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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Am südlichen Stadtrand von Paderborn, gelegen zwischen der Universität und dem Haxtergrund, entsteht eine in ihrer Art deutschlandweit einmalige Sport- und Freizeitanlage: der HAXTERPARK

Kürzlich gewann die gemeinnützige Haxterpark Paderborn GmbH den Golf-Magazin-Award in der Kategorie „Unternehmen des Jahres“ und man sollte wirklich in die Laudatio reinlesen, um zu verstehen, welche Gedanken sich die Schöpfer dieser Anlage gemacht haben.

Golf heißt hier Spielfreude, Abwechslung und Natürlichkeit, aber auch die Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung sowie naturnahes und ökologiebewusstes Greenkeeping.
Geschäftsführer Helmut Böhmer, der auch die Rolle des „Clubpräsidenten“ wohltuend neu definiert, hatte mich bereits vor zwei Jahren kurz vor Fertigstellung eingeladen, um diesen sonderbaren Platz zu begehen. Wie spielten danach eine abendliche Runde auf dem alten 9-Loch Platz,  die uns beiden in angenehmer Erinnerung geblieben war und so habe iGasthaus Haxterparkch mich sehr gefreut, als mich Helmut zur Lesung ins Gasthaus „Haxterpark“einlud, das auch als Clubhaus fungiert.
Dieses "Gasthaus" hat ein ganz besonderes Ambiente. Ich würde es am Liebsten mit einem  100 Jahre alten Münchner Lokal vergleichen, in dem ein Top-Innenarchitekt neue, stilvolle Duftnoten setzen durfte. Die Beleuchtung ist sehr angenehm, die stark vergrößerten historischen Golf-Aufnahmen an den Wänden wirken innovativ. Im Hof ist eine viel genutzte Boule-Anlage, eine Bogenschieß-Anlage ist im Bau. Verschiedene Menschen kommen zusammen – das ist der Sinn.

Im Obergeschoss des umgebauten Pferdestalls aus dem 19. Jahrhundert befinden sich die Räume für Veranstaltungen und bald waren die ersten Gäste im Anmarsch. Uwe Moldenhauer, der den Proshop mit der „Golfschmiede Paderborn“ führt, schleppte meine Bücher heran, zumindest die, die derzeit lieferbar sind. 70 Anmeldungen, manche Gäste kommen von extern angereist.

Wenn ich den Rückmeldungen glauben darf, war es ein schöner Abend, wobei ich gottlob vorher wusste, dass die ostwestfälische Begeisterungsfähigkeit wie ein Stück Eichenholz langsam anglimmt, aber dafür umso länger brennt.
Am nächsten Tag erhielt ich eine CD mit Bildern, die ein Fotograf während des Abends gemacht hatte und auf den ersten Blick könnte man meinen, dass manche Gäste geschlafen hätten. Aber dem war nicht so. Der Ostwestfale lauscht und wenn ihm das, was er hört, genehm ist, dann lächelt er bisweilen, was ich mit anderen Bildern beweisen könnte. Mir hat der Abend auch gefallen. Ich mag es, wenn Zuhörer aufmerksam sind und die feinen Nuancen eines Textes aufnehmen (sofern es denn welche gibt).

Am nächsten Tag. Der Himmel ist bedeckt, manchmal sonnig. Mittags treffe ich mich mit Helmut Böhmer, um den neuen Platz zu spielen. Schweren Herzens gesteht er mir ein Cart zu, das man dort sonst nur mit Attest benutzen darf.
Das Attest ist spätestens auf der 11. Bahn berechtigt: Ich greife nach einem Eisen im Bag und eine Wespe sticht mir in den kleinen Finger. Ausgesprochen schmerzhaft. Habe ich an diesem Tag, davor oder danach, irgendein Insekt gesehen? Nein. Der Finger schwillt schnell an und ich spiele mit elegant abgespreiztem kleinen Finger.
Der Links-Course von Paderborn ist außergewöhnlich gestaltet, mit einigen „waste areas“, die nach den Regeln als Wasserhindernisse gelten, wie Helmut Böhmer erklärt. Erinnert etwas an Golf Valley, nur Golfanlage Haxterparkgeht der Blick hier nicht in die Alpen, sondern man schaut über Paderborn.
Alles ist schräg, alles fließt und schlängelt sich; gute Schläge in die „landing zones“ werden belohnt, schlechte Schläge mit Steinbetten und Bunker abgestraft, wobei diese so mit Bohlen ausgelegt sind, dass man mit etwas Glück wieder herausflutscht.
Ein Platz für kluge Leute und solche die es werden müssen, wenn sie hier spielen wollen. Dazu ein besonderer Turf und Grüns, die im Sommer teuflisch schnell werden können. (Roughs und Grüns aus Festuca-Gräsern.)
Große Doppelgrüns, wie ich sie zuletzt in Schottland sah … ach schaut Euch das selbst mal an.
Die Herbstbilder auf der Website vermitteln das Gefühl, irgendwo in Nordschottland zu sein. Der Geist, der hinter all dem steht und die Dinge formt, wird nach der Lektüre des Kapitels „Grundidee“ deutlich.

Am Tag meiner Lesung ist das tausendste Mitglied aufgenommen worden, doch während wir den Platz "in the middle of the now", (Ben Crane) spielen, habe ich das Gefühl, mit Helmut als einsame Wanderer in einen Dünenlandschaft unterwegs zu sein. Schöner kann Golf doch nicht sein, oder?

Bis denne

Eugen Pletsch
 

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