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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Den Bericht über den Spicy3 Putter sowie ein Interview mit den Herstellern hatte ich in meinem "Golftagebuch" veröffentlich. Weil das Thema sehr interessiert aufgenommen wurde, aber das Thema Ausrüstung betrifft, ist der Text auch noch mal an dieser Stelle zu finden.

Der Golflehrermeister Oliver Heuler und die Hamburger Designer Marc Suxdorf und Gerald Steuer entwickelten vor knapp 10 Jahren die Idee des Spicy-Putters. Mittlerweile ist Spicy3 auf dem Markt und ich hatte das Privileg, das neuste Modell zu testen.

Laut Oliver Heuler gibt es nur zwei Dinge, die man beim Putten richtig machen muss: Erstens muss der Ball in die richtige Richtung starten und zweitens muss der Ball die richtige Geschwindigkeit besitzen.
Mir fielen noch einige Dinge ein, die man richtig machen muss um erfolgreich zu putten, aber – ja – das wäre alles Psychokram. Letztendlich reduziert es sich darauf, dass der Ball in die richtige Richtung startet und die richtige Geschwindigkeit hat.
Das wusste übrigens auch Nick Faldo, der sich den Putter zehn Jahre von Fanny Sunesson nach dem Ausrichten aus der Perspektive hinter dem Ball korrigieren ließ.

Kommen wir zum Prinzip der Spicy-Putter: Spicy 3 Putter
Jeder Schütze weiß, dass das Auge vom Ziel gesehen hinter das Sportgerät gehört, um richtig zielen zu können. Das beachtet jeder gute Golfer, der sich zu Beginn seiner PreShot-Routine hinter den Ball stellt und das Landeziel des Balles anvisiert – und diese Möglichkeit zu zielen ist mit dem Spicy-Putter möglich.
Spicy-Modelle sind nämlich so ausbalanciert, dass sie frei stehen können.

Der Spieler setzt den Putter hinter dem Ball auf, stellt oder hockt sich dahinter und richtet den Putter aus. Spicy3 hat eine besonders dicke weiße Ziellinie, die das Visieren noch einfacher macht.

Natürlich muss man eine Linie lesen können und das Gefühl für die Entfernung haben, aber dann ist die Chance, dass der Ball fällt, außerordentlich groß. Selbstverständlich kann man auch mit den Spicy pullen, pushen, yipsen und jeden Blödsinn veranstalten, aber wenn man sich an das Konzept hält, hält sich der Schaden in Grenzen.

Eins ist mir in diesem Zusammenhang besonders deutlich geworden: Wenn ich mich hinter den Putter stelle, die Linie ausrichte und eine Entscheidung treffe, dann muss ich die Sache auch durchziehen. Zurück und durch, während ich mich nur noch auf mein Entfernungsgefühl konzentriere.

Es folgen einige Fragen an Oliver Heuler und Marc Suxdorf, um Spicy-interessierten Lesern noch ein paar Hintergrundinformationen zu geben.

EP: Das Konzept des Zielens ist seit dem ersten Modell bekannt, aber was hat sich seit dem verändert?

OH: Ich fand den ersten Spicy technisch am besten (größter MOI, d.h. Trägheitsmoment, weil viel Gewicht außen), aber er war hässlich. Der zweite war schick, aber etwas filigran und fühlte sich deshalb nicht ganz so solide an. Der dritte ist aus einem Stück, fühlt sich daher super an, und ich finde ihn auch hübsch. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

EP: Erzählt mir etwas zur Entwicklung der Putter.

OH: Das beantwortet Marc am besten.

MS: Wir hatten beim Spicy Putter immer das Ziel vor Augen, den technisch und psychologisch besten Putter zu konstruieren, unabhängig von irgendwelchen Trends und Produktionskosten. 
Der Spicy 1 hatte das größte MOI aller Putter dieser Erde mit austauschbaren Gewichten und leichtem CNC gefrästen Magnesium Körper, um das maximale Gewicht möglichst weit nach außen zu bringen. Auch bei der Form wollten wir minimalistisch mit keinem Detail von der Zielrichtung ablenken, daher war der Kopf komplett rechteckig. 2005 waren wir damit nur leider der Zeit voraus. Vom Spicy 1 haben wir 200 Stück verkauft und ich spiele ihn gelegentlich noch immer.

