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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Johannes Herbig, Geschäftsführer von Clubmate Golf, beschreibt den aktuellen Stand der Dinge und was man über Golfbälle wissen sollte...

Zugegeben, wir als Verfechter der ultimativen und passenden Golfschläger wären nichts, ohne das kleine weiße Ding, das wir damit transportieren möchten. Allerdings hören wir auf dem Platz sehr oft Sprüche wie „Der beste Ball ist der gefundene“, oder „Bin da billig drangekommen“.

Im Segment der Golfbälle ist das Angebot inzwischen ähnlich breit gefächert, wie die Auswahl an unterschiedlich eingelegten Oliven in einem guten Feinkostmarkt. Allerdings ist es deutlich einfacher, eine gut schmeckende Olive zu finden, als den für ihr Spiel passenden Golfball.

Einige Hersteller versuchen inzwischen intensiv Aufklärungsarbeit zu leisten, welcher Ball für welchen Spieler eine gute Option darstellt, doch leider sehen wir auf unseren Golfrunden immer noch sehr viele Golfer, die einfach aus Prinzip den gleichen Ball spielen wollen, den auch die Spieler auf der PGA- oder der European Tour nutzen. Das diese Tourspieler andere Anforderungen an einen Golfball haben als ein durchschnittlicher Golfspieler, wird bei dieser Entscheidung gerne vernachlässigt. Wir wollen in diesem Artikel helfen, ihnen Auswahlkriterien für ihren persönlichen Golfball an die Hand zu geben.

1.     Immer der gleiche Ball oder eine bunte Mischung?

Was immer wieder auffällt sind Spieler, die im Verlauf einer Runde die unterschiedlichsten Bälle aus dem Bag ziehen. Da ist häufig vom Multilayer-Tourball bis zur harten zweiteiligen Distanzmurmel alles dabei. Im Verlauf der Runde wundern sich diese Spieler dann oft, warum die Längendosierung im kurzen Spiel nicht funktioniert oder das Putten sich jedes Mal anders anfühlt. Auch als Einsteiger sollten sie sich angewöhnen, immer den gleichen Ball während einer Runde zu spielen. Nur so können sie sich an ein Spielgefühl gewöhnen und wenigstens eine Konstante in ihr Golfspiel integrieren.

2.     Lakeballs oder neue Bälle?

Die Meinungen zu Lakeballs gehen weit auseinander. Fakt ist, dass je länger ein Ball im Wasser gelegen hat, desto stärker wird dessen Leistungsfähigkeit verändert. Schon wenige Tage in den Fluten eines Wasserhindernisses reichen aus, um einen Ball deutlich kürzer fliegen zu lassen, als einen baugleichen neuen Ball. Was für das Training im Kurzspielbereich vielleicht noch funktioniert, ist für das Spiel auf dem Platz nicht förderlich. Einem gereinigten Lakeball kann man leider nicht ansehen, wie lange er in den Sümpfen Floridas geschlummert hat. Gerne wird hier auch neu lackiert und bedruckt, sie sehen toll aus, sind aber meist von minderer Spielqualität. Natürlich ist der Preisunterschied zwischen Neuware und Lakeball deutlich. Das hat aber auch einen Grund. Bei Lakeballs wissen sie nie, was sie bekommen – Neuware ist hier meist die deutlich bessere Wahl.

3.     Welcher Ball für welchen Spieler?

Immer wieder lesen wir den Ratschlag, dass jeder Spieler einen teuren Multilayer-Tourball spielen sollte. Schließlich machen das auch die Tourspieler und dann muss das ja das Beste auf dem Markt sein. Fakt ist, dass die allermeisten Multilayer-Bälle eine sehr hohe Kernkompression haben. Um einen solchen Ball im langen Spiel ausnutzen zu können, braucht man eben auch eine Schlägerkopfgeschwindigkeit auf Tourniveau. Unter 105 mph mit dem Driver sind diese Bälle im langen Spiel eher hinderlich, als dass sie einen Spieler weiter bringen. Den optimalen Ball für ihr Golfspiel sollten sie also nicht anhand dessen aussuchen, was auf den Profi-Touren dieser Welt gespielt wird, sondern nach ihren individuellen Anforderungen und Möglichkeiten. Hier greifen mal wieder einfache physikalische Grundgesetze.

