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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Eine Golfreise zu den Azoren ist besonders im Winter eine gute Idee, weil man immer mit moderaten Temperaturen rechenn darf.

Wenn die Sonne scheint, ist der Golfclub Furnas mit seinen vielen Blumen eines der kostbaren Kleinode auf den Azoren. Heute jedoch, an meinem letzten Tag, ist der Himmel von schweren dunklen Wolken bedeckt, Regen und Windböen hatten den Platz leergefegt.

Schlechtes Wetter gibt es auf den Azoren eigentlich nur, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Es kann gut sein, dass am schwarzen Strand auf heißem Sand der Hochsommer flimmert, während nach nur fünf Kilometern bergauf der Himmel bedeckt ist und noch ein paar Kilometer weiter trister Novemberregen fällt. Aber höchstens für eine Stunde. Dann ist der Novemberregen hellem Sonnenschein gewichen, während wenige Kilometer entfernt an besagtem Strand die Stühle von der Terrasse der Strandbar gefegt werden. Die Azoren haben also ihre klimatischen Reize, Reizklima sozusagen.

Die Hauptinsel San Miguel hat zwei Golfplätze. Da ich in Furnas wohnte, hatte ich mir für den letzten Tag meiner Reise eine schöne Golfrunde auf dem Golfplatz Furnas erhofft. Vor einigen Tagen hatte ich bereits (bei herrlichstem Sonnenschein) die ersten neun Bahnen des Platzes gespielt und heute hoffte ich, die zweiten Neun spielen zu können.

Golfclub Furnas

Ein kräftiger Regenschauer trieb mich vom Parkplatz ins Clubrestaurant. Alle Tische waren von einer schwedischen Reisegruppe besetzt, die offensichtlich den ganzen langen nassen Tag auf dem Platz verbracht hatte. Ich kam gerade dazu, als ihr begleitender Professional eine Demo im Trockendock zelebrierte. Ich verstand kein Wort, aber anhand seiner Vorführungen mit dem Wedge ließ sich nachvollziehen, dass er über das Chippen und Pitchen sprach.
„Alter Schwede!“ dachte ich, setzte mich an den einzigen freien Tisch in der Ecke des Restaurants und bestellte mir einen grünen Tee. Eine Weile betrachtete ich die nasskalten Gestalten, die heiße Suppe schlürften, Bier tranken und fröstelnd den Ausführungen ihres Pros lauschten.

„Faszinierend“, dachte ich, „überall die gleichen Typen. Selbst wenn sie sich durch Sprache und Rasse unterscheiden: Es scheinen weltweit ähnliche Physiognomien zu sein, die sich vom Golf angezogen fühlen. Oder verändern sich Menschen, nachdem sie eine Weile Golf spielen?"

Meine Erzählungen von gewissen Golftypen, sowie dem, was sich in den meisten Clubs abspielt, hatte mir schon vor einigen Jahren, nach der Veröffentlichung meines ersten Buches „Der Weg der weißen Kugel“ ziemlichen Ärger eingebrockt. Manche Spieler und Clubs in meiner Region fühlten sich durch meine Karikaturen auf den Schlips getreten. Interessant, wer sich da so alles selbst erkannte. Dass meine „groteske Überzeichnung der Golfszene“ für viele Leute schon deshalb nicht mehr witzig war, weil das, was ich als Karikatur des Golfsports empfand, Realität geworden war, hatte ich erst später nach einigen kritischen Anmerkungen meiner Leser realisieren müssen. Wie auch immer – die Horde nasser Schweden machte mir noch mal ganz deutlich, was ich auf meinen Reisen immer wieder erlebt hatte: Dass es überall die gleichen Schlägertypen sind, die bei Wetter und Wind in Wald und Flur unterwegs sind, um mit ihrem inneren Dämon zu kämpfen.