Mit dem Spicy 2 und Spicy 2.1 haben wir bei bester Spielbarkeit und Standfestigkeit die filigranste Form gesucht, um die aus unserer Sicht fürs Putten ultimative Notwendigkeit der korrekten Ausrichtung durch einen stehenden Putter auch einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen. Auch hier sind wir bei der Fertigung keine Kompromisse eingegangen, so dass die Spicy 2 Putter aus einer Vielzahl aufwendig zu produzierender Teile zusammengesetzt werden. Vom Spicy 2 Putter wurden mehrere hundert Exemplare verkauft und er ist für Liebhaber eines möglichst leicht anmutenden Stehputters noch immer erhältlich.

EP: Und Spicy3?

MS: Da große Schlägerköpfe sich in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit erfreuen, konnten wir mit dem Spicy3 Putter endlich wieder zurück in Richtung des ultimativen Putters mit großem Schlägerkopf gehen. Kein Stehputter steht wohl besser, fühlt sich im Treffmoment weicher an, verzeiht schlechte Treffer besser und hat eine kompromisslosere dicke, gerade Linie, die sich über den Centre Shaft hinaus bis an die Schlagfläche fortsetzt. Dank der leichten Wölbung auf der Oberseite erkennt der "Schütze" beim Zielen von hinten sogar, ob sich die Augen in genauer Verlängerung der Linie befinden. Wenn nicht, dann erkennt man nämlich die Krümmung der Linie.

EP: Wo werden Eure Modelle gefertigt?

MS: Alle Komponenten lassen wir bei etablierten Golfproduzenten auf Basis unserer geschützten CAD Daten und hohen genau definierten Anforderungen in Deutschland, USA und Asien fertigen. Die Schläger werden in Hamburg endgefertigt und können in der Länge bei der Bestellung individuell angepasst werden. Eine Linkshandversion gibt es mit dem Spicy 3 Putter endlich auch.

EP: Gibt es eine Fittingmethode, die gut passt? Geht das online?

OH: Wir fitten nur nach Länge, weil der Lie sich nicht flacher machen lässt, ohne dass der Putter an Stehvermögen einbüßt. Das reicht meiner Ansicht nach aber auch. Der Vorteil des Zielens ist einfach viel größer, da steckt er den kleinen Nachteil, dass nicht alles verändert werden kann, locker weg.

EP: Wie sind die Rückmeldungen Eurer Kunden?

OH: Jeder Spieler mit einem Spicy ist das Gespräch des Flights, des Turniers oder auf der Clubhausterrasse, wenn man das 18. Grün einsehen kann. Und die meisten berichten auch, dass sie einfach besser putten. Ich selbst würde auch nie wieder zu einem anderen Modell wechseln. Erst, wenn das Stehen des Putters für illegal erklärt würde. Was vielleicht passieren könnte, wenn ein Tourspieler damit alles gewönne. 

MS: Dank der persönlichen Betreuung aller Kunden durch mich, den Designer und Entwickler, lassen Antworten manchmal etwas auf sich warten, werden dann aber in Kulanz und Kompetenz nur schwerlich zu übertreffen sind.

Soweit die Antworten von Heuler und Suxdorf.

Zum Schluss will ich noch erzählen, wie ich zu meinem Spicy3 kam:
Ich hatte Spicy3 im Internet gesehen und das tibetische Rot des Putters hat mir sofort gefallen. Ich fragte nach einem Test-Modell, das ich jedoch mit einem dieser dicken neuen Leicht-Griffe von Super Stroke gefertigt haben wollte. Meine übliche Putter-Länge von 35,5 Inch war nicht auf Lager, aber Marc sagte, er würde mir ein Modell mit dem gewünschten Griff schicken, sowie er wieder die passende Länge auf Lager hätte.
Dann vergaß ich die Sache und Marc offensichtlich auch. Ich habe einen Putter, mit dem ich sehr zufrieden bin und habe in meinem Hogan-Set auch einen „Little Ben“, den Bettinardi für Ben Hogan fertigte. (Der „Little Ben“-Kopf ist übrigen dem Spicy3 sehr ähnlich). Jedenfalls herrscht in meinem Bag keine Not und seit ich mein Yipsen los bin, ist mir fast wurscht, womit ich den Ball ins Loch schubse. Doch irgendwann fiel mir der Spicy wieder ein und ich schrieb Marc:

„(…)…wir haben hier bereits Schnee, also mach mal hinne… Ist 4-5 Monate Eure Standard-Lieferzeit, wg. der Exklusivität?“

Suxdorf antwortete, er würde mir einen bauen.

