in diesem Jahr von Theo Köppen, Peer Schröder und Katja Töpfer herausgegeben wurde.
Was eine Literaturzeitschrift ist, werden einige meiner jüngeren Leser nicht wissen. Also: Eine Literaturzeitschrift ist ein Büchlein, liebevoll gemacht, echtes Papier zwischen Kartonumschlag in limitierter Auflage. Kein online ePaper, nicht auf Facebook, Twitter oder sonst wo. Aber man kann es im Web bestellen und dann Gedichte und Texte lesen. Und Bilder kucken, aber nur schwarz/weiß, wie früher das Fernsehen war. Also total Vintage, voll cool und hipster-mäßig abgefahren.
Echte Hipster, Ihr jungen Bärtigen, waren übrigens genau jene Jazzer, Dichter, Sänger und Rabauken der Beat-Generation (Burroughs, Kerouac, Ginsberg etc.) die ihre Gedichte in kleinen Literaturzeitschriften ähnlich der Trompete veröffentlichten und einige Autoren der Trompete sind den großen alten Köpfen der Beat-Generation tatsächlich noch begegnet oder haben sie ins Deutsche übersetzt. Ja, es gab tatsächlich eine Welt vor Amazon und Angela Merkel…

Was das mit Golf zu tun hat? Eigentlich nichts, aber wer seinen Horizont erweitert, kann längere Drives schlagen und das wollen wir doch alle, oder?

Ihr / Euer

Eugen Pletsch

 

Trompete Nr. 9, Motto: unbedingt. Theo Köppen, Peer Schröder, Katia Töpfer (Hrsg.), Beiträge von Tone Avenstroup, Udo Breger, Tanja Dückers, Dirk Fröhlich, Florian Günther, Caroline Hartge, Hans Horn, Stefan Hyner, Sibylle Klefinghaus, Theo Köppen, William Cody Maher, Harry Oberländer, Pierangelo Maset, Anna Rheinsberg, Michael Schmidt, Peer Schröder, Will Staple, Olaf Velte. Acht Zeichnungen von Katja Töpfer. Einmalige Auflage von 200 nummerierten Exemplaren. Edition Michael Kellner, Hamburg 2016. 88 Seiten. ISBN 978-3-933444-28-8. 11 Euro. Erhältlich in der Buchhandlung Stefan Vogt, Friedrich-Ebert-Str. 31, 34117 Kassel, Telefon (0561) 9372194

Michael Buselmeier schreibt u.a. über die Trompete Nr. 9: http://www.poetenladen.de/michael-buselmeier-zslese-november2016.htm

 

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