20.04.2018 - 08:28 Uhr

Das Golfspiel ist seit über zehn Jahren seine Leidenschaft. Er selbst bezeichnet sich in seinem Blog als Golf-Enthusiast und schreibt nach eigenem Bekunden, was ihm „halt so durch den Kopf saust“. Diesen Enthusiasmus teilt er sehr gerne mit anderen Golfern, weshalb er in den Golfforen im deutschsprachigen Raum als Professor Groover bekannt  geworden ist. Nonchalant und mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit des Seins bewegt er sich in Foren ähnlich zielsicher wie auf dem Golfplatz. Auch in seinem eigenen Forum stellt er Fragen, zuweilen auch unbequeme Fragen, dabei sind seine Gedanken stets erfrischend und durchaus auch kritisch. Es war eine interessante Begegnung mit dem sympathischen und unterhaltsamen Österreicher.


Sabine Oelmann (SO): Andreas, warum spielst du Golf?

Andreas G. K. (AGK): Golf führt mich an mentale Grenzen, die ich ohne Golf wahrscheinlich nicht kennen gelernt hätte. Genau wird man das nie wissen. Aber ich kann immer noch nicht glauben, dass Golf tatsächlich so schwierig ist.

SO: Was hat sich in deinem Leben geändert, seit du Golf spielst?
 
AGK: Mein sitzender Beruf hat nach Ausgleich verlangt. Ich habe mehr Bewegung an frischer Luft, meine Kiloangabe ist zweistellig geworden. Mir tut es gut, eine Beschäftigung auch außerhalb der Familie zu haben, die mich fesselt, interessiert und meine Freizeit „einteilt“. Außerdem ist es ein beruhigender Gedanke, wie ich einmal die Pension verbringen werde. Ich glaube, das Alt werden wird dadurch etwas leichter.

SO: Wie man u. a. in deinem Blog lesen kann, hast du dich intensiv mit der Entwicklung des Golfschlags auseinander gesetzt. Ist das notwendig, um besser Golf spielen zu können?
 
AGK: Für mich schon: Ich muss den Hintergrund einer Information kennen, die man mir mitteilt. Manchmal bezeichne ich mich als Motivationsforscher. Ich will also auch wissen, was den Menschen motiviert, gewisse Aussagen zu tätigen. So bin ich glücklicherweise zu den Trainern gekommen, die eine Sprache sprechen, die ich besser verstehe. Wenn z. B. ein Trainer zu mir sagt „das, was da unten mit den Händen passiert, im Release, das brauchst du nicht zu wissen“, dann ist mir das zuwenig. In Hamburg fand ich das Mike Austin Institut und in Beuerberg Christian Neumaier, ideale „Ansprechpartner“, denen ich vertraue. Nachdem ich ein Mensch bin, der alles ausprobieren muss, was er wo hört, ist es für mich wichtig, mich auf wenig Informationen zu beschränken.
 
SO: Deine Meinung in Golfforen hat Gewicht. Gesellst du dich hinzu, kommt häufig viel Bewegung in die Diskussion.
 
AGK: Das Thema Golf ist unglaublich emotional besetzt. Der Wunsch, niedrigere Runden spielen zu wollen, ist bei den meisten Spielern so groß, dass sie alles, was überzeugend vorgebracht wird, nicht nur glauben, sondern auch vehement vertreten. Wenn man es dann wagt, den Geschäftssinn der Qualität einer Aussage gegenüber zu stellen, ist Feuer am Dach.
 
SO: Verfolgt man Golfforen eine zeitlang, stellt man fest, dass der Humor regelmäßig auf der Strecke bleibt, selbst dann, wenn der Verfasser von so genannten postings Satire avisiert. Golf und Humor scheint ein Widerspruch in sich…
 
AGK: Das frage ich mich schon öfter. Ich denke aber, dass es vielen Menschen geht wie mir. Das Thema ist extrem emotional besetzt und Menschen, die mit Golf ihr Geld verdienen, verstehen da keinen Spaß, wenn es um die Ernährung ihrer Familien geht. Außerdem will man es nicht wahr haben, dass die Theorie, die man gerade vertritt, nicht den „Stein der Eisen“ in sich trägt, weil man sich doch nicht irren kann. Es ist eine Art Selbstschutz, damit Golf schwer bleibt und sich nicht eingestehen muss, es nicht besser zu können. Frei nach Annett Louisan: „Geh' mir weg mit deiner Lösung, sie wär' der Tod für mein Problem, jetzt lass' mich weiter drüber reden, es ist schließlich mein Problem und nicht dein Problem...
 
SO: Du zeigst dich sehr interessiert an der Technik des Golfschwungs und bist noch immer unermüdlich auf der Suche nach Entschlüsselung. Zuletzt hast du gar ein eigenes Forum ins Leben gerufen.
 
