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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Weil Cybergolf häufig von Golfanfängern besucht wird und sogar von Leuten, die sich nur mal schlau machen wollen, worum es beim Golf geht, hier ein paar Anmerkungen über Vorurteile und die „Modernisierung“ des Golfspiels…

Wie viele Artikel zum Thema Golf und Vorurteile erschienen sind, kann jeder selbst googeln. Die meisten Autoren schildern, dass sie selbst diese Vorurteile auch hatten, aber nachdem der erste Ball flog, begannen sie, unsere schöne neue Golfwelt mit anderen Augen zu sehen.

Bei den Vorurteilen, um die noch mal genüsslich zu repetieren, geht es meist darum, dass Golfer hochnäsig, statusbewusst, protzig und arrogant sind, wohlhabende Besserverdiener, viele sind sogar stinkreich und alle tragen karierte Hosen. Golfer wählen konservativ und schaffen ihr Geld ins Ausland, um Steuern zu sparen. Der deutsche Blick (Vorurteile) von Peter Ruge
Aus der Sicht eines Kellners sind die meisten Golfer im besten Fall joviale Besserwisser, meist jedoch elitäre Snobs, die auch noch ausgesprochen knickrig sind, wenn es ums Trinkgeld geht.

Aus Sicht von Ökologen verdrecken sie auf ihren Kreuzfahrten die Weltmeere, beanspruchen viel Fläche für einen Sport, den nur wenige ausüben und vergiften dabei das Grundwasser mit Insektiziden und Pestiziden.
Aus der Sicht von Sportlern ist Golf kein Sport, zumindest glauben sie das, bis sie selbst mit dem Golfen anfangen.
In vielen Fällen sind diese Vorurteile berechtigt, wobei Golf längst nicht mehr nur vom Großbürgertum gespielt wird. Mittlerweile gibt es in Deutschland Golfer in allen gesellschaftlichen Schichten und in allen gesellschaftlichen Schichten gibt es Kotzbrocken und nette Menschen.

Ist Golf ein teurer Sport?

Je nachdem, welche Anspräche man stellt. Wer den üblichen Weg geht (Vollmitgliedschaft, neues Komplett-Set etc.) liegt etwa auf den Niveau von dem, was ein gutes Fitnesscenter im Jahr kostet. Oder ein Skiurlaub für vier Personen. Reiten ist angeblich auch teurer, was ich aber nicht beurteilen kann.
Wer sich als ‚Clubfreier Golfer‘ auf öffentlichen Golfplätzen versucht, kann dabei auch viel Spaß haben, manche sagen sogar, mehr Spaß, als in den Clubs mit ihrem Getue. In Urlaubsregionen ist der Zugang zum Spiel häufig noch unkomplizierter.

Golfschläger gibt es über die Internetbörsen wie Sand am Meer. Kaum ein Produkt unterliegt einem solchen Preisverfall wie ein Golfschläger. Faustregel: Je älter die Sachläger, umso besser das Material und ein paar gute Einzelschläger kann man für ein paar Euro ersteigern.
Ich begann mit einem Eisen 7 aus der Grabsch-Kiste eines Proshops, besorgte mir dann einen Putter, dann ein Sandeisen und schließlich ein Holz 4. Das reichte mir aus, bis ich merkte, dass mir Golf wirklich Spaß macht.
Eisen 7, Holz 4, ein Wedge und ein Putter reichen auch aus, um auf einer flotten Runde beim Wintergolf oder an einem Hochsommerabend Spaß zu haben. Es muss also nicht gleich das Monster-Bag mit gefitteten Profi-Schlägern und eingebautem Flaschenöffner sein.

Fangen Sie leicht an, das macht das Spiel leichter!

Braucht man einen Golflehrer?

Es gibt ein paar eiserne Gesetze, die von einem Meistergolfer namens Ben Hogan in seinem Buch „Der Golfschwung“ formuliert wurden. Dabei geht es um Stand, Griff und Ausrichtung. Die drei Punkte werden selbst Weltklasse-Golfer immer wieder bei sich kontrollieren und diese Grundlagen sollte man von einem Fachmann lernen.
Andererseits habe ich manches Match gegen Autodidakten verloren, die nie eine Trainerstunde hatten und manches Match gegen Nervenbündel gewonnen, die als Opfer eines Golflehrers unter einem „Paralysis by Analysis“-Syndrom litten.

Wenn Sie mit einem Golflehrer arbeiten wollen, dann sollten Sie ihn fragen, ob er ihnen das Golfspielen beibringen kann – oder ob er ‚nur‘ den Golfschwung lehrt.

Ein akademisch versierter High-Tec-Driving-Range Pro ist aus meiner Sicht nur dann hilfreich, wenn ein Spieler genau weiß, wo er hin will und nicht weiß, wo er steht und woran zu arbeiten ist.

Dem Golfanfänger empfehle ich einen Golflehrer, der selbst noch Spaß am Golfspiel hat und dem es darum geht, dass sein Schüler flott über den Platz kommt ohne sich selbst und andere zu verletzten.
„Golf spielen“ wird heute kaum noch gelehrt. Gelehrt wird ein Schwungablauf, den man dann in einem Video sieht, während man erklärt bekommt, was man alles falsch macht.