Ich schrieb: „Du baust den? Man munkelte, Heuler hätte beim Gold schürfen zu tief gegraben und einen verschütten Zwerg namens Adolf Zinnbecher befreit, der Euch jetzt hundert Jahre dienen muss und in Deinem Keller schuftet. Man sagt auch, der neue Putter wäre aus unzerstörbarem Mithril, aus dem Erz eines Kometen geschmiedet, aus dem Heuler auch seine Kugeln fertigt, mit denen er kürzlich dummerweise (beim unsachgemäßen Hantieren mit der Waffe) den Goldpreis zusammengeschossen hat, was mich fast ins Herz traf! Aber Du sagst, Du baust den Putter. Na gut. Die Leute erzählen viel, während sie auf ihre Putter warten…“.

Suxdorf schickte mir ein Bild vom fertigen Putter und schrieb:“ Ich gebe ihn nicht wieder her!"

Worauf ich antwortete: „Jetzt heul‘ mal nicht. Wenn ich mit dem durch bin, schicke ich ihn auch wieder zurück. Ich habe einen guten Putter (EUR 35.-) den der Spicy erst mal toppen muss…“

Dann kam der Putter und mich traf der Schlag. In meinem Schreiben an Suxdorf versuchte ich mich in gewaltfreie Kommunikation:

„(…) ich weiß, Du hast auch viel um die Ohren, deshalb gehe ich die Sache mal ganz vorsichtig an: Danke für den Putter. Ähh…übrigens:  Weißt Du noch, warum die ganze Sache so lange gedauert hat? Weil ich keinen 33 Inch Putter haben wollte. Und andere hattest Du nicht mehr. Mindestens 34 Inch sollten es sein, denn eigentlich sind meine Putter 35,5 lang. So. Und der Putter, den Du mir geschickt hast, hat knapp 32 Inch. Sonderanfertigung für Zwergenkönig Roderich oder Ian Woosnam? Verwechselt mit dem Weihnachtsgeschenk für Klein-Heuler? Großer Gott, ich werde Dir nie mehr von Zwergen in Deinem Keller schreiben und ähnliche Dinge, die Dich auf die Idee bringen, es auch mal mit schlechten Scherzen zu versuchen. Na gut. Jetzt habe ich einen Putter für das Kind in mir, passend zu meinem derzeitigen Selbstvertrauen und Kontostand. Aber – sei mir nicht böse – in der Liga da unten möchte ich nicht bleiben. Mein Vorschlag: Ich probiere die Balance, den Touch, lasse die Hülle drauf und schicke Dir das Teil in wenigen Tagen zurück, denn ich weiß: Irgendwo lebt ein kleiner Mann mit Schaufelpfoten, der beim Putten hoch hinaus will. So. Ja, ich vergebe Dir.“

Marc antwortete:
„(…) danke für deine empathische Mail :-) Ich hatte eigentlich geplant, dich vorzuwarnen, das aber im Eifer des Gefechts versäumt.  Also ... ein längerer Spicy Putter steht mit diesem Monstergriff leider nicht mehr und da ich mit 1,90 einen 33 Zoll spiele (unsere Herrenstandardlänge), habe ich mich selbstverliebt und selbstherrlich über deine Wünsche hinweggesetzt. Ja, so bin ich.“

Mir war klar, dass ich den Putter nach ein paar Testläufen auf dem heimischen Teppich zurückschicken würde, aber mit jedem Klingeln im Loch begann mich das Ding mehr zu faszinieren. Ich fuhr nach Winnerod, um den Putter endlich auf einem richtigen Grün zu testen. Dass an dem Tag Schnee lag, hielt mich nicht ab.

