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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Lieber Eugen,

(...)...ich hoffe es geht Ihnen gut und das Schreiben geht flüssig von der Hand! In weiser Voraussicht, habe ich unserem Präsidenten "Golfgaga" zum Geburtstag geschenkt. Ich warte auf die ersten Reaktionen. Dann werde ich meinen hinterhältigen Plan einer Lesung mit Ihnen gezielt in die Tat umsetzen.

Derweil amüsiere ich mich köstlich über Ihr Tagebuch und die Fitting-Geschichten. Gott sei Dank hab ich diese Phase (so nenne ich das jetzt mal) abgeschlossen und gehe weder den bekannten Massenherstellern noch den FittingGurus aufs Epoxidharz. Ich habe festgestellt, dass ich täglich (je nach Rückenschmerzen oder Laune) anders am Ball stehe. Mal aufrechter mal geknickter - eine Lie-Winkel Anpassung ist für mich etwa so effektiv wie Formel 1 Reifen auf einem Traktor...und ich behaupte selbst Scratch-Golfer merken keinen Unterschied und passen ihre Haltung dem Schläger an.
Entgegen aller Markengeilheit spiele ich Maltby Eisen mit selbst gebauten Hybrids, uralten Big Bertha Hölzern und einem klassischen 2-Ball Putter.

Entgegen aller Fitting-Weisheiten spiele ich einfach nur das, was ich gut und konstant treffe.

Ich denke immer an einen Musikerkollegen, der sich jedes Jahr die neueste und teuerste Stratocaster kaufte ... ach hätte er nur das Geld in Unterricht investiert ... es wäre vielleicht sogar ein brauchbarer Ton rausgekommen!
Ich für meinen Teil habe festgestellt, dass ein guter Rhythmus im Schwung mehr Wert ist als alle Fittings der Welt...bin ich hektisch, nervös, angespannt oder mit Gedanken ganz woanders als im jetzt und hier, ähnelt die Streuung der Schläge einer Pump Gun … bin ich ausgeglichen ausgeruht und entspannt, spielt sich Golf wie von selbst.

Und was nicht alles so erfunden wird ist schon sensationell ... von Grooveless Wedges, bis zum Aim Point Express zur besseren Breakerkennung. Wir alle wissen, dass beim Putten Tempo und Richtung die entscheidenden Faktoren sind. Was nutzt es also den Break richtig zu lesen, wenn mein Putt 2 Meter zu kurz bleibt oder 4 Meter zu lang ist. Es ist eben die Mischung aus Beidem was den Treffer ausmacht.....

Derweilen macht sich keiner Gedanken darüber wie man richtig trainiert.

Keiner kennt den Kreislauf von Analyse - Zielsetzung - Methodenauswahl - Training - Analyse ....es werden 1000 Bälle sinnlos auf die Ranch gebolzt in der Hoffnung der heilige Golfgeist käme über einen und wie durch ein Wunder flögen plötzlich alle Bälle kerzengerade oder in gewünschter Kurve 20cm an den Stock. Leistung = Talent x Übung. Das vergessen wir immer.

Da ich relativ lange und ausgiebig Sport auch im Leistungsbereich betrieben habe und mir nebenberuflich noch einige Semester Psychologie gegönnt habe, wage ich zu behaupten einiges mehr an Wissen im psychoregulativen Bereich des Sports im Allgemeinen zu haben als mancher Pro.
(Damit es nicht so nach Irrenanstalt klingt, nennt man das heute Mentaltraining). Hier könnte ich durchaus sachlich fundierte Informationen beitragen, denn ich habe festgestellt, dass uns viele Golflehrer mit entscheidenden Informationen meist alleine lassen. Man bekommt gewisse Anweisungen zum Schwung, Griff (sehr beliebt und immer wieder gern umgestellt), Stand, Ausrichtung usw. übt diese in der Stunde und erhält am Ende den Hinweis bis zur nächsten Stunde weiter zu trainieren. Aber wie? Das sagt uns keiner!

Immer wieder treffe ich Mannschaftskollegen die "trainieren". Sie schlagen Körbeweise Pitches und Chips an unterschiedliche Fahnen, putten aus allen Lagen und schlagen sich die Hände auf der Ranch wund. Dass dieses ständige Üben von Pitches auch eine Verbesserung beinhalten kann, ist unbestritten.

Aber anders ginge es schneller und besser!

