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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

'Cybergolf-Korrespondent' Jürgen Diethe, Autor von Golfheroen, lebt bei Inverness / Schottland und war lange Zeit die deutsche Stimme von „European Tour Weekly“. Sein Text befasst sich mit einer neuen Software, die ein Grund dafür ist, warum Danny Willett die Masters gewann.

Wir kennen alle die berühmte Maxime von Bobby Locke: "Drive for show, putt for dough" – der Drive ist die Schau, das Geld macht der Putter. Oder vielleicht doch nicht. Der frischgebackene Masters Champion Danny Willett ist der lebende Beweis, daß ein neues Computer-Programm nicht nur eine völlig neue Perspektive bietet, sondern auch mitunter entscheidende Hilfestellung geben kann. "The 15th Club" (der 15te Schläger, zusätzlich zu den 14, die im Bag stecken dürfen) ist ein Konzept, das es vor einem Jahr noch gar nicht gegeben hat, entwickelt in London, von Männern wie dem Chief Executive Blake Wooster und dem Head of Golf Intelligence, Jacob Nichols.

In das Programm werden alle möglichen Statistiken gefüttert, die weit über die traditionellen "Putts pro Runde" und "Greens in Regulation" hinausgehen. Bobby Lockes alte Maxime wurde über Bord geworfen, nachdem Mark Broadie von der Columbia Business School vier Millionen Golfschläge auf der PGA Tour zwischen 2003 und 2012 analysiert hatte. Es stellte sich heraus, daß die Putting-Statistiken insofern irreführend waren, da sie die Länge der Putts ignorierten, und daß Drives und lange Schläge viel wichtiger waren. Was natürlich Sinn macht, denn je besser die langen Schläge sind, desto näher kommt man an die Flagge. Beispiel: wenn ein Spieler mit niedrigem Handicap (einen gesunden) Tiger Woods alle Putts spielen ließe, würde er 2,2 Schläge pro Runde gewinnen – bei allen Schlägen über 100 Yards jedoch 9.3 Schläge pro Runde. Und man hat ausgerechnet, daß eine Verbesserung von einem halben Schlag pro Runde das Verdienstpotential um 73 Prozent erhöht. Und so kann man nachträglich auch das Ergebnis von Danny Willett analysieren.

Wie funktioniert das aber mit dem Computer-Programm? Wooster gibt ein Beispiel für den Einfluß der Software, die Willett und sein Caddie Jonathan Smart benutzten: "Sagen wir, nach einem guten Abschlag auf einem Par fünf ist der Spieler unsicher, ob er kurz spielen oder auf das Grün zielen soll. Wir können einige Wahrscheinlichkeitsdaten geben – auf der Grundlage der Lage des Balles, dem Wind und der Schlagkraft des Spielers – was aussagen mag, daß in 60 Prozent der Fälle die Golfer, die auf diesem Loch das Grün direkt anspielen, ein besseres Score holen, als diejenigen, die aus ähnlicher Situation kurz spielen." Und vor dem Turnier in Augusta informierten sich Willett und Smart darüber, wie das Feld im Vorjahr gewisse Löcher gespielt hatte und insbesondere wohin sie den Ball spielen sollten, wenn sie in Schwierigkeiten geraten waren, für die beste Chance, die Situation zu retten. "Auf der Grundlage der Datenbank konnten wir das tun und ihre Chancen verbessern."

War das der entscheidende Einfluß? Das ist natürlich unmöglich zu sagen. Das beste Programm ist ohnehin nichts wert, wenn der Spieler die gewünschten Schläge nicht ausführen kann. Und Willett machte kaum Fehler. Aber: auch sein englischer Landsmann Lee Westwood, der sich Platz zwei mit Jordan Spieth teilte, benutzte das Programm. Und ein eifriger Student ist auch Darren Clarke, in diesem Jahr Kapitän des europäischen Ryder-Cup-Teams. Er gab überhaupt den Anstoß zur Entwicklung des Programms, das sich durch ein ähnliches Programm, Club 21, informieren ließ, das einige führende europäische Fußball-Teams mit Erfolg einsetzen. Und bei der "Generalprobe", dem Eurasia Cup in Malaysia im Januar, stellte Kapitän Clarke seine Paarungen im Vierer und Vierball auf Grund von Daten zusammen, die zeigten, welche Spieler sich am besten ergänzten. Ein knapper Ausgang zwischen Europa und Asien war erwartet worden – Europa triumphierte überlegen mit 181/2 zu 51/2.

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