Pletsch testet Spicy3

Am Abend schrieb ich an Suxdorf: „(…) nach einem ersten Test unter extremen Verhältnissen muss ich sagen, dass die Rücksendung doch etwas dauern kann, denn wie heißt es so schön: Kurz und dick - Frauenglück!“

Tatsächlich störte mich jedoch, dass der Putter so kurz war, aber vielleicht spielte sich das alles nur im Kopf ab? Ich hatte ohnehin einen Termin bei Meister Welwarsky und fragte ihn bei dieser Gelegenheit um seine Meinung. Michael Welwarski stellte mich an sein Putter-Fitting-Test-Gerät und was kam dabei heraus? Ich schrieb an Suxdorf:

„Welwarsky hat am Freitag gecheckt, wie lange ein Putter für mich sein muss, damit meine Augen über die Linie stehen. Bei dem steilen Winkel des Spicy muss er 32 Inch lang sein. HA, DU GENIE! Der Griff ist übrigens auch Klasse. Mit dem Spicy loche ich derzeit hervorragend. Auch Rückenprobleme hatte ich bisher keine. Lange Putt übers Grün schlage ich, indem ich mit der rechten Hand frei durch den Ball schwinge und den mit dem Putter-Rücken treffe! Wie man damit gewaltfreie Brandzeichen macht, werde ich auch rausfinden. (Brauche dazu eine Kuh!) Werde das alles bildlich dokumentieren. Sieh also derzeit schlecht aus, mit der Rücksendung des Putters. Sorry. Du kannst nur hoffen, dass sich der Putter beim 1. Turnier als Fake erweist, sonst habt Ihr eine Abschreibung mehr am Hals.
PS: Was dem Putter fehlt, ist eine ganz feine evtl. Plexiglasscheibe in der Einbuchtung, um den Ball anzuheben. Ein Putter, bei dem man sich nach dem Ball bücken muss, ist ja eigentlich ein Unding.“

Suxdorf darauf: „Aha. Und wirst du jemals wieder meine Entscheidungen für dich in Frage stellen?“

Da ich den ganzen Herbst immense Augenprobleme hatte und mich deshalb kurz fassen musste, antwortete ich erst Anfang Dezember:
„Entscheidungen? Mein lieber Marc, ich würde mal sagen: Glück gehabt…aber, na gut, zugegeben: Ich musste gestern auf der 11 nach einem gelochten 3-Meter-Putt über Wurmhaufen zum Par wg. Dunkelheit abbrechen und da lag ich vier über …insofern…aber es hätte noch viel passieren können! Ich denke, dass auch der dicke Griff eine wesentliche Rolle spielt, abgesehen von meinen Sehübungen nach Dr. Bates und dem gesamten soziokulturellen Hintergrund, auf dem mein Golfspiel basiert …aber das wirst Du nicht hören wollen.“

Im Januar 2014 schrieb ich ihm: „Ich fürchte, Du wirst Spicy 3 abschreiben müssen. Das Teil gefällt mir immer besser.“

Am 10. Januar schrieb ich an Heuler und Suxdorf:
„Meine Herren, wir wissen noch nicht was es ist und ob es wahr sein kann, aber auch heute haben meine Mitspieler, darunter Spicy Forums-Mitglied  R.S. festgestellt, dass die Häufigkeit meiner gelochten Putts (und wir reden von richtig langen Putts) in Anbetracht unserer matschigen und verwurmten Grüns geradezu exorbitant ist.“

Soweit mein erster Bericht zum Spicy3. Jetzt warten wir auf den Frühling und wenn der Stachel löckt und ich tatsächlich ein Turnier spielen sollte, werde ich das Thema erneut aufgreifen. Bis dahin versuche ich, nicht von der Runde mit Altmeister Herbie am 28.1.2014 zu erzählen, auf der ich drei Birdies hintereinander spielte. Solche Geschichten erzeugen nur unnötigen Druck....

Zusammenfassung: Toller Putter, sofern man das gesamte Konzept wirklich praktiziert und den Kopf (auch innen drin) still halten kann.


Bestellen? Schreibt an: bestellung@spicygolf.de und fragt nach einem Sonderpreis für Cybergolf-Leser.
Den gibt es zwar nicht, aber dann weiß Suxdorf, dass die Bestellung von mir kommt. Vielleicht geht es mir dann bald so gut wie Oliver Heuler, der zum Erfolg des Spicy schrieb, er könne jetzt zweimal die Woche etwas Warmes essen und sein Sohn habe neulich sogar zwei Paar neue Schuhe in einem Jahr bekommen!

Spicygolf
Milchstraße 6b
20148 Hamburg
040/41345-104
www.spicygolf.de

Weitere Informationen unter http://www.golfkurse.com/putter

 

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