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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Zum kurzen Spiel wird viel erzählt, aber eine gründliche Materiallinformation findet man nicht so häufig. Johannes Herbig von Clubmate Golf erklärt uns Golfbegriffe wie Wedges, Loft, Bounce und Sohlengrinds 

Wedges

Wenn man sich die Produktbeschreibungen der am Markt tätigen Wedge Spezialisten betrachtet, entsteht schnell ein Gefühl von Verzweiflung und Überinformation. Loft, Bounce, Grind, Finish Optionen, Custom Varianten, Schaftmöglichkeiten und dann auch noch in einigen Fällen eine Fülle von Personalisierungsoptionen, um sein Wedge unverwechselbar zu machen. Doch was braucht man als Spieler wirklich? Was hilft einem auf dem Platz und was könnte einem eher Probleme bereiten? Wir werden versuchen, das vorhandene Angebot ein wenig zu beleuchten.

Lofts

Früher war alles einfacher. Die Sätze hatten in alter Väter Tagen eine Pitching Wedge mit 50° Loft und eine Sandwedge mit 56° Loft. Die daraus resultierende Lücke war problemlos handhabbar und die Notwendigkeit für ein Wedgesystem mit drei oder gar vier Wedges nicht gegeben. In den vergangenen Jahren hat sich dies deutlich geändert. In der Spitze haben manche Eisensätze heute eine PW mit 42°-43° Loft und daraus ergibt sich logischerweise eine sehr große Lücke zur klassischen Sandwedge mit 56°. Was bleibt also anderes übrig, als die Lücke mit mehreren Schlägern zu schließen. Was man dabei beachten sollte, ist eine ganz einfache Frage: Mit welchem Schläger werden zum überwiegenden Teil volle Schwünge gemacht? Dieser Schläger sollte nach Möglichkeit dem Eisensatz entnommen werden – also vom Kopf und Schaft her das gleiche Design/Setup haben, wie die restlichen Eisen. Vor allem in der Kombination mit sog. Cavity Backs mit vielen spielerleichternden Merkmalen (Masse unten und relativ weit weg von der Schaftachse) macht es keinen Sinn, den notwendigen Loft für eine bestimmte Vollschwungdistanz mit einer Spezialwedge zu wählen. Aufgrund des anders platzierten Massenschwerpunktes und gegebenenfalls auch eine andere Schlagflächenkonstruktion werden die speziellen Wedges in Relation immer etwas kürzer fliegen, als das entsprechende Eisen aus dem Satz. Es ist also absolut sinnvoll, seinen Eisensatz anders zu betrachten und im entsprechenden Design bis in den Bereich einer klassischen Pitching Wedge zu gehen, um einen spielbaren Übergang zu den speziellen Wedges zu schaffen. Achten sie am einfachsten darauf, dass ihr letztes Eisen für volle Schwünge zwischen 46° und 50° Loft hat und schließen dann entsprechend mit den Spezialwedges an. Dann bleibt nur noch die Überlegung, ob sie lieber in 4° Schritten vorgehen, oder ob es 5°-Abstände sein sollen. Mehr Wedges im Bag bedeuten mehr Optionen. Mehr Optionen können aber auch durchaus für mehr Verwirrung sorgen. Wenn wir also beispielsweise von 46° Loft beim letzten Eisen für volle Schwünge ausgehen, dann wäre eine Variante mit Wedges 50°/54°/58° und somit drei zusätzliche Wedges. Oder ausgehend von diesem Wert eine Zusammenstellung mit 51° und 56°, um das System übersichtlicher zu halten.

Bounce

Beim Bounce (gemessen in Grad) handelt es sich um einen besonderen Winkel der Sohle in Relation zu einem geraden Untergrund. Leider unterscheiden manche Hersteller auch noch zwischen dem einfachen gemessenen Bounce und dem sog. Effektiven Bounce, der lediglich ein gerechneter Wert ist und sich aus dem gemessenen Bounce und der Fläche der Sohle zusammensetzt. Das macht diesen Komplex nicht unbedingt einfacher in der Betrachtung und erschwert an der einen oder anderen Stelle die Auswahl leider.

Bounce - Auswahl

Grundsätzlich gibt es zum Thema Bounce zwei unterschiedliche Herangehensweisen bei der Auswahl. Zum einen kann die Beschaffenheit des Untergrundes auf den am häufigsten gespielten Plätzen ein Auswahlkriterium sein. Hier gilt ganz einfach: Je weicher die gespielten Plätze sind, desto höher darf der Bounce sein, um das Spiel zu erleichtern. Bei weichen Böden können Wedges mit viel Bounce das Eingraben der Führungskante vermindern und leicht fette Treffer wirken sich nicht ganz so negativ aus.

