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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

"Im Fokus stehen schlagbezogene Informationen, nichts weiter."
Auszug aus einer Korrespondez mit Dr. Wolfgang Kuner...

Dr. Kuner: "Im Fokus stehen schlagbezogene Informationen, nichts weiter. Kein Siegen-Wollen, kein Cut, kein Score, kein letzter Schlag, kein versiebter Putt, keine vereinnahmenden Emotionen, keine subtil vom Schlag ablenkenden mentalen Kobolde (Zweifel, Ängste)."

Eugen Pletsch:
Dem steht die Erfahrung des Ryder Cup 2012 diametral gegenüber, zumindest auf ersten Blick, denn: War es nicht gerade der eiserne Willen von Poulter, der die Mannschaft aufrüttelte und den Ryder Cup so grandios gedreht hat?
Bekannt ist, dass Nicklaus, Seve, Woods und viele andere große Golfer unmögliche Putts lochen konnten, weil sie es WOLLTEN und ihre ganze Konzentration in  den Ball brachten. Mich erinnert das an einen Widerspruch, der mir im ZEN (eigentlich generell im Buddhismus) begegnet ist: Einerseits wird unablässiges Streben gefordert, sowie die vollkommene  Konzentration auf das Ziel. Andererseits wird WUWEI, das „ohne Tun“ und Loslassen aller Dinge,  als wichtigste Voraussetzung angesehen, um Satori zu erlangen. Im Zen kann ich das für mich auflösen, im Golf weniger. Wie sehen Sie das?

Dr. Wolfgang Kuner:
Eine spannende Frage. Oft ist man versucht, ein Ergebnis auf den "eisernen Willen", die "Siegermentalität", ein "Kämpferherz", "Motivation", woher auch immer "abgerufene" oder "nichtabgerufene Leistung" oder Ähnliches zurückzuführen, weil dies emotional am Plakativsten und Einfachsten im Außen wahrgenommen, bzw. als scheinbare Erklärung dienen kann.

Vom Ablauf her betrachtet ergibt sich ein differenzierteres Bild. Ein "eiserner Wille" (wenn ich bei Ihrem Begriff bleiben darf), schlägt keine Bälle. Er schafft einen Rahmen, besser: eine Grundlage, innerhalb dessen (oder auf der) dann weitere Aktionen stattfinden - oder eben auch nicht, ist Triebfeder  für die Intensität und Qualität, die dem Schlag dann gewidmet wird. Ob zum Beispiel, ein Schlag bewusst und mit bestem Können – oder lediglich eingeschränkt – vorbereitet, ausgeführt und nachbereitet wird, wird durch solche Programmierungen reguliert. Das kann dann via Vorbild, ansteckend und motivierend wirken, im Sinne von "Dranbleiben, "Weitermachen".

Heißt letztlich auch, zumindest in meiner Definition, "professionell zu spielen", will heißen, jeden Schlag, unabhängig von allem Drumrum (Bedingungen, guter Score, schlechter Score) optimal gestalten zu wollen. 
Klassisches und plakatives Gegenbeispiel: der Golfer, der an Tee 1 schlecht abschlägt und sagt: "aus der Runde wird heute wieder nix". Kontraproduktiv wird dieser eiserne Wille ("Siegenwollen") dort, wo es nicht mehr Handlungsgrundlage bleibt, sondern, überdeckend und energievereinnahmend, sich in den Vordergrund schiebt: die "Der-Muss-Rein"-Schläge z.B. oder der Schlag, der mit einem Score als Ziel angegangen wird, statt mit Zielen der Schlagausführung. Hier verdrängt das angestrebte Ergebnis sozusagen den Schritt, der erst zum Ergebnis führt.

Was Sie zu Nicklaus, Seve und Tiger schreiben, illustriert dies nochmals anders: Natürlich WOLLTEN Sie Putts lochen, gute Schläge spielen (müsste man ohne dieses "Wollen" überhaupt an den Ball gehen? 
Die Frage klingt banal, aber wie viele Schläge werden mit Zögern, Zaudern, negativen Erwartungen, Unsicherheiten, inneren emotionalen Turbulenzen jeglicher Art gespielt, mit Zweifel behaftet - was ja alles sein darf, aber am Ball selbst  nichts mehr verloren hat, vorher abgearbeitet sein muss), waren / sind am Ball selbst dann aber gleichsam "abgetaucht" in den Schlag, fokussiert auf das Procedere. 
Insbesondere in den zahlreichen Videos von Tiger Woods beim kurzen Spiel und Putten ist dies deutlich (z.B. bei Großaufnahmen des Gesichtes) zu sehen.

Die Art und deren Qualität dieses "Wollens" reguliert die Art und Qualität des Handelns, also Schlagausführung, aber darf nicht zum Selbstzweck werden, was nicht eintritt, wenn sie, in der Tat, "losgelassen" wird. Verselbständigt es sich, wird selbst zum Ziel, endet das, vereinfacht polarisierend gesprochen, in verkrampftem Gewinnen-Wollen oder kopfloser Angst zu verlieren (siehe Länderspiel Deutschland - Schweden). Beide Male geht es dann nicht mehr um das, was einen Score erst ergibt, den Schlag (= "Weg") selbst. 

Ist das "Wollen" professionell, ist es weitgehend "neutral", in gewissem Sinne "selbstverständlich" und dort, wo es nicht von anderen Gedanken oder Ereignissen angekränkelt, über 18 Loch (oder 90 Minuten Fußballspiel) durchgehalten, bzw. mit wacher Selbstbeobachtung  ggfs. reguliert / wieder hergestellt wird, führt es zu dem, was Sie über Poulter schreiben.

Deshalb ist z.B. ein Spielziel idealerweise nie als "Gewinnen-Wollen"  formuliert, sondern auf das gerichtet, was es (individuell, hier und heute) konkret braucht, um dieses oder das jeweilige Ziel zu erreichen, also konkrete, umsetzbare Handlungs- / Spielanleitung statt Sprechblase.
Und um nochmals auf das Länderspiel zurückzukommen: Im TV haben wir aus wissenschaftlichem Munde vernommen, dass da "nichts hängen bleibe". 

Jeder Golfer, der an einem Loch einen Ball ins Wasser oder O.B.  geschlagen hat und das nächste Mal wieder an diesem Loch steht, erfährt schnell, wie rasch und intensiv sich (negative) emotionale Erlebnisse eingeprägt haben.

Aus diesem Grunde gehört spätestens ans Ende einer Runde eine gezielte Verarbeitung, ein "Loslassen" des "Nicht-Spielziel-Konformen". Ganz einfach deshalb, um bei der nächsten Runde uneingeschränkt und frei von (Selbst-)Zweifeln "Wollen", sprich komplett auf den Schlag fokussieren, zu können.
Und, um Ihren "Buddhismus-Faden" aufzunehmen: Je intensiver und häufiger es "nur noch" um den Schlag geht, umso näher kommt man "Golf", bei dem es letztlich ja darum gehen soll, einen Ball, according to the rules, von Punkt A zu einem definierten Punkt B zu spielen (nicht mal zu "schlagen").

Herzliche Grüße
 
Wolfgang Kuner
 
 
 

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