Wahnsinn, Woods und Westerwelle
Eine Neuausgabe vom „Weg der weißen Kugel“ steht an. Das Buch ist für mich ein Bild, an dem ich immer weiter male. Man sagt zwar, dass Bilder nicht unbedingt besser werden, wenn immer neue Schichten drüber gemalt werden, aber ich gestatte mir das. Irgendwann wird das Buch in Vergessenheit geraten, wie ein Werk mittelalterlicher Lasurenmalerei hinter einer Tapete verschwinden, um vielleicht eines Tages neu entdeckt zu werden.
Trotz der Überarbeitung anlässlich der neuen Auflage im KOSMOS-Verlag vor zwei Jahren enthält der „WEG“ einige Passagen, zum Beispiel über innovative Experimente unserer Freunde vom DGV, die mittlerweile Schnee von Gestern sind; und manche Figuren möchte ich gerne deutlicher zeichnen, zum Beispiel den Dr. Bercelmeyer oder den alten Fahrenbach, die bisher im „WEG“ nur in zaghaften Fußnoten auftauchen.
Oder sollte ich den „WEG“ gänzlich dem „Spirit of Golf“ weihen, jenem flüchtigen Golfgeist, der heutzutage meist nur noch in Erinnerungen spukt?
Frischlinge und Rabbits, die meinen Blog lesen wundern sich bisweilen, warum ich über die „moderne Entwicklung des Golfsports“ zetere. Woher sollten sie auch wissen, dass die alleinige Ausrichtung auf Technik, Tand und Torheiten dazu geführt hat, dass das heutige Golfspiel mit ursprünglicher Golferfahrung so viel zu tun hat, wie Pornografie mit einem romantischen Kuss.
In den meist technisch orientierten Golfbüchern erfährt ein Adept des Golfweges wenig über den tieferen Sinn jener Rituale, Bewegungsabläufe und Handlungen, die er lernt. Nur selten wird erwähnt, dass er nun einem launischen, wankelmütigen und ungerechten Gott dienen wird, der durch Opfergaben gnädig zu stimmen ist, weil sonst biblischer Plagen kommen werden, schlimmer als Westerwelle.
Oh nein. Jetzt ist er mir rausgerutscht. Den ganzen Tag wollte ich das W-Wort vermeiden. Jetzt werde ich mein lila Bändchen wieder über die andere Hand stülpen müssen. Tja, das W-Wort.
Wer Westerwelle verstehen will, sollte Charles Bukowski´s Biographie „Das Schlimmste kommt noch“ lesen, in der Bukowski beschreibt, wie er durch seine Akne als Jugendlicher traumatisiert wurde. Doch Leute mit Hackfresse, wie sie gemeiner Weise genannt werden, kämpfen sich hoch. Bukowski wurde ein großer Schriftsteller und Panamas pockennarbiger Diktator Noriega war immerhin der Dope-Lieferant des Bush-Kartells, bis Vater Bush die „Ananas“, wie er genannt wurde, fallen und in einem Gulag verfaulen ließ.
Mal sehen, mit welchem Wahnsinn Westerwelle seine Jugendtraumata austoben wird. Kürzlich hat der Großkotz den Iran verwarnt, aber Heteros mobbt er bisher nur in Form von Hartz IV Empfängern. Vielleicht kommt er doch noch zur Vernunft. Gerade wurde in den USA ein anderer schwuler Pinguin von einem Weibchen bekehrt, weshalb Fundi-Christen jubeln.
Die „gesellschaftliche Diskussion“, die Westerwelle im Namen der Leistungsträger mit Nummernkonto losgetreten hat, bekommt nach Thomas Wieczoreks „Die verblödete Republik“ ihren besonderen Geschmack. Auch der Womblog seziert diese perfiden Rhetorik. Was mag als Nächstes kommen? Trainiert Westerwelle für den Staatsstreich? Ich übertreibe? Da guggst Du!
