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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Jürgen Diethe, Autor von „GOLFHEROEN“ und langjährige deutsche Stimme von „European Tour Weekly“ über das Jubiläum seines Heimatclubs Fortrose and Rosemarkie....

Jubiläen hat es im schottischen Golf in den letzten Jahren zahlreich gegeben – das späte 19. Jahrhundert sah die Gründerjahre für eine Vielzahl von Golfclubs.
Mein Heimatclub, Fortrose and Rosemarkie, zählte zu ihnen; er wurde vor zwei Jahren 125 Jahre alt. Daß Golf natürlich schon viel länger gespielt wurde, in welcher Form auch immer, ist auch bekannt, das reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert oder sogar noch weiter. Mit Urgolfplätzen wie St. Andrews und Dornoch. Die ersten Golfanlagen, wenn man das so ausdrücken darf, und Golfer sind dokumentiert für 1502 in Perth, 1503 im Falkland Palace (in Fife, unweit von St. Andrews) und 1507 in der Burg von Stirling. St. Andrews folgte 1574, Dornoch 1619.

Mit ein wenig Suchen werden sich freilich noch andere Urstätten finden – wo immer Bevölkerungszentren nahe idealem Dünenland waren. So hat in den letzten Wochen eine Suche in alten Dokumenten ergeben, daß in Fortrose (oder Chanonry, wie es damals hieß und die Halbinsel auch heute noch heißt) 1702 Golf gespielt wurde – das schrieb der Bürgermeister von Fortrose, George McKenzie, an seinen Rechtsanwalt in Edinburgh. Er dankt ihm für die Übersendung eines Schlägers und von Golfbällen und fügt hinzu, als Bauer sollte er zur Erntezeit eigentlich nicht Golf spielen, aber man müsse schließlich auch leben. Weise Worte. Auf jeden Fall rangiert Fortrose damit auf dem 17ten Platz der ältesten Golfanlagen der Welt.

Und obwohl der heutige Golfclub erst 1888 gegründet wurde, hatte er, und das ist die zweite neue Erkenntis, einen Vorgänger: die Fortrose Golf Society, die 1793 erwähnt wurde und 1888 ganz und gar in Vergessenheit geraten war. Es gibt nur eine Quelle, dünn damit, aber eindeutig, eine Notiz im Caledonian Mercury vom 27. Juni 1793 – und man fragt sich natürlich: wieviele Jahre hatte es diese "Society" da schon gegeben?

FORTROSE GOLF SOCIETY

Die Jahresversammlung dieser Gesellschaft findet am 3. Juli in Fortrose statt.

CHARLES MACKENZIE, Esq. aus Kilkoy, Präsident

DUNCAN MUNRO, Esq. aus Culcairn, Croupier

Essen (in Williamsons Taverne) soll um vier auf dem Tisch stehen. Die Teilnahme aller Mitglieder aus Stadt und Land wird erwartet.

("Croupier" steht in diesem Zusammenhang wahrscheinlich für den stellvertretenden Vorsitzenden, obwohl auch die moderne Bedeutung möglich ist, da Wetten im damaligen Golf eine zentrale Rolle spielte.)

Munro (1755-1820) war ein Berufsoffizier, der in Indien geboren wurde und später teilweise auch in Indien diente, aber ab 1802 auf Dauer in Schottland wohnte. Mackenzie gehörte der bedeutendsten Familie der Region an, der eine Zeitlang das ganze Dorf gehört hatte. Fortrose freilich hatte als Sitz des Bistums von Ross im späten Mittelalter eine bedeutende Rolle gespielt, auch heute noch steht eine Ruine des alten Doms im Ortszentrum. Die Mackenzies wurden nicht zuletzt deshalb berühmt, weil der Mackenzie River in Kanada den Namen des Entdeckers aus dem nahegelegenen Avoch trägt.

In der Rangliste der "Golf Societies" steht Fortrose damit auf dem 15ten Platz, angeführt wird sie von Royal Burgess (1735), der Honourable Company von Edinburgh (1744) und dem Royal and Ancient von St. Andrews (1754). Im Zug mit Fortrose wurde im Caledonian Mercury auch noch eine Notiz zu Earlsferry aus dem Jahr 1787 entdeckt, wo der heutige Club schließlich 1858 gegründet wurde, gelegen in Elie nahe St. Andrews. Natürlich mögen die "Societies" in beiden Fällen, Fortrose und Earlsferry, wie gesagt noch um einiges älter gewesen sein!

Daß die alten Golfer in Fortrose auf einem Teil des Geländes spielten, auf dem der heutige Golfclub liegt, war unvermeidlich. Die landschaftlich einmalig schöne Anlage liegt auf einer sich verengenden Halbinsel, die weit in den Moray Firth rund zehn Kilometer von Inverness hineinreicht und herrliche Aussichten auf Meer, Klippen und Berge bietet. Gegenüber, in Sichtweite, liegt der brandneue Platz Castle Stuart, schon dreimal Schauplatz der Scottish Open, der in manchen Weltranglisten bereits als einer der besten 50 Plätze der Welt geführt wird. Fortrose ist da bescheidener – Nummer 69 in Schottland, aber wo sonst kann man, wenn man ein wenig Glück hat, gleichzeitig Delphine beobachten (4. Grün, 5. Abschlag)?

Fortrose and Rosemarkie Golf Club, Foto: Jürgen Diethe

Im frühen 19. Jahrhundert verschwand der frühe Golfclub wieder von der Szene, geriet, wie gesagt, sogar in Vergessenheit – es waren unruhige Zeiten mit Krieg und wirtschaftlicher Not, und Fortrose war bei weitem nicht der einzige Club, der unter diesem Umständen verfiel. Es dauerte dann bis 1888, ehe der heutige Club gegründet wurde, unter der Schirmherrschaft von Douglas Fletcher, dem Eigentümer des Geländes und des mächtigen Guts von Rosehaugh, ein reicher Industrieller, der in Avoch um dieselbe Zeit ein riesiges Herrenhaus bauen ließ, das in den Fünfziger Jahren freilich, bankrott , wieder abgerissen wurde. Der Platz hatte zunächst sechs Löcher, wurde 1900 auf neun erweitert und 1924 auf 18. James Braid, der vielleicht größte aller Golfplatzarchitekten, hat hier Hand angelegt.

"Food for thought", wie wir so schön im Englischen sagen, wenn man mal wieder leise fluchend durch den Stechginster kriecht, um einen in die Irre geleiteten Ball zu suchen – und mit etwas Glück noch ein paar andere zu finden ...

Es lohnt sich, einen Blick auf die Internetseite des Clubs zu werfen, mit schönen Bildern vom Platz: http://www.fortrosegolfclub.co.uk/ (Aber vermeiden Sie die deutsche Version, ich glaube, ich sollte da mal ein vertrauliches Wort mit dem Sekretär sprechen!)

Jürgen Diethe
Fortrose, Schottland

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