4.     Wie finde ich den richten Ball?

Unsere Empfehlung ist, vom Putter über die Wedges zu den Eisen und am Schluss zu den Hölzern zu gehen. Wichtig ist hier erst mal das Gefühl im Treffmoment beim Putter. Hat man  einige Modelle gefunden, die sich gut anfühlen, geht es ans kurze Spiel mit den Wedges. Hier geht es darum, für die eigene Art zu chippen und zu pitchen, die zuverlässigsten Modelle zu finden.
Sucht ein Spieler nach dem maximalen Spin, weil er eine höhere Annährung bevorzugt und wenig Roll benötigt, dann wird der Ball im Normalfall eine Schale aus Urethan benötigen. Wird gerne flach angenähert und der Ball darf gerne rollen, dann ist eine Surlyn-Schale oft eine gute Wahl. Früher waren die Urethan-Schalen nur den Top-Bällen vorbehalten, was sich aber inzwischen geändert hat. Es gibt auch zweiteilige Modelle mit einer solchen Schale, die dann einen etwas weicheren Kern aufweisen, so dass sie auch bei niedrigeren Schlägerkopfgeschwindigkeiten gut funktionieren.

Haben Sie Ihre Auswahl anhand des kurzen Spiels reduziert, kommen die Eisen zum Einsatz. Hier gilt es, eine gute Mischung aus Länge und Präzision zu finden. Was bringt ein Ball, der zwar 10 Meter weiter fliegt, aber nicht kontrollierbar auf dem Grün zum Halten gebracht werden kann? Oder ein Ball, der zwar präzise ist, aber 10 Meter kürzer, als andere Bälle im direkten Vergleich? Suchen Sie nach einer ausgewogenen Mischung und berücksichtigen Sie auch die Rückmeldung im Treffmoment.

Das letzte Glied in der Kette ist der Driver. Hier sollten Sie vor allem auf Präzision Wert legen. Einige Bälle sind so optimiert, dass sie relativ viel Spin auch beim Driver annehmen, was natürlich nicht hilfreich ist, wenn der Spieler sowieso schon starke Slices oder Hooks schlägt. Dieser Slice/Hook wird durch einen entsprechenden Ball eher noch verstärkt und die Manni-Kalz-Gedächtnisflanke auf dem Platz kultiviert. Allerdings ist es auch so, dass sich die Spinraten bei einem harten Distanzball, einem zweiteiligen Ball mit weicher Kernkompression und einem Multilayer-Tourball beim Schlag mit dem Driver nicht übermäßig stark unterscheiden. Mehr als 300-400 rpm Unterschied finden wir bei unseren Messungen selten. Auf die Schlagweite hat die Kernkompression einen deutlich höheren Einfluss, was dazu führt, dass viele Spieler mit weicheren Bällen längere Drives und Eisen schlagen als mit Tourbällen mit hoher Kernkompression. Lassen Sie also ihr Ego zu Hause, wenn Sie nach dem für Sie passenden Ball suchen. Teuer ist nicht immer besser und Multilayer muss für Sie nicht unbedingt passender sein. Auch im Ballsegment ist der Kampf um Marktanteile längst im vollen Gang und die Marketingmaschinerie läuft auf Hochtouren. Seien Sie einfach ehrlich zu sich selbst und probieren Sie unterschiedliche Varianten aus. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, welcher Ball am Ende des Testens für Sie die optimale Variante ist.

Viel Spaß beim Suchen!

Johannes Herbig

Clubmate Golf GmbH
Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

Zum Clubmate Golf Katalog (PDF)

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