Die andere Betrachtungsweise geht von den Schwungeigenheiten des jeweiligen Spielers aus. In den meisten Fällen wird grob in drei Klassen unterteilt. Man spricht vom Picker, vom Driver und vom Digger. Der Picker bürstet mit den Wedges auch bei größeren Schwüngen nur das Gras. Ein Divot sieht man bei ihm höchst selten. Und wenn es dann doch mal passiert, dann ist es extrem klein und man sieht vielleicht drei abrasierte Graswurzeln. Beim Driver ist schon ein Divot sichtbar und wird bei jedem Ballkontakt produziert. Das Divot ist allerdings deutlich länger als tief und meist wird es mit einem Geldschein verglichen – flach und lang. Der Digger hat eine gute Beziehung zu den Greenkeepern, weil diese nach seinem Platzbesuch sehr klare Anhaltspunkte für die neuen Fairwaybunker haben. Die von ihm produzierten Divots sind deutlich sichtbar und von der Größe her ein gutes Schnitzel für eine kleine Familienportion. Wenn man die extreme mit Tourspielern in Verbindung bringen würde, wäre der Picker ein Spieler wie Steve Stricker und der Digger wird perfekt durch Sergio Garcia abgebildet. Von der Fittingidee her ist es dementsprechend sehr einfach: Picker – wenig Bounce (0-6°); Driver – mittlerer Bounce (6°-10°) und Digger – hoher Bounce (10°-16°).

Erfahrungsgemäß ist eine Mischform der entsprechenden Betrachtungsweisen am meisten Sinn. Man muss also im Vorfeld entscheiden, für welchen Einsatzbereich eine Wedge hauptsächlich gedacht ist und wählt dann seinen Bounce anhand der Bodenbeschaffenheit in Übereinstimmung mit den persönlichen Schwungeigenheiten.

Sohlengrinds - Der Feinschliff

In den letzten Jahren hat sich die Wedgeauswahl noch weiter verkompliziert, weil ein Element von den Touren dieser Welt auf den normalen Markt ausgedehnt wurde – der Sohlengrind. Der Feinschliff der Wedgesohle ermöglicht es, die Spielbarkeit und auch den Einsatzbereich einer Wedge zu verändern. Inzwischen gibt es eine Unzahl verschiedener Schliffe, so dass eine Erklärung aller theoretischen Optionen inzwischen fast ein ganzes Buch füllen würde. Insofern beschränken wir uns hier auf die Grundformen.

  1. Leading Edge Relief oder „Preworn Leading Edge“: Hier wird einfach die Führungskante der Sohle leicht abgerundet, so dass ein Eingraben etwas abgemildert wird. So werden auch niedrige Bounce-Grade etwas spielfreundlicher und die Führungskante ist nicht mehr ganz so scharf.
  2. Trailing Edge Relief: Bei dieser Schliffform wird die sog. Trailingedge auf der Rückseite des Wedgemuscels leicht angeschrägt/abgerundet. Hierdurch versprechen sich die Hersteller etwas weniger Wiederstand im Rough beim Wegnehmen.
  3. Heel Relief: Beim Heel Relief wird der Bounce im Fersenbereich minimiert. Dies erleichtert das Aufdrehen des Schlägerblattes für Flopshots und ähnliche Kunstschüsse. Durch den Schliff wird verhindert, dass die Führungskante sich zu stark anhebt, wenn man das Schlägerblatt öffnet, um mehr Loft zu erzeugen.
  4. Toe Relief: Der Toe Relief wird meist genutzt, um den effektiven Bounce einer Sohle zu vermindern und wird in den meisten Fällen in Kombination mit einem Heel Relief geschliffen.

Die Hersteller haben nun ihrerseits unterschiedliche Namen für ähnliche Grinds. So gibt es beispielsweise bei Titleist fünf unterschiedliche Grinds, die Bounce und Schliff kombinieren. Betrachtet man die Sohlen genauer, dann ist es immer eine Kombination aus den vier Grundschliffen in unterschiedlichen Gewichtungen. Mal treten einige Elemente verstärkt auf und andere überhaupt nicht. Mal sind alle vier Bestandteile in der Schliffform zu finden.

Viel Erfolg beim kurzen Spiel!

Johannes Herbig

Kontakt:

Clubmate Golf GmbH
Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

 

Links:
Wiki über Clubfitting

http://www.cybergolf.de/links/clubfitting

http://www.cybergolf.de/links/golfschlaeger

Zum Clubmate Golf Katalog (PDF)

 

 

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