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Golf ist ein Zielspiel. Der Golfball wird mit einem Schläger zu einem Ziel geschlagen. Dabei fliegt der Ball nicht immer so, wie er sollte. Dennoch locken ätherische Glücksgefühle, da selbst dem Anfänger bisweilen Zauberschläge gelingen. Golfspieler darf sich jedoch erst der nennen, der die Wiederholbarkeit eines Schlages in die gewünschte Richtung mehrfach unter Beweis gestellt hat.

Anfangs versuchen die Adepten des Golfweges den komplexen motorischen Ablauf des Golfschwungs zu verinnerlichen. In dieser Zeit fliegt der Ball selten und in der Regel nicht zur gewünschten Stelle hin. Aber bereits ein Zufallstreffer genügt, und die Seele jubelt in stolzer Herrlichkeit. Leider ist der Ritt auf dem schäumenden Wellenkamm des Glücks meist nur von kurzer Dauer. Bereits der nächste Schlag katapultiert den Spieler unerbittlich in einen Abgrund der Verzweiflung. Deshalb meinen nicht nur Philosophen, Golf erziehe zur Demut.
 
Mit der Zeit synchronisieren sich die jeweiligen Schwungfehler zu einer Art Golfschwung. Gelingt es schließlich, den Ball häufiger zu treffen, melden sich prompt die wirren Stimmen des Geistes, und das Spiel wird zu einer Frage der Nervenkraft. Spätestens dann reift die Erkenntnis, dass Golf „zwischen den Ohren“ gespielt wird.
 
Wer auch diese Hürden nimmt, begreift schließlich, dass Golf ein Strategiespiel ist. Es gilt, den Finten der Golfplatzarchitekten mit Mut, Glück und Geschick auszuweichen, um die 18 Bahnen auf dem großen, grünen Freilandschachbrett mit möglichst wenigen Zügen zu meistern. Vielfältige Unwägbarkeiten der Natur sorgen für zusätzliche Spannung. Die Chance des Scheiterns ist entsprechend groß, sich zu ärgern noch größer. Wer dennoch bereit ist, „den Ball zu spielen, wie er liegt“, bekommt eine Ahnung dessen, was die alten Schotten den „Spirit of the Game“ nannten.
 
Golf erfordert Konzentration, jedoch keine verkrampften Egomanen. Eine von Respekt geprägte Wahrnehmung der Mitspieler, der Etikette sowie das Schnuppern der „Blumen am Wegesrand“ sind essenzielle Bestandteile des Spiels. Wem die Golfgötter einen perfekten Treffer gewähren, der erfährt höchste Wonnen. Doch nur selten ist uns mehr als ein solcher Schlag pro Runde vergönnt. Auch tausendfach geübte Schläge werden immer wieder misslingen. Dann ist das Ergebnis zu akzeptieren. Mit dem Scheitern zu wachsen, daran geht kein Weg vorbei, wenn er weiter gehen soll.  
 
Golf braucht klare Gedanken und Entscheidungen. Die innere Unruhe des Spielers besänftigt sich im Ritual des „Ballansprechens“, das für Fortgeschrittene zum stillen Präzisionshandwerk wird: Rechts der Wald, links das Wasser, vor uns die Bahn. Wie liegt der Ball? Von welcher Stelle lässt sich das Grün optimal anspielen? Mit welchem Schlag, mit welchem Eisen und wohin genau?
Der Spieler nimmt den Stand ein, greift den Schläger und richtet sich auf das Ziel aus. Alle äußeren Einflüsse sind jetzt ausgeschaltet, Wenn und Aber vergessen. Aus der Ruhe fließt der Schwung, fliegt der Ball. In einer flüssigen Bewegung „geschieht“ der Schlag und manchmal ist es der richtige.  

Golf „passiert“, wenn unser Wünschen und Wollen verebbt. Wer sich zurücknimmt und seinem Schwung vertraut, kann zulassen. Daraus erwächst echtes Selbstvertrauen und indem wir lernen unserem Selbst zu vertrauen, entstehen in uns die richtigen Fragen des wahren Lebens: Wer bin ich, warum stehe ich hier und was ist mein Ziel?
 
Wird ein Schlag ganz im JETZT gespielt, wird das Golfspiel ein Torweg zur Erfahrung des Seins. Sind wir da angekommen, erfahren wir sein wahres Wesen. Dann ist das Fairway unser Weg, das Grün unser Ziel und Golf kein Mythos mehr, sondern ein Zielspiel an der frischen Luft, welches der Bewegung dient und die Entspannung fördert.


Eugen Pletsch
 
 
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