Training wird nämlich erst dann effektiv wenn wir uns nach einer Analyse unseres Spiels auf einen verbesserungswürdigen Aspekt konzentrieren. Wenn nur 60% Chips aus 15 Metern gut sind, sollten wir uns das Ziel setzen 80 % der Chips aus 15 Metern mindestens 1,5m an die Fahne zu spielen). Nach einer konkreten Zielsetzung, kann ich mir beim Training die Entfernung und einen Zielkreis abmessen. Dann suche ich eine Methode aus (z.B. Chips mit flachen Eisen, mit dem SW usw.) und beginne mit dem Training. Nach einer gewissen Zeit kontrolliere ich meinen Fortschritt, indem ich konzentriert 10 Chips mache und zähle, wie viele in meinem Zielkreis gelandet sind. Sind es nur sechs, wie vor meinem Training, dann sollte ich die Methode ändern ( anstatt alles mit der SW zu Chippen, vielleicht doch mal mit dem 7er Eisen flach ) ... erreiche ich meine acht guten Chips, setzte ich mir entweder ein neues Ziel - wähle die Methode - Trainiere - Analysiere, oder ich wende mich dem nächsten "Problem" zu ....und durchlaufe den gleichen Prozess.

Das ist effektives Training!

Sagt uns das ein Pro? Nein! Ein guter Pro würde uns 3-4 Methoden zur Auswahl geben, um unser Ziel zu erreichen! Er hat aber kein Interesse an einer Anleitung zum Training. Er möchte, dass das Training als Stunde* verkaufen …

Einen golfreichen und entspannten Golfsommer wünscht

Andreas T.

 

Anmerkung von Eugen Pletsch:

Interessanter Beitrag, wobei ich der Ansicht bin, dass richtig gefittete Schläger die sind dann auch gut passen und optimal funktionieren – sofern es der Spieler zulässt (!).
Und: Dass Pros ihre Stunden verkaufen wollen, halte ich für absolut legitim, das ist ihr Job. Andererseits gebe ich Andreas recht: Zu wenig Pros erklären genau, wie man sich bis zur nächsten Stunde optimal vorbereiten kann, wie man das bereits gelernte verinnerlichen kann. Darüber, dass viele Pros nicht mehr das Golfspiel lehren, sondern nur noch den „Golfschwung“ habe ich mich bereits mehrfach ausführlich geäußert. Z.B. im „Weg der Weißen Kugel“. Übrigens soll der Weg nach „Endlich einstellig!“ im nächsten Jahr ebenfalls als Taschenbuch erscheinen. Für Hinweise auf Stellen im Buch, die absolut überholungsbedürftig sind, wäre ich dankbar.

Nachtrag von Andreas T.

Hallo Eugen,

noch mal zum Fitting: Ein gewisses Maß sollte da schon vorhanden sein. So sind meine Schäfte gepured (sprich in der optimalen Schwungrichtung eingebaut) ...auf mein Schwungtempo in der Härte angepasst. Meine Schläger haben die richtige Griffstärke und die passende Länge...außerdem sind die Lofts so gewählt das jeder Schläger den nächsten um 10 Meter an Länge übertrifft. Von SW über GW, PW bis zum Holz 3.

Meinen Driver hab ich mir aber z.B. von 45 Inch auf 44 Inch kürzen lassen. Der Schaft wiegt insgesamt 52 Gramm – sprich: ich verlor knapp 1,4 Gramm. Diesen Verlust durch Bleigewichte am Kopf auszugleichen, wie von vielen Fittern gefordert halte ich gelinde gesagt für Schwachsinn. Ob der Lie-Winkel um 0,5 Grad verändert ist, merkte ich selbst nicht und ich bin sehr nah am Single Handicap. 

Ob ein japanischer Kunstschmied meine Eisen in Samurai-Schmiedekunst gefertigt hat oder eine CNC Fräse sie mit einer Präzision von 0,0001 mm Toleranz anfertigt....das geht für mich mehr in Richtung Liebhaberei für schöne Dinge  (wie ein japanisches Küchenmesser für die Hobbyküche). 

Würden die Golfer sich nur ein wenig mit Schlägerbau beschäftigen so wie sie es mit ihrem Auto tun.....viele der großen Hersteller würden keinen Schläger mehr verkaufen! Dort stimmt dann meist überhaupt nichts mehr.....außer der Werbung.

So gibt es wohl zwei Extreme: Die schlechte Massenware und die übertriebenen Ansichten mancher Fitter. Die Wahrheit liegt dazwischen und lässt sich schlecht verkaufen.

Gruß

Andreas
 

Auer Power XXIO