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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Seit den Erfolgen von Bryson DeChambeau beschäftigen Single Length Eisen die Gemüter. Johannes Herbig von Clubmate Golf klärt auf....

In den letzten Monaten geistert immer wieder ein Name durch die Golfgazetten: Bryson DeChambeau. Der junge Mann hat noch Amateurstatus und war einer der wenigen Golfer, die es geschafft haben, die US Amateurmeisterschaften und die NCAA Einzelmeisterschaft zu gewinnen. Nebenbei hat er noch seinen Master in Physik auf der SMU gemacht und sich den Ruf des „verrückten Golfprofessors“ erarbeitet.

Dieser Ruf basiert auf zwei interessanten Umständen. Zum einen ist Bryson DeChambeau einer der Menschen, die das Buch „The Golfing Machine“ von Homer Kelley gelesen und wohl zu allem Überfluss auch noch verstanden haben. Und zum anderen, weil er der erste absolute Topgolfer ist, der sich an das Konzept der sog. Single Length Eisen herangetraut hat, um eine höhere Zuverlässigkeit in seinem Golfspiel zu erzielen. Doch was bedeutet „Single Length“ in diesem Zusammenhang und welche Auswirkungen hat das auf die Konstruktionsweise von Eisensätzen?

Single Length heißt übersetzt in diesem Zusammenhang nichts anderes als „einheitliche Länge“. Im Satz von DeChambeau sind also alle Eisen gleich lang – das Eisen 4 so lang, wie seine Wedges. Auch der Liewinkel ist immer identisch. Das ermöglicht es ihm, immer aus dem exakt gleichen Setup heraus, den exakt gleichen Bewegungsablauf zu trainieren. Von der technischen Seite gibt es hierfür sehr wichtige Voraussetzungen. Alle Schlägerköpfe müssen gleich schwer sein, was bei einem traditionell gebauten Satz mit Längenunterschieden von 0.5 Inch zwischen den Eisen nicht der Fall ist. Normal ist eine Gewichtsprogression von 7 Gramm von Eisen zu Eisen. Die langen Eisen sind also leichter, als die kurzen, um eine harmonische Balance zwischen den Schlägern zu erreichen (gleiches Schwunggewicht). Man braucht also eine Sonderanfertigung, um dieses Ziel zu erreichen, was in diesem Fall von einem kleinen Unternehmen namens Edel Golf gefertigt wurde. Lange Eisen wurden mit Wolframplugs schwer gemacht, kurze Eisen wurden mit Löchern versehen (portiert), um Gewicht zu verringern. Das ganze sieht dann aus, als wäre es eine Kreation von Dr. Frankenstein, aber es scheint für diesen Spieler zu funktionieren.

So neu, wie es nun aber in den Golfmedien dargestellt wird, ist das Thema allerdings auch nicht. Den ersten Versuch in diesem Segment machte Ende der 1980er Jahre das Unternehmen Tommy Armour (TA). Die Eisen hießen damals EQL und waren nach Ansicht des Herstellers eine echte Revolution. Der Golfmarkt sah das anders und so wurden die EQL Eisen zum finanziellen Desaster für TA und sorgten für eine finanzielle Schieflage. Danach hat sich lange Zeit kein Produzent mehr an dieses Konzept herangetraut. Ein Produkt, dass in einem Desaster im Verkauf endet, macht nicht unbedingt Mut, es nochmals zu versuchen. In der Zwischenzeit gibt es wieder einige Anbieter, die sich mit Single Length Eisen versuchen und natürlich vom derzeitigen Hype durchaus profitieren. Zum einen ist da die Firma 1-Iron Golf, dann ValueGolf mit den Pinhawk SL Eisen und für 2016 wird auch Tom Wishon Golf Technology einen solchen Satz im Programm haben.

Doch das Konzept – so charmant es auf den ersten Blick auch erscheinen mag – stellt einige Herausforderungen an das Design der entsprechenden Eisen. Durch die fehlende Längenprogression innerhalb des Satzes fehlt auch der Zuwachs an Schlägerkopfgeschwindigkeit innerhalb des Eisensatzes. Die langen Eisen werden also tendenziell langsamer bewegt und die kurzen tendenziell schneller. Das führt bei gleichmäßigen Loftsprüngen innerhalb des Satzes zu ungleichmäßigen Distanzlücken zwischen den Eisen. Um das zu kompensieren, müssen also die Loftunterschiede zwischen den Eisen angepasst werden, was dazu führen kann, dass die kurzen Eisen zu hoch fliegen und die langen Eisen zu flach. Also muss auch noch die Platzierung des CoG (Center of Gravity) innerhalb des Satzes variieren. Bei den kurzen Eisen muss dieses relativ hoch sitzen, um den Ballflug etwas flacher zu bekommen und bei den langen Eisen muss es sehr tief und nach hinten gesetzt werden, um den Ballstart zu erleichtern. Ein gleiches Design durch alle Eisenköpfe ist also nicht die ideale Lösung bei einem solchen Konzept. Bei den Edel Golf Eisen von DeChambeau ist dies sehr deutlich zu erkennen. Es wurde sehr viel getan, um genau diese unterschiedliche Platzierung des CoG zu erreichen. In einer einfachen Hobbywerkstatt ist das nicht zu machen.

Abschließend kann man also sagen, dass die Idee der Single Length Eisen schon sehr lange auf dem Markt bekannt ist. Durch einen interessanten Spieler aus dem Amateurbereich wird es derzeit wieder belebt und könnte sicher für den einen oder anderen Spieler eine echte Alternative zu einem normalen Eisensatz mit unterschiedlichen Schlägerlängen sein. Aber es ist sicher keine Lösung für jeden Spieler und schon gar nicht die eierlegende Wollmilchsau, wie es nun auch schon in einigen Mediaoutlets dargestellt wird. Es gehört sehr viel Arbeit dazu, einen solchen Satz korrekt zu konzipieren und später auch zu fitten. Vor allem wird es in den meisten Fällen so sein, dass man mindestens einen bis zwei Folgetermine beim Fitter einplanen muss, um die Distanzlücken durch Loftmanipulation im Nachgang perfekt hinzubekommen. Alles in allem ein sehr spannendes, aber keinesfalls triviales Thema in der Materialwelt 2016.

Johannes Herbig

Clubmate Golf GmbH
Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

Zum Clubmate Golf Katalog (PDF)

 

Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Golfschl%C3%A4ger-Fitting

http://www.cybergolf.de/links/clubfitting

http://www.cybergolf.de/links/golfschlaeger

 

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