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Deutschland hilft
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von Eugen Pletsch

Seit den 1980er-Jahren überbieten sich alle möglichen Schlauberger unterschiedlichster Interessenlagen immer wieder mit der Behauptung, dass Horden sogenannter »Briefkastengolfer« deutsche Golfplätze zerpflügen würden.

Als Briefkastengolfer, auch Billig- oder Graugolfer genannt, bezeichnet man in Deutschland ansässige SpielerInnen, die einem ausländischen Golfclub angehören oder eine preisgünstige Fernmitgliedschaft in einem dem DGV angeschlossenen Club besitzen.

Warum entscheiden sich Spieler für eine solche Mitgliedschaft?

Zum Beispiel, weil ein vom Golfwahn geschütteltes Opfer keinen Golfclub in seiner Nähe findet. Oder er/sie reist gerne und möchte gegen eine Gebühr (Greenfee) auf verschiedenen Plätzen spielen. Vielleicht ist unser Aspirant auch vom Virus zerfressen, doch leider nicht auf Rosen gebettet. Er kann es sich leisten, mehrfach im Jahr gegen Gebühr zu spielen, ist aber nicht willens und in der Lage, hohe Aufnahmegebühren, Spenden und Jahresbeiträge aufzubringen.

Es könnte auch sein, dass ein Spieler beruflich sehr viel unterwegs ist und keinen Sinn darin sieht, neben der erheblichen Summe Greenfee auch noch die reguläre Mitgliedschaft zu finanzieren. Und dann gibt es noch jene, die ordentliche Mitglieder in einem ausländischen Club sind, weil sie dort Arbeit, Wohnstatt oder Familie haben.

Irgendwann Ende der 1980er Jahre hatte eine größere Gruppe von Golfern vom offiziellen, versnobten Verbandsgetue die Nase voll und gründete einen eigenen Verband öffentlicher und privater Golfanlagen (DVG, Overath). Der DVG gab Handicap-Nachweise an seine Mitglieder aus, die natürlich vom Deutschen Golfverband nicht anerkannt wurden. Dabei galten die DVG-Spieler in den Clubs, die ihnen Zutritt gewährten, als äußerst korrekte und bemühte Spieler. Nachdem der DVG ca. 3000 clubfreie Golfer über seine Hürden geschleust hatte, von denen dann etliche einen Platz in regulären Clubs fanden, begann der DGV nachzudenken: Wenngleich die Clubfreien nur geringe Aufnahmegebühren oder Jahresbeiträge an ihren Verband entrichteten, brachten Vielspieler doch eine gehörige Menge Geld dorthin, wo sie willkommen waren. Nicht alle Clubs hatten Vorurteile gegenüber gut ausgebildeten Greenfee-Spielern. Die Clubfreien zahlten Greenfee, aßen, tranken, veranstalteten Turniere und kauften Schläger und andere Ausrüstung.

Aus Sorge, dass sich die Herde dieser verirrten Schäfchen unkontrolliert vermehren könnte, gründete der Deutsche Golfverband 1993 unter großem Getöse die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG).

Er berief einige DGV-Verbandswölfe in dessen Vorstand und legte fest, wie die Schäfchen zu scheren seien. Der DVG Overath wurde aufgelöst und die DVG-Spieler in den VcG eingemeindet, nachdem sich die Funktionäre geeinigt hatten, wie die Wolle aufgeteilt wird.

Die VcG versteht sich »als Heimat für Greenfee-Spieler und Gelegenheitsgolfer - also als Verein für diejenigen Golfspieler, die sich nicht an einen Club binden und stattdessen auf verschiedenen Anlagen gegen eine Spielgebühr, das Greenfee, spielen möchten.«

Viele Clubfreie nutzen die VcG für ihre ersten Schritte im Golfsport, um sich später regulären Clubs anzuschließen. Andere Spieler, die flexibel und mobil bleiben wollen, schließen sich einer der neuen Vereinigungen an, die sich mit verschiedenen Konzepten als Mitbewerber des VcG etabliert haben.

Golfclubs, die von den Clubfreien erhöhte Greenfees fordern, sollte man schlicht und einfach meiden. Diskussionen sind zwecklos. Die Clubs, die clubfreie Spieler für (oft doppeltes) Greenfee »dulden«, finden Sie in einem Golfführer oder im Internet. Auch die Angebote für Einsteiger, die besonders preiswerte Spielmöglichkeiten bieten, finden Sie im Internet oder in den Kleinanzeigenrubriken der Golfzeitschriften.

Andererseits sind die meisten Billiglösungen nur für Spieler sinnvoll, die wenig spielen oder sehr viel unterwegs sind und keine lokale Anbindung suchen. Fragen Sie auf alle Fälle in Ihren ansässigen Golfclubs an, ob Sie mit den Ausweisen überregionaler Organisationen spielen dürfen.

Zum Glück hat sich die Problematik mangelnder Spielmöglichkeit, wie sie noch vor wenigen Jahren bestand, in den meisten Gegenden Deutschlands in Wohlbefinden aufgelöst. Sportliche Clubs veranstalten Turniere, die auch für clubfreie Spieler offen sind. In manchen Regionen besteht bereits ein solches Überangebot, dass sich die Clubs sogar gegenseitig die Mitglieder abgraben und Greenfee-Spieler mit Sonderofferten locken.

 

Auszug aus: "Der Weg der weißen Kugel"

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