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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Aus unserer Serie "Lesestoff für Sommertage" lest Ihr heute einen Auszug aus einem Gespräch mit dem Zahlengenie und Verschwörungstheoretiker Dagobert Seicht mit Hintergründen zu meinem Buch "Achtung Golfer!", das Ihr bei mir für EUR 20.- inkl. Versand, Widmung und kleiner Skizze bestellen könnt...

"(...) Gewöhnlich saß Seicht auf der Clubterrasse, träumte vor sich hin und gedachte der guten alten Zeiten. Wenn sich ein unbedarfter Golf-Rabbit näherte, versuchte Seicht, dem jungen Eleven die gesammelten Weisheiten aus Tausendundeinem Spiel zu erzählen, was jedoch nicht immer auf Interesse stieß.

„Übrigens, hatte ich dir schon erzählt …“

„Ja, Herr Seicht, mehrfach. Danke.“

Ansonsten genoss Seicht die Einsamkeit, die er für den natürlichen Aggregatzustand jener Menschen hielt, die Außerordentliches geleistet haben. Von der hohen Warte seiner Weltsicht wanderte sein Blick zu den Hummeln, die in den Fliederdolden herumkletterten. Er wartete auf Etbin, der ihm seine Zitronenlimonade bringen würde.
Die Aushilfe Tatjana, eine hübsche Russlanddeutsche mit klugen Augen unter dem frechen Haarschnitt ignorierte er, da sie sich standhaft weigerte, beim Bedienen einen Knicks zu machen, um ihn dann mit Herr Seniorenclubmeister anzusprechen.

Seicht ist ein Mann der Zahlen. Sein unglaubliches Gedächtnis ermöglicht ihm, die Handicaps aller aktiven Spieler im Club aus dem Kopf abzurufen und obwohl der Club die Turnierergebnisse mittlerweile per Computer ermittelt, ist Seicht stets auf dem Laufenden. Seine Auswertungen im Kopf gelten als schnell und sicher, seine Vorhersagen haben eine Trefferquote von 100 Prozent. Seichts Hang zur Mathematik beinhaltete aber auch ein, gelinde gesagt, überspanntes Interesse an der Zahlenmystik und dem Geheimwissen verschworener Bruderschaften, das nicht mehr so ganz geheim ist, seit man alle Geheimnisse der Welt im Internet nachlesen kann. Seichts Leidenschaft für Verschwörungstheorien wird nur von seinem Interesse an Weltuntergangsszenarien übertroffen.

An meinem Spind in der Umkleidekabine (der, wie das Trikot von Gomez in der Nationalmannschaft, zufällig die Nr. 23 trug) klebte ein gelber Zettel: Heute 15 Uhr. Clubterrasse. DS. Das „DS“ stand offensichtlich für Dagobert Seicht. Darunter sah ich eine stilisierte Pyramide, über der ein winziges Auge schwebte. Seicht, dessen Fähigkeit zur obskuren Weltbetrachtung ich bereits an anderer Stelle[1] geschildert habe, ist eine jener Gestalten, die einem Golfclub das Flair von Einzigartigkeit verleihen, das entsteht, wenn sich eine kritische Masse an Spielern von der Weisheit zum Wahnsinn bewegt hat. Es war kurz vor drei. (...)

Als Seicht mich erblickte, nickte er mir leutselig zu. Mit einem schwachen Wedeln der clubmeisterlichen Rechten wies er auf den Stuhl, der ihm den Blick auf den Flieder und die 18. Bahn frei lassen würde.