AGK: Ja, ich habe in anderen Foren liebe Freunde gefunden, wo ich denke, dass sie eine ähnliche Sprache sprechen und ähnliche Vorbilder haben. Wir haben nicht immer die gleiche Meinung, verstehen uns aber gut und haben es geschafft, einen angenehmen Umgangston zu pflegen. Im Sommer hatten wir das Glück, von Christian Neumaier zu einem Trainingstag eingeladen zu werden, der gerade ein ganz wichtiges Golfbuch heraus gegeben hat. Das gibt natürlich Gesprächstoff, das auch von vielen Neugierigen mitgelesen wird.

SO: Auf der Driving Range übst du immer wieder sehr gerne „in verschiedenen Tonarten“. Was kann sich ein musikalisch unbedarfter Golfer darunter vorstellen?
 
AGK: Ich glaube, wenn man sich verschiedene Übungen sucht, um Schläge auch in ungewöhnlichen Positionen zu trainieren, hat man einen Vorteil auf der Runde. Dort ist ja bekanntlich kein Schlag so, wie man ihn gerade eben erst auf der Range geschlagen hat. Offen stehen und nach rechts schlagen, mit einer Hand, vor allem mit der linken schlagen, weil die kann es schlechter, nur auf dem linken Fuß stehen und schlagen, mit dem Eisen 7 100 Meter chippen, etc.
 
SO: Welches Equipment spielst du am liebsten?
 
AGK: Unglaublich aber wahr, spiele ich schon eine ganze Saison die gleichen Schläger. Nur einmal wollte ich ein Turnier mit anderen Schlägern spielen, bin aber nach dem Einspielen auf dem Weg zum Abschlag am Auto vorbei gekommen und habe im letzten Moment auf meine geliebten KZG Forged II gewechselt, die mir mein lieber Freund Arno Lindsberger (Schlägermanufaktur Arno-Golf) gebaut hat.
 
SO: Du hast irgendwann auch das traditionelle Hickory Golf für dich entdeckt. Was bedeutet Hickory Golf für dich heute?
 
AGK: Hickory ist wie Oldtimer fahren. Man muss viel besser aufpassen, dass man nicht aus der Kurve fliegt und sehr vorsichtig mit dem Material umgehen. Das entspricht dem Schlagen mit Schlägern, deren Schäfte aus Holz sind und die Schlägerköpfe haben müssen, die vor dem Jahr 1935 gebaut worden sind. Man schwingt viel weicher, hat aber dennoch keine Längenverluste mit den Eisen. Es ist faszinierend. Die Hickory Gemeinde Europas ist familiär und es ist sehr schön, Gleichgesinnte bei internationalen Turnieren zu treffen.

SO: Wem würdest du Hickory Golf empfehlen? 
 
AGK: Jedem, der alte Autos, Flohmärkte, Rahmen genähte Lederschuhe, Whiskey, alte Möbel und Silberbesteck mag.
 
SO: Hast du ein Golf-Idol?
 
AGK: Ja natürlich! Sam Snead! Mike Austin, mein großes Vorbild, hat den besten Hüftknick und den Schwung in den 60ern als erster beschrieben, und erfolgreicher als Jack Nicklaus kann niemand werden. Tiger der Superstar, befreit uns nicht nur von Vorurteilen, sondern wird uns auch immer „Das Drama des begabten Kindes“ vorleben. Und Rory, der sympathische Nordire, ist natürlich der Held unserer Zeit. Mein Schwung wurde übrigens von einem Pro, den ich sehr schätze, mit dem von „Mister 59“, Al Geiberger verglichen. Der Schwung ist mir schon vorher aufgefallen. Seit dem ist es mein Lieblingsschwung. Seve Ballesteros, Fred Couples, Stewart Cink, Van Zylt, Casey, Garcia, Goosen, Fowler, Colsaerts, Luiten, Edfors, Dufner, Jaquelin, Els, Chris Wood, Quiros, Stanley ... sie alle und viele andere, die ich jetzt vergessen habe, faszinieren mich. Ich liebe dynamische Schwünge!
 
SO: Im Falle einer zweiten Chance: Was würdest du auf deinem Golfweg im nächsten Leben anders machen?
 
AGK: Wahrscheinlich würde ich statt 10 Schlägersätze 100 haben. Und vielleicht würde ich meine Ansätze der Windsurfkarriere gegen die des Golfers eintauschen.
 
SO: Golf spielen ist das Verrückteste, was man je im Leben anfangen kann…
 
AGK: Warum? Golf geht tief. Golf hat die Fähigkeit, etwas in dir zu verrücken, das schon! „Ich werde den Gedanken nicht los, Golf will mir was lernen“, habe ich einmal wo geschrieben. Du kannst es nicht nebenbei machen. Golf verlangt deine ganze Aufmerksamkeit und Hingabe. Jeder Platz will auf eine ganz besondere Art behandelt, besiegt werden. Es ist fast wie musizieren: Jedes Stück verlangt etwas ganz Spezielles, damit es nicht einfach nur Töne sind, sondern damit etwas Besonderes daraus wird (... sagte die Scorcard). Es nur zu spielen ist langweilig.
 
SO: Andreas, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

AGK: Bitte! In 10 min Tee1?


Foto: David Furrer

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Linkhinweise:
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