Nach 30 Jahren Golf weiß ich, dass Golf ein ‚Zielspiel‘ ist. Wer auf dem Platz über Technik nachdenkt, ist verwirrt wie der Tausendfüßler, den man fragt, wie er seine 1000 Füße koordiniert.

In meinem Buch ‚Der Weg der weißen Kugel‘ habe ich das zielorientiertes Spiel (im Gegensatz zum technikorientierten Spiel), immer wieder in seiner Bedeutung hervorgehoben.

Ich habe bisher auch noch keinen Tour-Professional kennengelernt, der auf dem Platz über seinen Schwung nachdenken würde, anstatt sein Ziel im Auge zu haben während er überlegt, wie er es mit den wenigsten Schlägen erreichen kann.

Damit wären wir beim Sinn des Golfspiels: Es ist ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem versucht wird, einen Ball mit möglichst wenigen Schlägen in ein kleines Loch zu befördern.

Das kann Spaß machen oder auch nicht, je nach dem, warum man spielt, mit wem man spielt, wo man spielt und ob man überhaupt spielt – oder ob man sich durch eine Gedankenblase quält, in der Status, Geld, Handicap-Träume, Ansehen, Geschäfte und Beziehungen von Bedeutung sind, während die Landschaft, die Natur und das Spiel selbst in Vergessenheit geraten.

Ich bin nicht der Ansicht, dass jede/r Golf spielen muss oder dass Golf unbedingt ein „Breitensport“ werden muss. Golf erfordert nun mal viel Zeit, Hingabe, Geduld, Aufrichtigkeit, Mut, Ehrlichkeit mit sich und anderen – und mehr Fitness als man glaubt. Außerdem kostet es, je nach Anspruch, doch mehr Geld, als allgemein behauptet wird. Da darf man sich nicht in die Tasche lügen.

Immer wieder wird deshalb darüber diskutiert, ob man dieses Jahrhunderte alte Spiel nicht ‚modernisieren“ sollte. Stefan Blöcher fordert in seiner GolfTime Kolumne*, dass wir umdenken müssten: "Alles wird schneller, dynamischer und spannender - nur im Golfsport scheint die Zeit stehen geblieben zu sein." Dass Golf für einen Ex-Hockeyweltmeister ein 'slow motion'-Spiel ist, kann ich verstehen, aber warum spielt er dann kein Rasen-Hockey? Zwei Tore, hin und her, zweimal 15 Minuten und nur total cooles Party-Volk mit Super-Stimmung!

Wie ist es beim Schach? Sollte Schach auch 'schneller, dynamischer und spannender' werden? Vielleicht indem man die Schach-Figuren bunt anmalt und der Zug nach 15 Sekunden fällig ist? Warum das Schachspiel dann nicht gleich auf ein Dame-Spiel reduzieren? Dann ginge es noch schneller und man bräuchte nur runde Steine und auf die weißen Felder könnte man Werbung kleben. Aber dann wäre es kein Schachspiel mehr, oder?

Auch Schach braucht zu viel Zeit und passt deshalb nicht in unsere 'multioptionale Freizeitgesellschaft', Außerdem erfordert Schach Ruhe und Konzentration. Handy, Fernseher, Computer – alles ist abgestellt – es sei denn, man spielt online. Aber auch da ist man allein mit sich und seinen Gedanken. Ein Spiel nur für Privilegierte? Genau! Jeder der bereit ist, alles abzuschalten, hat das Privileg, die Stille zu genießen.

Deshalb vergleiche ich Golf so gerne mit Schach! Wer Golf motorisch einigermaßen hinbekommt, wird  schnell erfahren, dass dieses Spiel Strategie und maximale Geisteskraft erfordert. Und ein Höchstmaß an Ruhe und Konzentration, weshalb ich wirklich nicht weiß, warum ich auf dem Golfplatz Partystimmung und den ganzen Krach ertragen sollte, den hektische, verstrahlte Menschen fordern, weil es ihnen unmöglich geworden ist, mal einen Moment mit sich zu sein.
Meist sind es kommerzielle Interessen, die fordern, dass Golf 'zeitgemäßer' werden muss. Na, dann macht mal: Sollen sich die Amis in Phönix bei der ‚Greatest Show on Grassmeinetwegen die Seele aus dem Leib grölen – ich brauche das nicht.

Der Golfplatz ist für mich eine der letzten Bastionen der Ruhe in einer Welt des seichten Trubels und die Nebelkerzen meiner Gedanken, die Zweifel meines Selbst und die Versagensängste, die mich überkommen, wenn ich über einem 1,30 Meter Putt brüte, bieten mir genug Sport, Spiel und Spannung‘.

Wenn ich keine Zeit habe, muss ich kein Golf spielen. Und wenn ich nur 9 oder 12 Löcher spielen will, dann kann ich das doch jederzeit tun. Und wer kein Golf spielen will, der sollte es um Gottes Willen bleiben lassen, zumal es (auch für hochnäsige, statusbewusste, protzige und arrogante Besserverdiener) genug andere Möglichkeiten gibt, um die Sinnlosigkeit des Seins in seiner ganzen Fülle zu erfahren.

 

Eugen Pletsch

*GolfTime 1/2016 S.92

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