„Lange nicht gesehen.“

„Ja, schön mal wieder hier zu sein. Darf ich Ihnen, lieber Dagobert, bei der Gelegenheit zum Gewinn der Seniorenclubmeisterschaft gratulieren?“

„Oh, hat man davon gehört? Das war doch nichts Besonderes.“ Seicht versuchte, bescheiden abzuwinken, aber sein Gesicht war rotfleckig vor Stolz.
„Obwohl, wenn man es genau betrachtet, war es der größte Moment in meiner Karriere als Golfer. An 4287 Trainingstagen habe ich mich auf diesen Moment vorbereitet. In 720 Wochen habe ich 2861 Runden gespielt und mein Handicap dabei auf 16,2 reduziert.“

„Donnerwetter!“

„In dieser Zeit habe ich übrigens 861 Bälle verloren und 917 gefunden, weshalb ich auch hier eine positive Bilanz vorzuweisen habe. Alles in allem darf ich sagen, dass der Golfsport gut zu mir war und ich die verbleibende Zeit genießen werde.“

„Die verbleibende Zeit?“

„Na ja“, verschwörerisch verdrehte er die Augen. „Aber nun mal zu Ihnen. Sie sind hier, um diese GTP-Leute zu unterstützen?“ Seine Hasenschnute zuckte nervös. Janzen, Schunk und diese ganze Truppe waren ihm suspekt.
„Ja, aber auch, um an meinem neuen Buch zu arbeiten.“

„Davon habe ich gehört. Wie interessant! Wann soll es erscheinen?“

„Im nächsten Jahr.“

„Ob das noch hinkommt?“

„Wie meinen?“

„Allen alten Überlieferungen und Weissagungen zur Folge wird dieser Planet am 21.12.2012 mindestens einen Polsprung, wenn nicht Ärgeres erleben. Die Welt wird nie mehr sein, wie sie war – wenn es sie überhaupt noch gibt.“

"Aber der Termin ist doch längst vorbei!"

"Ist er? Oh!"

„Ja, und außerdem ist der Verlag, der meine Werke veröffentlicht, ist ein Traditionshaus, das schon manchen Polsprung überlebt hat. Wären ernstzunehmende Veränderungen von kosmischer Dimension zu erwarten, dann hätte die Abteilung Astronomie für das Herbstprogramm entsprechende Titel angekündigt. Das war nicht der Fall und der Planet dreht sich auch weiterhin."

„Die Frage ist nur, in welche Richtung. Aber gut, wir werden sehen. Worum geht es in Ihrem Buch, oder ist das noch geheim?“

„Nein, Dagobert, das ist kein Geheimnis. Es handelt von den Schlägertypen, die sich für dieses hübsche Hobby entschieden haben, freundliche, sympathische Gestalten voller Lebensfreude.“

„Na, das hat uns noch gefehlt“, murmelte Seicht. Sein Blick streifte die wogenden Formen einer Spielerin auf dem 18. Grün, die ihrer Lebensfreude freien Lauf ließ, nachdem ihr vierter Putt endlich gefallen war. Der amtierende Seniorenclubmeister räusperte sich. „Das Golfspiel ist ein Strategiespiel, das nicht nur Ruhe, sondern auch eine gewisse Intelligenz erfordert. Diese Voraussetzungen machen Golf zu einem leisen Sport, bei dem sich sowohl Spieler als auch Zuschauer ähnlich verhalten müssen wie bei einem Schachturnier oder einem Pianokonzert.“

Kaum gesagt, erklang ein gellender Schrei. Frau Langer hatte wieder einmal versucht, das 18. Grün vom Abschlag aus anzugreifen. Ihr Ball raste direkt auf die Clubterrasse zu, woraufhin sich einige Gäste unter die Tische warfen.
„Schlägertypen“, sinnierte Seicht. Nun ja, mit diesem Thema habe ich mich auch mal befasst.“

„Tatsächlich?“, fragte ich erstaunt.

Seicht genoss mein Interesse. „Ausgehend von 70 000 bis 100 000 menschlichen Erbfaktoren ergaben meine Berechnungen, dass es 1472 verschiedene Schlägertypen geben müsste, sozusagen als Basismodelle. Ich denke, dass Ihre Überlegungen zu einem ähnlichen Ergebnis geführt haben?“

„Äh, wie kommen Sie auf diese Zahl?“

„Ganz einfach. Die 64 Zeichen des I Ging werden mit 23 multipliziert. Wenn wir Golfer jedoch unter allen genetischen, astrologischen, gesellschaftlichen und charakterlichen Gesichtspunkten betrachten, kommen wir zu einer fast unendlichen Vielzahl.“

Ich atmete auf. „Das deckt sich mit meinen Beobachtungen.“

Er nickte wohlwollend. Etbin näherte sich mit einem Glas Zitronenlimonade, während Frau Langers zweiter Abschlag mit dem Eisen 3 glucksend im Teich verschwand.

