Endlich Kurzplatz!
OK – es kam mir auch etwas luftig vor, als ich vors Haus trat, aber wie windig es tatsächlich war, wurde mir erst bewusst, als ich auf der 7. Bahn unseres Kurzplatzes, auf der ich sonst ein Wedge schlage, um das Grün zu erreichen, eine 8 spielte und der Ball in der Luft anhielt und zurück kam. Mit einem gepunchten Eisen 5! erreichte ich schließlich beim 2. Versuch das Grün. Das war heute Golf vom Feinsten. Dornoch / Schottland stieg in meiner Erinnerung auf, wo ich vor Jahren in ähnlichem Wind ein Turnier spielte. Erst danach hörte ich von den Unwetterwarnungen. Das kommt davon, wenn man keinen Fernsehanschluss hat und die Nachrichten im Radio verpasst.
Ja – der Kurzplatz ist auf! Und die Driving Range. Seit gestern. Den ganzen Samstagvormittag hatte ich Regalbretter aus meiner Wohnung geschleppt, denn ich bin dabei, meinen Käfig auszumisten. Einerseits, um ein neues Leben zu beginnen, aber auch, um möglichst viel freie Fläche zu gewinnen. Demnächst wird ein Bodenbelagsexperte kommen, um meinen Tretford-Öko-Ziegenhaar-Teppichboden mit einem Spezialgerät, dem Pro-Aqua, abgrundtief zu reinigen. Meine Atembeschwerden werden angeblich nicht von meinen Kontostand ausgelöst, sondern von Hausstaub, Milben und altem Dreck. Man riet mir, diesen alten Ziegenfilz vom Boden zu kratzen oder gründlich zu reinigen. „Vorsicht“, dachte ich: Als mein Freund Jörg Bergstedt den Filz in der deutschen Gentechnik-Mafia aufzukratzen versuchte, hat ihm das ein halbes Jahr Gefängnis ohne Bewährung eingebracht. Wohlgemerkt wg. Feldbefreiung zur Rettung der Menschheit (Hausfriedensbruch!), während dieser Tage ein schwerstgewalttätiger Kleinkrimineller, der alles vermöbelt, was ihm im Suff vor die Fäuste gerät, (darunter auch Polizisten), vom gleichen Richter auf Bewährung freigesprochen wurde.
Nach eingehender Prüfung aller Parkett-Optionen, auf denen sich aber nicht gescheit putten lässt, habe ich mich schließlich doch für die Intensivreinigung meines Tretford-Öko-Ziegenhaar-Teppichbodens entschieden. Dieses Spezialgerät saugt angeblich tiefer, als die Instinkte liegen, an die Westerwelle appelliert. Speziell bei klebrigem Dreck, Milben und Parasiten soll es helfen, weshalb ich mich frage, warum das Gerät nicht längst im Bundestag eingesetzt wurde.
Mit emsigen Händen entsorgte ich Waschkörbe mit leeren Whiskyflaschen, Mülltüten, Ordnern und anderem Zeugs, das ich in den letzten 30 Jahren zu einem Berg von Plunder aufgeschichtet hatte und als „Archiv“ bezeichnete. Ratten, Schaben, Spinnen, sogar Moränen und Giftschlangen, die in den sumpfigen Töpfen meiner Bananenbäume und Aktenregalen hausten, huschten geblendet vom grellen Licht der Frühlingssonne die Treppe herab, um sich andere Grüfte und Höhlen zu suchen.
Nach getaner Arbeit zuckelte ich im schönsten Sonnenschein zum Golfpark Winnerod, um meinen Clubausweis entgegenzunehmen, versehen mit dem vermutlich erst- und letztmaligen Eintrag eines Handicaps 9,9. Sodann schulterte ich meine Wintertasche und hechelte kurzatmig den Berg zum Kurzplatz hoch, um die erste Trainingsrunde seit Monaten zu spielen. In dieser Saison werde ich versuchen, wieder auf Handicap 12 hochzukommen. Da spielt es sich leichter.
Eugen Pletsch
PS: Anzumerken wäre noch, dass ich die Kommentarfunktion rausgenommen habe. Fast alle, die mir schreiben, kennen meine Mailadresse, ansonsten bin ich über „Kontakt“ in der Menüleiste oben auf Cybergolf.de erreichbar.
PPS: Zweitens gäbe es zu vermelden, dass mich der Golfclub St. Leon-Rot freundlicherweise zu einer Lesung eingeladen hat. Die Veranstaltung wird auch für externe Gäste offen (und kostenlos) sein, sofern man sich bis zum 8.3.10 anmeldet. Ich würde mich sehr freuen, meine Leser aus dieser Gegend begrüßen zu dürfen. Wir wollen an dem Abend einige Aufnahmen für mein Hörbuch machen, weshalb ich Texte aus allen Büchern lesen werde.