Der Pro hatte seine Vorführung mittlerweile beendet und seine Truppe rüstete sich zur Abfahrt. Der Wind peitschte Regenschwaden an die großen Scheiben des Clubrestaurants; ich saß warm in meinem Eckchen und schrieb, bis ich ein junges Urlauberpaar entdeckte, das etwas verunsichert durch dem Raum trödelte und dabei sehnsüchtig durch die Fenster auf die satten, grünen Bahnen blickte. Deutsche!
Ich nickte ihnen zu.
„Sieht nicht gut aus, da draußen?“
„Ja, schade. Wir dachten, es wäre doch ganz schön, heute mal eine Runde zu spielen. Wir haben schon mal Golf gespielt“, sagte der junge Mann zu mir.
„Ach ja?“ Sie hatten schon mal Golf gespielt. Prima.
Ich betrachtete den netten, jungen Mann in seinen reisepraktischen Dreiviertelhosen und seinen Leichtturnschuhen.
„Haben Sie ihre Golfsachen dabei?“
„Nein, aber wir dachten, wir könnten uns Schläger leihen…“.
„Nach dann“, sagte ich und lächelte ihm zu. „Viel Glück!“
Ohne schweres Ölzeug würde er spätestens nach der 1. Bahn umdrehen.
Von der anderen Seite des Clubrestaurants kam seine Frau herüber.
Nein, sagte sie, ihr wäre das zu nass.
Wie gut, dachte ich, dass Frauen so vernünftig sind.
„Das Wetter ist hier wirklich sehr wechselhaft“, sagte er.
„Fahren Sie doch runter nach Furnas, in den Terra Nostra Park und baden Sie in dem Heilwasser. Gerade bei Regen ist das ein ganz besonderer Genuss. Auf alle Fälle müssen Sie den Park sehen“, beschwor ich sie.
Das klang vernünftig. Sie bedankten sich und fuhren davon. Ich schaute ihnen nach und lächelte. Neun Tage lang war ich jeden Morgen um viertel nach Sieben von der Hausdame mit einem Teller basischer Suppe geweckt worden, die so braun war, wie das große Warmwasserbecken, in dem ich allmorgendlich nach der Suppe meine Runden schwamm.



Neun Tage hatte ich vom Balkon meiner Suite auf das große, rostfarbene Heilwasserbecken geblickt und war verwundert, dass ich (abgesehen von einem kurzen Ausflug in den Club) keine golferischen Entzugserscheinungen hatte. Doch jetzt, an diesem meinem letzten Tag, wurde mir klar: Mochte der Himmel herabfallen - ich würde auf diesem wunderschönen, menschenleeren Platz neun Loch spielen!
Und wahrlich, ich sage Euch: So ich diesen meinen Entschluss gleich einem Gelübde in dem Himmel schickte, legte sich alsbald der Regen, der Wind wurde ruhiger und die liebe Sonne kam hervor.
Bis auf ein wetterfestes Schwedenpärchen, das mich flott durchwinkte, war der Platz tatsächlich vollkommen leer. Trotz starker Windboen blieb ich trocken, bis ich am 17. Abschlag ankam. Der Himmel war urplötzlich dunkel wie ein Höllentor und der Wind trug erste Regentropfen heran. Es war mir egal. Ich stapfte voran und fühlte mich wie ein Freibeuter, der in Sturm und Wind über die Meere segelt. Als dann heftiger Regen einsetzte, grölte ich Shanties und Seeräuberlieder, hielt den Ball flach und kämpfte mich durch den Wind. „Das ist Golf“, dachte ich.

Als ich den 18. Abschlag erreichte, war der Wetter-Spuk vorbei und die Sonne badete im glitzernden Gras. Der blinde 18. Abschlag in Furnas, bergauf über einen Buckel, ist auch bei gutem Wetter knifflig. Es war der erste Abschlag des Tages, den ich nach rechts verzog, doch die Golfgötter ließen Gnade walten. Ich sah den Ball, offensichtlich von einem Baum zurückgeprallt, am rechten Fairway-Rand liegen.

Die nächsten Schläge über die frisch gewaschene Bahn im glitzernden Abendlicht waren ein so reiner Genuss, wie ich ihn lange nicht mehr verspürt hatte. Nach dem letzten Putt brachte ich die Leihschläger zurück und realisierte, dass mir Golf spielen endlich mal wieder richtig Spaß gemacht hatte.

Ihr / Euer

Eugen Pletsch


 
Credits: 

Gastgeber: SlevoyreTHERMALKur 

Reiseveranstalter: Azoren Archipel GmbH"

Autoverleih: Varelarentacar.com

AZORES Golf Island

Marc Amort Golf Academy

Vielen Dank!

Golf auf den Azoren (Bericht von 2010)

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