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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Es ist schon eine Weile her, dass mir Leser UG mit lieben Grüßen schrieb: „Hallo Herr Pletsch, können Sie dem Achilles nicht mal Paroli bieten? Nordic - Walking - Pilger sind auch nicht immer eine Augenweide.“

Na gut, dann schauen wir mal, was wir da haben? Aha! Reiche-Leute-Schelte – betrifft mich (leider) nicht. Hm? Warum soll ich dem SPON-Autor Achilles Paroli bieten? Wo er Recht hat, hat er Recht! Sehr eloquent beschreibt der Autor unsere „endharaldglööcklerartige“ Gesellschaft am Beispiel von Golfern, die er als Honks bezeichnet. Sein Problem ist, dass Partnerin Mona ein Hotel gebucht hat, in dem sich genau jene Leute treffen, die auf ihren Heimatplätzen gerne vermisst werden? Und nun? Jetzt kann er ein paar Groschen verdienen, indem er auf denen herum hackt, die er als „Golfer“ erlebt. Mache ich auch, seit Jahren, nur mit dem Unterschied, dass er von der Idee des Golfspiels keine Ahnung hat.
Diese Nichtkompetenz teilt er mit jenen, die er aufs Korn nimmt. Ansonsten teile ich seine Kritik am Flächenbedarf, an Umweltproblemen und „zwei Tonnen schweren Geländekarren mit je 400 PS, die so gestrig sind wie ihre Besitzer: zu laut, zu dick und saufen zu viel.“

Deshalb meide ich zum Beispiel Wintersportgebiete, wo sich Steuervermeider aus Fleischgroßhandel, Strukturvertrieb, FDP-Wähler und sogar RUSSEN! zur „niedrigschwelligen Brückenbeschäftigung zwischen zwei promillehaltigen Orgien“ zusammenrotten, „die dröhnend als genussreiche Lebensfreude deklariert werden“.

Ich glaube übrigens nicht, dass die Golfclubs zu 90 % Honks als Mitglieder haben, aber 10 %, die angesoffen mit Stinkezigarre grölend über die Plätze brettern und den Larry raushängen lassen reichen voll aus, um genau diesen Eindruck zu erwecken. Wenn dann die aufbrezelte Bussi-Gesellschaft ihr Schaulaufen auch noch in angeblichen Golffachmagazinen ausbreiten darf und die alkoholisierten Exzesse marodierender Dumpfbacken als „cool und jung“ und Belebung dieses „Altherrensports“ gefeiert werden, ist das nichts anderes als ein Spiegelbild unserer heutigen Gesellschaft.
Dass komplett wahnsinnige Handicap-Jäger zum Leitbild für Heranwachsende werden, finde ich jedoch problematischer.

Das Golfspiel als Übung der geistigen und charakterlichen Entwicklung hat mit diesen „Achilles-Szenarien“ so viel zu tun, wie die traditionelle Heilkunde mit moderner „Apparatemedizin“.

Andererseits: Ordinäre Geissen-Mentaliäten gibt es, seit das Golfspiel in Schottland von den „Eliten“ okkupiert wurde. Im „Weg der weißen Kugel“ habe ich die Entwicklung zum „Breitensport“ ausführlich beschrieben: Weil zu viele Clubs zu teuer gebaut wurden, muss jetzt Frischfleisch am Fließband geliefert, damit die Kasse stimmt. Man glaube doch nicht, dass irgendwer von denen, die früher den deutschen Golfsport dominierten (und teilweise heute noch mitknarzen) ihre schönen Clubhäuser geöffnet hätten, wenn es nicht um Kohle ginge.
Der „Weg der weißen Kugel“ hätte auch „Mein Spießrutenlauf“ heißen können, wenn ich an die Zeit denke, in der ich (ca. 87-97) als clubfreier Paria in Deutschland von den Sekretariats-Xantippen gedemütigt und abgewiesen wurde. Nein – es hat keinen Spaß gemacht, um Zugang zur „Driving Range(!) betteln zu müssen. Dass sich seitdem viel verändert hat, hängt allein mit dem Überangebot und dem damit verbundenen Zwang zur Serviceorientierung zusammen.
Aber zurück zu unserer Achilles-Ferse: Wenn Mona ein Golfhotel bucht, in dem die Ultra-Honks aus allen möglichen Clubs auf die Rolle gehen – was bitte hat das mit Golf zu tun? Ist der Schwimmsport verwerflich, nur weil besoffene Party-Kids öfter mal in den Pool kotzen? 

Die echten „Eliten“ der „Private Investment-Kaste“ haben sich, wie Achilles schreibt, längst „auf die Hochseeyacht“ verzogen und so muss er mit der Kaste der neuen Kriegsgewinnler vorlieb nehmen, die er mit Golfern verwechselt.
Arschlöcher gibt es überall, könnte man sagen. Herr Achilles darf uns deshalb gerne erzählen, was er erlebt hat. Selbst die Häme mit der er sein Gift verspritzt sei ihm verziehen, denn diese Form von menschenverachtender Bosheit gegenüber geistig Schwachen wurde von einer Golferin aus Bayern (und ihrem Partner) erfunden, die es vom Dschungel aus (fast) geschafft hätten, ihre beschämende Niedertracht als GRIMME-Preis-fähiges Kulturgut zu verkaufen.

Golf ist ohnehin nur ein Synonym für alles, "wogegen wir immer gekämpft haben". Was Achilles meint, hat mit dem eigentlichen Spiel (und manchmal Sport) überhaupt nichts zu tun. Er spielt nur mit dem Tabuwort "Golf", was auch Jürgen Trittin gerne machte, wenn er in maßkonfektionierter, bornierter Arroganz antrat, um seine Lügen zu erzählen. Damit kann man punkten. Oder, wie ich, Probleme haben.
Als Golfer habe ich langsam das Gefühl, einer verhassten Minderheit anzugehören, ähnlich wie früher als Hippies. Auch damals belegten wir in den Parks zu viel Fläche, grinsten glücklich und trieben etwas, was niemand verstand.

Zum Abschluss mein Tipp zum besseren Verständnis, Herr Achilles: Der Film „Sein größtes Spiel“ zeigt die Konflikte von Harry Vardon und Ted Ray, die beide aus dem Proletariat stammen und die, wie der gesamte Stand der Berufsspieler ihrer Zeit, Lakaien einer herrschenden Klasse waren.
Frances Quimet, um den es in diesem Film geht, war ein Arbeiterkind, der es wie Bernhard Langer, trotzt aller gesellschaftlichen Widrigkeiten, an die Weltspitze schaffte. Wer die „wahren Gentlemen-Golfer“ sind, wird in diesem Film besonders deutlich und ich hoffe, dass dieser Film vielen Kids in den Clubs gezeigt wird, von denen sich heute auch schon manche als kleine statusbewusste Geissens gerieren.

Und noch ein Tipp: Wer wissen möchte, worum es beim „Spirit of Golf“ geht, dem sei der Film „Bagger Vance“ empfohlen, der die einzigartige Schönheit und Herausforderung dieses Spiels ebenso zeigt, wie die schon damals verzweifelte Lage der Golfclubs, die in der Wirtschaftkrise zu überleben versuchen, indem sie den „reichen Pöbel“ anlockten (der in diesem Film jedoch noch ausgesprochen distinguiert auftritt).

Eugen Pletsch

(2013)

 

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