Nachdem der altersparanoide Otto Schily die totale Überwachung implementiert hat, haben jetzt dominant geprägte Psychopathen alle Instrumente zur Hand, entweder, um den amerikanischen Polizeistaat auch bei uns zu realisieren oder um die Jugend in den Krieg zu schicken. Wer als Gentechnik-Gegner, Asylant oder Bedürftiger bereits mit den Mühlen und Machenschaften unserer Justiz in Kontakt kam, weiß, dass längst ein spinnenklebriges, graues Netz über allem liegt und den Hals der Freiheit immer mehr stranguliert. Mein Freiheitsbegriff ist natürlich nicht deckungsgleich mit der Version der FDP und neoliberaler Globalisierungsjongleure: Gewinne einstecken und Verluste der Gesellschaft aufbürden.
Ich fürchte, die heilige Wut kriecht gerade wieder in mir hoch, aber ich kann nichts dafür, es kommt einfach zu hart. Dauerschnee, Kotzbrocken Westerwelle und schließlich der Kotau von WOODS vor Gott, Vaterland, Mutter und Medien. Oh ja, liebe US-Medien: Gratulation! Jetzt habt Ihr den Nigger in die Knie gezwungen!
Könnte es sein, dass Woods den Scheiß selbst glaubt, den er von sich gegeben hat? Weil er nicht jeden Schreiberling eingeladen hat und keine Fragen zuließ, haben die Golfsport-Journalisten sein „I am deeply sorry!“- Event boykottiert. Beruhigt Euch, Freunde. Mich hat er auch nicht eingeladen, obwohl ich hierzulande einer seiner wenigen Fürsprecher war. Ihr meint, Ihr hättet „ein Recht auf die Wahrheit“? Geht es Euch nicht eher um ein paar leckere, obszöne Details aus Woods Schwanzleben? Wenn Ihr auf Perversion steht: Warum besucht Ihr nicht Guantanamo Bay oder fragt einen gottesfürchtigen US-Senator aus dem Bibel-Gürtel, wie er seinen Golfschwung mit einem Ledergürtel in den Bordellen von Savannah und Charleston trainiert?
Wer ist moralisch fragwürdiger? Woods Testosteronspiegel oder ein Golfstar, der sich öffentlich mit Massenmördern und Folterern wie Vater und Sohn Bush zeigt? Sind Details aus Woods Privatleben wirklich wichtiger als die Frage, warum die neuen Sicherheitsschleusen Reisende weltweit aus Gründen der „Terrorabwehr“ verstrahlen sollen? Ihr wisst nicht, was ich meine, Kollegen? Na, dann verweise ich auf Jean Ziegler „Der Hass auf den Westen“, vierter Teil, “Nigeria, die Fabrik des Hasses“. Da wird ziemlich deutlich erklärt, warum die USA gute Gründe hat, Bedrohungen zu fürchten. Meine Güte, wie ich Hunter S.Thompson vermisse. Der hätte euch Pfeffer unter die Mütze geblasen!
Was das alles mit dem „Weg der weißen Kugel“ zu tun hat? Auf Seite 234 steht: „Der Weg der weißen Kugel ist ein Pfad der inneren Aufrichtigkeit!“ Woods Kotau war keine Geste der Aufrichtigkeit. Er hat der Meute ein Stück seiner Seele hingeworfen, damit die Show weiter gehen kann.
Ich glaube nicht, dass es ihm um Kohle ging, eher darum, dass er einfach wieder mitspielen will und dafür bereit ist, alles zu tun. Woods ist nicht krank, weil er rumvögelt. Er war vielleicht krank, weil er unter der Knute seiner Eltern erst viel zu spät vögeln konnte. Seine „Exzesse“ waren Schritte auf dem Weg der Heilung eines Mannes, der sein Leben lang reglementiert wurde. Remember Michael Jackson. Woods hat es nie geschafft, sich von seinem Vater zu lösen. Jetzt hat er sich in einem öffentlichen Ritual erneut seiner Mutter unterworfen. Welche Rolle diese Frau tatsächlich spielt, werden Psychologen spätestens dann diskutieren, wenn Woods, was wir alle nicht hoffen wollen, den ganzen verlogenen Irrsinn nicht mehr ertragen kann und gänzlich aussteigt. Dass er nur der größte Golfer unserer Zeit sein kann, weil er auch ein großer Künstler ist, wird in der ganzen Diskussion vergessen. Und wie man allgemein weiß, neigen Künstler nun mal zu Lastern und Zusammenbrüchen. Oder Ausbrüchen, weshalb ich diesen Blog schreibe.



