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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Michael Welwarsky von Clubmate Golf ist als Fitting-Experte so eine Art „höhere Instanz“ geworden. Seine kompetenten und ausgewogenen Kommentare zu Schäften und Golfschlägern werden in den Golfforen gerne gelesen. Hier ist seine Meinung zum neuen SLDR-Driver von Taylor Made, den ich bereits vorgestellt habe. (ep)

Hallo Eugen,
vieles von dem, was Taylor Made in diesem Spot zum Besten gibt, ist physikalisch korrekt, wenn auch nicht neu. Die angegebenen 17°/1700rpm sind für hohe Ballgeschwindigkeiten eine sehr gute Kombination, wobei bei niedrigeren Ballgeschwindigkeiten andere Kombinationen bessere Carrywerte ergeben. Und in unseren Augen ist es erstmal die Carrylänge die wichtige Länge in einem Fitting. Es passiert durchaus, dass die Kombination 17/1700 für niedrige Ballgeschwindigkeiten in einem Rechenmodell sehr gute Gesamtlängen ausspuckt. Allerdings nur aufgrund einer kalkulierten großen Rolllänge, die bei einem entsprechenden Platzdesign auch zu Problemen führen kann. Dies kannst du problemlos bei folgender Internetseite durchspielen: http://flightscope.com/products/trajectory-optimizer/

Sinkt die Ballgeschwindigkeit auf das Niveau von normal-sterblichen Golfern, wird bei 17/1700 die Carrylänge geringer und der Rollanteil höher im Vergleich zu Varianten mit mehr Spin und etwas weniger LA. Natürlich wird aufgrund des sehr niedrigen Backspins der Rollanteil höher. Doch was hilft Roll, wenn der Ball in ein Hindernis rollt, anstatt Carry darüber hinweg zu fliegen?

Das der Massenschwerpunkt hinten/unten keinen hohen Ballflug mit wenig Spin generieren kann, gehört zum kleinen 1x1 in der Kopfkonstruktion und darauf wurde schon vor einiger Zeit unter anderem von Tom Wishon hingewiesen. Insofern ist dies definitiv keine Erkenntnis, die TM exklusiv für sich hat. Und auch die Kampagne Loft Up! ist nicht wirklich neu. (*siehe unten)

Bisher sind die Hersteller einfach hingegangen und haben halt in ihren Drivern mehr Loft produziert, als ausgewiesen wurde. Auf der US-Seite MyGolfspy.com wurde gerade zum Thema Driver-Loft ein sehr guter Artikel geschrieben. Da gibt es auch das eine oder andere interessante von Herstellerseite zum Thema Loft eines Drivers. Den Artikel kannst du hier nachlesen: http://www.mygolfspy.com/mygolfspy-labs-the-worst-kept-secret-in-golf/

Fakt ist also, dass TM eine Änderung im Kopfdesign vorgenommen hat, die durchaus physikalisch begründbar ist. Der SLDR ist allerdings allem Anschein nach kein einfach zu fittender Kopf. Entweder er funktioniert gut und produziert dann in Kombination mit einem passenden Schaft (ohne den taugt auch der beste Kopf nichts) sehr gute Resultate, oder aber die Spieler kommen damit gar nicht klar. Es ist natürlich ein absoluter Paradigmenwechsel in der Kommunikation, wenn auch nichts, was noch keiner gewusst hat. Unser Kimura-Driver ist schon lange vor der Loft Up! Kampagne so gebaut worden, dass das COG relativ weit vorn liegt. Das Resultat ist ein vergleichsweise flacher Ballflug mit wenig Spin. Um hier perfekte Resultate zu erzielen, müssen manche Spieler eben einfach mehr Loft nehmen, was bei uns dazu geführt hat, dass wir eben keinen Loft auf den Köpfen ausweisen, um das männliche Ego nicht anzukratzen, wenn es eben ein 12.5° Driver sein muss, um einen optimalen Ballflug zu generieren.

Was beim SLDR aber sehr interessant und nicht ganz nachvollziehbar ist, ist das hohe Gesamtgewicht des Kopfes gepaart mit einer relativ langen "Standardlänge". Die Köpfe wiegen ca. 210 Gramm. In Zusammenhang mit einer Länge von 45.5 Inch führt das zu einem sehr hohen Schwunggewicht - meist so D5-D7. Da wird die Luft schon etwas dünner für die meisten Golfer. Die meisten anderen Driver-Köpfe im Markt wiegen ca. 200 gr - +/- 4 Gramm. Und 204 Gramm wird schon gefühlt sehr schwer, wenn der Driver über 45 Inch gebaut wird. Den technischen Hintergrund habe ich bisher noch nicht verstanden. Die meisten Schafthersteller, mit denen wir in Orlando gesprochen haben, konstruieren ihre Schäfte inzwischen gezwungenermaßen so, dass sie relativ viel Masse in der Nähe des Griffes haben, um die teilweise sehr schweren Köpfe auf der Schwunggewichtswaage besser da stehen zu lassen. Die Gesamtträgheit des Systems bleibt aber bei derart schweren Driver-Köpfen immer noch sehr hoch, was das Beschleunigen sehr schwer macht. Dies ist allerdings nur eine theoretische Betrachtung des Sachverhalts. Ich habe den SLDR noch nicht getestet und werde wohl auch in absehbarer Zeit keine Möglichkeit dazu haben. Insofern können dir vielleicht meine theoretischen Inhalte dir ein wenig beim bloggen helfen - eine Erfahrung aus erster Hand zum SLDR kann ich dir leider nicht geben.

Viele Grüße

Michael Welwarsky
Sales Director
Clubmate Golf GmbH
Telefon: +49 6157  8036640

 

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