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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Eine Einladung ermöglichte mir einen Besuch im Salzburger Land. Thema meiner Recherchen sollten Heilpflanzen, Heilwässer, Thermalbäder und Minigolfplätze sein, aber eine dicke Erkältung und die europaweite Regenfront machten mir einen Strich durch die Rechnung.

Trotzdem habe ich die Tage im Gartenhotel Theresia in Saalbach-Hinterglemm sehr genossen, nicht zuletzt, weil ich auf Grund meiner Erkältung gezwungen war, endlich mal Ruhe zu halten. Gerade wenn man kränkelt oder das Wetter schlecht wird, zeigt sich, wie gut ein Hotel wirklich ist. Ich wurde hervorragend versorgt und konnte mir in aller Ruhe die Wiederholungen der Open-Übertragung ansehen. An einem Tag, an dem es in Strömen goss, saß ich in der eleganten Lobby und trank meinen Tee. Es war interessant zu beobachten, wie die Gäste-Kinder aus aller Herren miteinander spielten – ich meine: ohne Computer – obwohl den Gästen in den meisten Zimmern ein Apple-Notebook kostenfrei zur Verfügung steht. Eine Gruppe schlanker, topfitter Dänenkinder, die meist barfuß liefen, ist mir besonders angenehm in Erinnerung geblieben. Man hörte keinerlei Gemecker und Gemaule, was vermutlich an der guten Erziehung und dem vielfältigen Spiele-Angebot im Haus lag.

Der Service begleitete uns während der Mahlzeiten auf angenehme, kompetente Weise. Beim Abendessen (in BIO-Qualität) können die Gäste zwischen regionaler „Soul-Food“, hochwertiger Vollwertküche und einem „gehobenen“ Menü wählen, wobei die verschiedenen Menüs problemlos kombinierbar sind. Der abschließende Käseteller ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Der Hang zur BIO-Küche kommt nicht von ungefähr: Der Vater von Frau Brettermeier, der Inhaberin des Hotels Theresia, ist ein passionierter Bio-Imker, ihr Sohn Bio-Rinderzüchter. Zudem ist das Salzburger Land die Region mit dem größten Bio-Bauernanteil (rund 50%) im ganzen EU-Raum und das Gartenhotel Theresia bietet ganztägig Gerichte aus Produkten nach den Richtlinien der EU-Bio-Verordnung an. Gäste, die die Zulieferer des Hotels in ihren heimischen Bio-Betrieben besuchen möchten, werden von der Hausherrin im Sommer persönlich geführt. An einer solchen Führung nahm ich nicht teil, denn ich hatte gehofft, diesen Tag auf dem nächstgelegenen Golfplatz zu verbringen. Doch dann musste ich meine Abschlagszeit im Golfclub Zell am See / Kaprun aus gesundheitlichen Gründen absagen. Trotzdem fuhr ich am Nachmittag nach Zell, um etwas zu trainieren. Es regnete leicht, während ich auf dem extrem schnellen Putting-Grün stand.
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Manchmal schauten die Berge aus den Wolken hervor. Außer mir waren nur noch zwei arabische Jungen auf der Driving Range. Der Ältere, vielleicht 16 Jahre alt, hatte einen herrlichen, runden Schwung. Sein kleiner dicker Bruder hatte offensichtlich erst mit dem Golfen begonnen. Die beiden kamen aus Dubai.
Jetzt muss man wissen (ich wusste es nicht), dass Zell am See komplett von Arabern übernommen wurde. Schwarz gekleidete Frauen, oft verschleiert, prägen das Stadtbild. Sogar die Speisekartenaushänge in den Restaurants sind auf Arabisch geschrieben. Warum gerade Zell am See, konnte mir niemand sagen. Eine Verkäuferin erklärte mir, dass die Araber-Familien ihre Zell-Reise mit Regengarantie buchen würden. Araber würden nasses, kaltes Wetter und besonders den Regen geradezu lieben. Während wir bekloppten Wessis uns in Dubai den Sonnenstich holen, sitzen die Araber in Zell am See, schnuppern Regenluft und sind glücklich, wenn das Thermometer auf unter 20 Grad fällt. Na klar, dachte ich später auf dem Putting Grün: Wenn die Grüns im Süden vertrocknet und die Fairways verkarstet sind, kann man in Österreich auf saftigen Grüns putten. Darum also Österreich, mal abgesehen von den Bergen.

Zweimal fuhr ich mit der Seilbahn in die Berge. Während ich nach Luft japste, bretterten jungen Burschen im Affenzahn auf Mountain-Bikes ins Tal hinab. Wieder in Hinterglemm angekommen, stöberte ich auf der Suche nach einem Schal durch die vielen Sportgeschäfte, wurde aber nicht fündig. Dafür entdeckte ich die Kräuterschnapsbrennerei von Bartl Enn, der mit seinen Zaubertränken Viren aus dem Körper und Schimmelflecken von der Seele brennt. Ich blieb ohne Schal, bekam dafür einen Rausch, was auch wärmt.
Saalbach-Hinterglemm hat mir gut gefallen. Das Gartenhotel Theresia mit seinem besonderen Stil und seiner guten Küche war sehr erholsam, das Rauschen der Saalach vor dem Fenster hatte eine geradezu hypnotisch-beruhigende Wirkung, was mich gut schlafen ließ.
Nur die leichten Unebenheiten auf den Bahnen der örtlichen Minigolf-Anlage (die zu unnötigen Putts führten), waren ein kleiner Wehrmutstropfen, der sich aber verkraften liess. ;-)

Eugen Pletsch

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Auer Power XXIO