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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Aus unserer Serie "Lesestoff für golffreie Tage" lest Ihr heute etwas über Geräuschquellen auf dem Golfplatz.

Auf dem Golfplatz unterscheiden wir grundsätzlich zwei Geräuschquellen: Was der Golfer selbst von sich gibt und welche Geräusche seine Ausrüstung macht. Wir kennen die Brüllochsen, die Kreischhühner, die Quietschmäuse, Jodlerinnen, Bassbrummler und dauerplappernde Angeber, um nur einige zu nennen.
Bei der Ausrüstung unterscheiden wir die Klapperer, die Rattler, die Trolley-Quietscher, die Head-Banger und die Bag-Umfaller.
Der Klapperer trägt seine Schläger, wobei diese weithin über den Platz klappern, wie der Name schon sagt. Beim Rattler dagegen werden die Schläger meist im Bag gezogen, wobei zwei bis drei Eisen aneinanderschlagen (ding-ding-ding), was sensible Menschen als ausgesprochen störend empfinden.
Ähnlich ist es beim Headbanger, der meist aus Faulheit – oder weil er sie verschlampt hat – ohne Hauben auf den Hölzern über den Platz tingelt. Das helle Klingeln, wenn zwei Titanschlägerköpfe dauerhaft aneinanderschlagen (ting-ting-ting-ting), kann ebenso nervtötend sein wie das nörgelnde Quietschen eines Trolleys (njäg-njäg-njäg) oder die Fähigkeit eines Mitspielers, sein Bag stets in dem Moment umfallen zu lassen, wenn sich ein anderer Spieler unaufhaltsam im Rückschwung befindet (rumms).

Häufig lamentieren Spieler nach der Runde, dass sie von anderen Mitspielern mitten im Schwung gestört wurden oder sich beim Putten nicht konzentrieren können. Unliebsame Geräuschquellen stehen auf der Beschwerdeliste des Golftherapeutischen Pflegedienstes (GTP)  - intern auch Jammer-Hitparade genannt - direkt hinter dem langsamen Spiel und der Unzufriedenheit mit sich selbst.

Ohne Frage: Bedenkenträger, Dummschwätzer und Angeber sind auf der Runde eine Qual, gegen die sich ein Spieler leider kaum schützen kann, ohne rabiat zu werden. Dabei ist ein Scherz oder ein freundliches Gespräch, zum Beispiel während der Wartezeit am Abschlag, durchaus angebracht, um die Spannung aufzulockern. Doch das ununterbrochene Gebrabbel eines allzu neugierigen oder mitteilungsbedürftigen Mitspielers, der meint, jeden Schlag kommentieren zu müssen und dabei jedem seine Meinung über Golf, Gott und die Welt in die Ohren bläst, ist so unpassend, wie unangenehm.[1] Spaßvögel, die selbst in den galligen Momenten des Spiels noch einen Scherz auf den Lippen haben, sind die harmlosere Variante jener Witzbolde, die bereits am 1. Abschlag Unruhe stiften und es nicht lassen können, jeden Anflug von Konzentration mit ihren Witzchen zu sprengen.

Auch bei den Brüllochsen und Kreischhühnern sucht man vergebens nach einem Knopf, um den Ton leiser zu stellen. O-Ton zweier Kreischhühner auf der Runde:
„Huhu! Juuuudith!“
„Jahaa, was denn?“
„Haste gesehn?“
„Nein, was denn?“
„Mein Schlaahach!“
„Schöööön!“
„Jaaaa, gell!“
„Und dein Ball?“
„Der iss jetzt weg. Ich hab ihn so erwischt wie, weißte noch, letzte Woche, wo der auch weg war?“
„Jahaa!“
„Juuuudith!“
„Jahaa!“
„Wo bist’n du?“
„Hier unten!“
„Wo?“
„Hier unten in der Schlucht!“
„Was machst’n da?“
„Ich such mein‘ Ball!“
„Meinste, meiner liegt da auch?“
„Weiß net.“
„Soll ich mal runterkommen?“
„Ja, komm doch, hier isses schön kühl.“

Dass sensible Spieler ohne Gehörschutz auf dem Nachbargrün bei solchen Dialogen in Orkanstärke den Putt verschieben, dürfte verständlich sein.

Leiser, aber umso enervierender, trampelt der „Träumer“ auf den Nerven seiner Mitspieler herum. Fast die ganze Runde stumm, wacht er urplötzlich auf, um dann aus unerfindlichen Gründen einen grässlichen, gellenden Schrei auszustoßen, der seinen Mitspielern Mark und Bein gefrieren lässt:
„AAAARRRGGGGGHHH!“
Allgemeiner Schrecken in der Runde. Bandscheibenvorfall? Infarkt? Komplett ausgetickt?
„Was ist los, Hannes?!“
„Mein Sandeisen ist weg!“

Der strahlende Blick eines total begeisterten Anfängers erinnert abgeklärte Spieler an jene frühen Tagen, als jeder Ball, der wiederzufinden war, gefeiert wurde und ein Par Anlass für eine Runde war.

Der Freude eines Spielers, der noch in der Phase glücklicher Unschuld weilt und das Spiel als wunderbares, großes Abenteuer erlebt, werden sich auch gestandene Golfer nicht verschließen können, die mittlerweile müde, desillusioniert und sarkastisch geworden sind. Bisweilen kann einem die Freude eines total begeisterten Anfängers aber auch auf die Nüsse gehen:
„Aoouuuhhh! Jappadappadouuuuu!
„Was ist denn in dich gefahren?“
„Haste gesehen?“
„Was?“
„Na, mein Ball!“
„Ja, natürlich, da liegt er doch, mitten auf dem Fairway!“
„E-ben! Ist das nicht FANTASTISCH? Da lag er noch nie!“


[1] Meine Tätigkeit als Scoreflüsterer (Vgl. Golfgaga), bei der ich meine Klienten mit Hilfe einer geradezu hypnotischen Beredsamkeit in eine Art Trance versetze, um selbstzerstörerische Programme auszuhebeln, hat natürlich nichts mit dem Gequassel zu tun, mit dem mir andere Leute den letzten Nerv rauben.

Auszug aus: "Achtung Golfer! - Schlägertypen in Wald und Flur"

 

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