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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Bei meinen Übungen abends entlang der Driving Range entdeckte ich einst das, was ich die frei schwingende Zentrifugalebene nenne.

Darüber hatte vor vielen Jahren ein in Amerika lebender Engländer namens Ernest Jones geschrieben. Er hatte mit seinen Golfstunden einen unglaublichen Erfolg bei New Yorker Taxifahrern, indem er immer ein Taschenmesser an ein Taschentuch band und dieses herumschwang, um seine Theorie vom freien Schwung zu erklären.

Immerhin war er kein Spinner, sonst hätte ihm Henry Cotton nicht ein ganzes Kapitel in seiner Biographie gewidmet. Golfautor Herb Graffis erwähnt Jones zusammen mit Eddie Loos, weil diese Herren als die effizientesten Golflehrer ihrer Zeit galten. Ihre Lehrmethoden wurden vom damaligen US-Golflehrer-Verband geprüft und abgelehnt, angeblich mit der Begründung, dass Golfschüler den Schwung nach dieser Methode dermaßen schnell lernen würden, dass Golflehrer um ihr Einkommen bangen müssten. Ihre Schüler waren keine Hampelmänner, die mit dem Schläger nach dem Ball warfen.

Jones betont sehr wohl die Wichtigkeit eines guten Griffes und die Bedeutung von Stand, Ausrichtung und Durchschwung, wobei er jedoch die Ansicht vertritt, dass die Hände den Kontakt zum Schläger haben. Deshalb leiten sie als Einheit den Schwung ein, zurück und durch. Dabei ist die Intensität des Griffes entscheidend. Wenn Sie den Schläger zu fest greifen, werden Sie die Schlagfläche nicht mehr spüren. Wenn Sie zu locker halten, verlieren Sie die Kontrolle. Sein Beispiel ist der Bleistift, mit dem Sie verkrampft ein Loch ins Papier drücken würden und zu locker nicht mehr schreiben könnten. Halten Sie Ihren Schläger am Kopfende fest und schreiben Sie mit dem Schaft Ihren Namen in die Luft. Das hilft Ihnen, Ihr Gefühl für den Schläger und die Intensität Ihres Griffes zu entwickeln.

Wenn Sie mit zusammengestellten Füßen entspannt gerade stehen (das ist zur Entwicklung Ihrer Balance wichtig, denken Sie an die Gefühlsübung) und den Schläger an sich vorbeischwingen, und zwar wie an einem langen Pendel, mit möglichst geraden Armen, dann spüren Sie, wie im Rückschwung Ihre Hände automatisch nach oben knicken. Im Durchschwung wird die rechte Hand, wenn der Schläger gerade an Ihnen vorbeisaust, die linke Hand überholen. Schön wäre, wenn Sie so weit pendeln, dass der Schlägerkopf im Rückschwung und in der Durchschwung-Endposition jeweils zum Himmel zeigt (halber Schwung). Wenn Ihre Armmuskeln dabei locker sind und Sie dann langsam die Füße etwas auseinander nehmen, werden Sie entdecken, dass das Pendel besser um Sie herumfliegt, wenn Ihr Rumpf mit dem Schwung nach rechts und links mit dreht, ohne dass Sie hin- und her wanken, wie ein Bär. Ihr Körper dreht sich etwas in der Hüfte, damit der Schläger leichter vor Ihnen vorbeisausen kann. Das ist vorerst alles. In der Endposition würden Sie dann mit der Gürtelschnalle zum Ziel stehen. Ein zufällig im Schwung getroffener Ball dürfte ziemlich weit geflogen sein.

Wenn Sie die gleiche Übung ohne Ball wiederholen, langsam schwingen und dabei vor sich auf den Boden blinzeln, an eine Stelle, in die Sie ein Tee gesteckt haben, dann sehen Sie in Millisekunden, wie der Schläger vor Ihnen vorbeisaust. Mal mehr von außen kommend, mal von innen, mal gerade. Diese verschiedenen Schwungbahnen sind die Ursache dafür, dass Sie den Ball unkontrolliert in verschiedene Richtungen schlagen.

Spüren Sie, wie die Schlagfläche gerade (square) durch den Ball saust. Übliche Frage: Wo liegt denn der Ball vor uns? Probieren Sie es aus! Drücken Sie mit dem Ball ein Tee in den Boden, dass es ein wenig raussteht. Setzen Sie den Schläger hinter dem Ball auf. Wenn Sie bequem stehen, wie an einen Barhocker gelehnt – nicht so, als ob Sie die Hosen voll hätten –, dann ergibt sich aus der Länge des Schlägerschaftes, wie weit Sie vom Ball wegstehen. Der Ball liegt erfahrungsgemäß Mitte links vor Ihnen. Jetzt treten Sie etwas zurück und schauen, wo Sie hinschlagen wollen. Schwingen Sie einmal durch die Luft, wobei der Schläger leicht über das Gras fegt. Bleiben Sie in der Endposition stehen und erleben Sie innerlich, wie der Ball zu Ihrem Ziel fliegt. Treten Sie zum Ball vor und schwingen durch den Ball zu Ihrem visualisierten Ziel hin. Bleiben Sie nach dem Schlag kurz in der Endposition, zu der Sie durchgeschwungen haben, auch wenn der Ball wie ein Kaninchen davonhoppelt.

»Versuche, wie ein Golfer auszusehen, wenn du einer werden willst«, sagte mein damaliger Golflehrer Andrew Bruce im Grand Ducal in Luxemburg zu mir, womit er den Durchschwung bis in die Endposition meinte! »Fake it, till you make it« Diese Empfehlung hat physikalische Ursachen, die Ihnen Ihr Pro gerne erklärt, während Sie ihm einen Scheck für Ihren neuen Schlägersatz ausfüllen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: voller Durchschwung, voller Erfolg!

 

© by Eugen Pletsch, 2005

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