„Und was schließen wir daraus?“, flüsterte Seicht.

Ich zuckte mit den Schultern. „Dass sich Golfer in kein sinnvolles System einordnen lassen?“

„Richtig. Aber dennoch ist es für Golfer interessant, etwas über sich als Typ zu erfahren.“

„Nach dem Sternzeichen?“

„Das mag auch seine Bedeutung haben, aber haben Sie mal über den Golfer als Archetyp im Sinne von C. G. Jung nachgedacht und inwieweit der Schwung eines Spielers bereits programmiert ist?“

„Sie meinen, wie im Film Bagger Vance, als der sagt, dass in jedem von uns ein Schwung steckt, mit dem wir geboren wurden?“

„Warum nicht?“ Seicht schob sich ein paar lange graue Strähnen hinter das seniorenclubmeisterliche Ohr, stülpte die Unterlippe vor und schien einen Moment nachzudenken.

„Aber was nützt uns das?“

„Ein Golfer könnte die Quelle seiner Kraft erfahren, wenn er seine Schatten annimmt, indem er zum Beispiel durch Traumarbeit in Verbindung mit seinen Ahnen tritt.“

„Mit seinen Ahnen? Sehr interessant, Dagobert. Wurde dieser Gedanke jemals von einem Golflehrer aufgegriffen?“

„Natürlich nicht. Die meisten Golflehrer sind auf das Rad ihrer Schwungsuche geflochten. Nein, eine Diskussion fand nicht statt. Warum auch? Ärzte leben nicht davon, dass wir gesund werden und Golflehrer leben nicht davon, dass wir das Spiel lernen.“

„Ja, die fachliche Diskussion ist hierzulande ein Problem. Ich hatte ein holistisches Golfmandala[2] vorgestellt und meine These war, dass jedwede Anleitung zum Golfspiel auf einem karmischen Quantenzufall beruht. Deshalb würde es auch ausreichen, wenn man Wurfpfeile auf eine Scheibe wirft, die mit Schwunggedanken vollgeschrieben ist, um dadurch das Passende zu finden. Ich dachte, das würde ein Revolution in der Golfdidaktik auslösen, aber – Pustekuchen.“

„Ich habe Ihre Mandala-Theorie gründlich studiert. Ein sehr interessanter Ansatz, aber der Punkt ist doch der: Selbst wenn Golflehrer mit ihren Anweisungen im Trüben fischen, umgibt sie ein Mythos der Unfehlbarkeit, der durch Ihre Mandala-Methode verloren ginge. Für Golflehrer wäre das doch ein Schuss ins Knie. Andererseits, suchen Golfer wirklich Lösungen? Wenn ich einen Mitspieler nach mehreren Schlägen ins Wasser eindeutig als ‚Frosch-Archetyp’ bestimmen könnte, der bei entsprechendem Hüpftraining sogar einen Polsprung überleben würde, würde das auch auf kein Interesse stoßen – aber, ach, was soll’s.“
Der amtierende Seniorenclubmeister winkte ab und versuchte dabei zu lächeln, was bei seinen tulpenförmig vorgewölbten Hasenzähnen sonderbar aussah. In der würdevollsten Haltung, die ihm sein Lehnstuhl aus nachhaltig erwirtschaftetem Tropenholz einzunehmen gestattete, beschied er: „Es ist, wie es ist. Eine Golfsaison haben wir noch vor uns und ich werde versuchen, meinen Titel zu verteidigen. Dem gilt meine Konzentration!“

„Ich werde Ihre Archetypen im Auge behalten“, versprach ich ihm.Achtung Golfer! Schlägertypen in Wald und Flur

 


[1] Vgl. Golfgaga – Der Fluch der weißen Kugel 

[2] Vgl. Endlich Einstellig!

Auszug aus: "Achtung Golfer! - Schlägertypen in Wald und Flur"

 

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