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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Was habe ich mich früher über langsames Spiel aufregen können. Aber darüber habe ich lange nichts mehr geschrieben, weil ich die Lösung gefunden habe. Ein Kapitel aus meinem Buch "Achtung Golfer! - Schlägertypen in Wald und Flur"....

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Wir standen uns mal wieder die Beine in den Bauch und traten nervös von einem Bein aufs andere.
„Warum dauert das heutzutage nur so lange?“, fragte mein Mitspieler Herr Müller-Gröbisch.
Er ist einer der älteren Spieler im Club, die noch auf eine solide spielerische Ausbildung zurückblicken können, was man nicht von allen älteren Spielern behaupten kann.

Vor uns spielte ein Mitglied, das sich selbst zur sportlichen Elite des Clubs zählt, während ihn andere eher als „desorientierten Hacker“ bezeichnen würden. Vollkommen im etikettefreien Raum schwebend lebt dieses rüstige Raubein in einer eigenen Welt, gräbt mit dem Sandeisen im Biotop nach Öl und gibt dabei merkwürdige Geräusche von sich. Auf gewisse soziale Verhaltensnormen angesprochen, reagieren solche Fairway-Autisten meist aggressiv und drohen mit dem Anwalt, was man insofern ernst nehmen sollte, als alte Querulanten oft vermögend und – einmal in Wut geraten – zu allem fähig sind.
Jeder kennt diese Herren, denn sie kommen in jedem Golfclub vor und können durchaus auch eine Dame sein.
Was tun?, fragen sich Manager und Vorstände, denn andererseits sind solvente Grantler in rührseligen Momenten auch bereit, tief in die Tasche zu greifen, um den Club mit ihrem Bimbes über Wasser zu halten.
Ja, was tun? Gibt es eine gewaltfreie Lösung?
„Heute schaffen wir es in drei Stunden gerade mal bis zum Halfway-House. In der Zeit spielten wir früher 18 Loch“, maulte Herr Müller-Gröbisch.

Ich zuckte mit den Schultern. Ohne Frage: Auf den gut frequentierten Plätzen der Metropolen geht nichts mehr voran. Verstopfung allerorten und jeder gibt dem anderen die Schuld: hier die zwei netten Damen, die im Schatten eines Baumes ins Gespräch vertieft den Grund ihres Hierseins vollkommen vergessen haben, dort die Zick-Zack-Strategien jener Herrschaften, die auch als Voltaren-Liga bekannt sind und davor und dahinter all die Witze-Erzähler, Träumer, Dilettanten, Schwung-Analytiker, G‘schäftle-Macher und quasselnden Ehepaar-Vierer, die sich im Schneckentempo über den Platz quälen.
Boshafte Jugendliche bezeichnen diese Form der „Bewegungslosigkeit mit abrupten Zuckungen und Sprüngen“ allgemein als Krötenwanderung. Aber selbst die Jungspunde sorgen für Stau, weil sie aus Sicherheitsgründen erst dann abschlagen, wenn der vorherige Flight bei einem Par 5 das Grün fast erreicht hat. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass der Stau zum Gau wird.

Ich dachte an das Gespräch mit Janzen und plötzlich hatte ich eine Idee: „Wissen Sie was?“
„Nein. Was?“, murrte Herr Müller-Gröbisch.
„Das Zeitempfinden ist eine sehr subjektive Sache.“
„Hä? Wieso? Ich habe eine Uhr.“
„Schon klar, aber Sie wissen doch, dass sich eine Minute vor der Klotür vollkommen anders anfühlt als hinter der Klotür.“
„Ach, das meinen Sie – und?“
„Und je älter man wird, umso schneller vergeht die Zeit.“
„Stimmt. Das empfinde ich auch so.“
„Dann wäre doch alles, was Zeit subjektiv dehnt, eigentlich etwas Positives, oder?“
„Sie meinen, je langsamer dieser Unkerich da vorne durch den Schlamm robbt, umso mehr haben wir noch vom Leben?“
„Sofern wir uns nicht über ihn ärgern, sondern uns ganz auf den Genuss unserer subjektiv verlängerten Lebensspanne konzentrieren.“
„Und wie geht das?“
„Aufs Bänkchen setzen, atmen, lächeln.“
Wir setzten uns aufs Bänkchen und nach einem Moment lächelte Herr Müller-Gröbisch.
„Kein schlechter Trick!“
„Tja“, nickte ich, „und schauen Sie mal: es geht weiter. Wir können abschlagen!“

Logbucheintrag: Hatte heute viel Gelegenheit, meinen neuen Trick zu üben.
Ich spielte mit Jens-Erich Manitzke, der sein "Handbuch des Golfsports" bisher nur zum Kapitel "Der Rückschwung" studiert hat. Er gerät deshalb beim Schlag ins Stocken und verharrt längere Zeit wie eine Statue in der Endposition. Irgendwann, wenn ihn die Kraft in den Armen verlässt, schlägt er dann zu, indem er die Arme einfach fallen lässt. War es das, was Bobby Jones meinte, als er einst sagte, ein Amateur könne nie langsam genug schwingen? Die gute Nachricht: Dank Damen-Flex gelang es mir erstmals in meinem Leben, einen Ball mit einem Eisen 4 durch die Luft zu befördern.

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Aus: "Achtung Golfer! - Schlägertypen in Wald und Flur"

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