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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Wie lässt sich Golfausrüstung optimieren? Clubfitting-Experte Michael Welwarsky über Marktneuheiten und ihre Versprechen.

Einige Firmen bringen ständig neue Produkte auf den Markt und werben mit den üblichen Versprechen von mehr Länge und mehr Fehlerverzeihbarkeit. Doch wie sollen diese beiden Parameter erreicht werden? Welche Technologien stecken dahinter? Und vor allem – Halten die Produkte das, was ihre Marketingabteilungen versprechen, auch ein?

Da in den vergangenen Wochen einige Firmen (Callaway, Cleveland, TaylorMade, Titleist) vor allem den Bereich der Eisen neu aufstellen, werde wir uns diesmal mit den Konstruktionsmerkmalen und die Auswirkungen auf das Fitting befassen. Ein großer Trend der letzten Jahre ist die Kombination verschiedener Materialien in einem Schlägerkopf, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das Metall Wolfram wird in vielen Eisendesigns genutzt, da es eine sehr hohe Dichte und damit ein sehr hohes spezifisches Gewicht aufweist. Man braucht also relativ wenig Volumen, um den Massenschwerpunkt deutlich zu beeinflussen und nach den Vorstellungen des Designers zu manipulieren. Mit Hilfe dieses Metalls lässt sich also das Trägheitsmoment eines Schlägerkopfes sehr gut manipulieren. Es gelingt also relativ kompakte Köpfe zu konstruieren, die vergleichsweise einfach zu spielen sind. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist der Titleist AP2. Die jetzt kommende Version des AP2 718 ist vom gemessenen MOI des Kopfes auf dem Niveau eines älteren AP1. Für einen Golfer hat das zur Konsequenz, dass sich sportlich aussehende Schläger deutlich einfacher spielen lassen, als das noch vor 8-10 Jahren der Fall war. Der Nachteil von Wolfram ist, dass es ein vergleichsweise teures Material ist, was sich dann auch durchaus auf den Verkaufspreis eines Eisens auswirken kann.

Ein zweiter Trend, der sich in den letzten Jahren etabliert hat, sind die eingesetzten Schlagflächen bei Eisen. Diese haben zwei Effekte. Zum einen wiegt eine dünne Schlagfläche aus speziellen hoch festen Legierungen weniger, als ein normal dicke geschmiedete oder gegossene. Das sorgt für freie Masse im Schlägerdesign, die wiederum dafür genutzt werden kann, um sie strategisch zu platzieren im Sinne der Erhöhung des MOI (Trägheitsmomentes). Der zweite große Vorteil ist, dass die Ballgeschwindigkeiten höher sind, als bei den meisten Eisendesigns, die aus einem Stück gegossen oder geschmiedet werden. Höhere Ballgeschwindigkeiten sind verantwortlich für mehr Länge. Wenn ein Ball bei gleicher Schlägerkopfgeschwindigkeit mit mehr Tempo auf die Reise geschickt werden kann, wird er logischerweise länger unterwegs sein. Im Einzelfall können das Loft-bereinigt durchaus mal 3-8 Meter ergeben. Und der dritte Aspekt der eingesetzten Schlagfläche steht im Zusammenhang mit dem Thema Fehlerverzeihung, welches grundsätzlich ein stark missbrauchter Begriff ist. Aber er ist gebräuchlich, weswegen wir ihn in diesem Zusammenhang auch nutzen werden. Fehlerverzeihung in unserem Sinne wäre, dass ein schlechter getroffener Ball immer noch relativ viel Ballgeschwindigkeit erreicht, was die Längenabweichung zwischen guten und schlechteren Bällen etwas verringert. Ein mieser Schlag wird immer ein mieser Schlag bleiben. Wenn aber der etwas schlechter getroffene Ball nicht 15 Meter Länge verliert, sondern nur noch 8 Meter, dann besteht gegebenenfalls noch die Chance, über den Bunker zu spielen, oder ein Wasserhindernis zu meiden. Sowas kann dem Score am Ende der Runde durchaus zuträglich sein.

Aber diese eingesetzten Schlagflächen haben auch Nachteile. Einer der größten ist der Klang im Treffmoment. Die meisten dieser Eisen klingen extrem blechern. Da nun aber Klang und wahrgenommene Rückmeldung sehr stark zusammen hängen, werden diese Eisen oft als hart oder harsch wahrgenommen. Kombiniert man das dann noch mit einem Flusskiesel als Ball (reine Distanz-Bälle mit hartem Kern), dann kommt selten Freude auf. Einige Firmen versuchen hier Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wie PXG mit dem TPU Material zum Befüllen ihrer Hohlkammereisen, oder auch TaylorMade mit dem „SpeedFoam“ in den neuen Produkten. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, werden die kommenden Monate zeigen.

Abschließend können wir aus der Erfahrung der letzten Jahre sagen, dass einige Konstruktionsmerkmale neuer Eisen sich sehr positiv auswirken. Aber man sollte trotzdem immer den direkten Vergleich im Auge behalten. Denn moderne Distanzeisen haben schon mal sehr gern vergleichsweise wenig Loft bei gleicher Eisenbezeichnung, was dann logischerweise zu mehr Länge führen muss. Bevor sie also über 10 Meter Längenzuwachs im Rahmen eines Fittings jubeln, lassen sie immer auch den Loft ihrer bisherigen Eisen mit dem des neuen Produktes vergleichen. Nur dann ist ein ehrlicher Vergleich möglich.

 

Michael Welwarsky

Kontakt:

Clubmate Golf GmbH
Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

 

Links:
Wiki über Clubfitting

http://www.cybergolf.de/links/clubfitting

http://www.cybergolf.de/links/golfschlaeger

 

 

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