Der Indoor Golf-Stimulator

Nein, ich werde nicht in das allgemeine Lamento über den endlosen Winter einstimmen. Ich habe ganz andere Sorgen: Wo sind die Kinder? Zu meiner Zeit sind wir alle draußen rumgerannt und jeden Hügel mit unseren Schlitten runter gedüst.
Heute, auf einem längeren Spaziergang durch die weiße Pracht unserer ländlichen Gemeinde, sah ich kein einziges Kind. Keinen Schneemann, keine Schneeballschlacht - nichts. Hocken alle Kids vorm Computer oder sind sie noch auf der Rückreise von der Anti-Nazi-Demo in Dresden?
Heute schien die Sonne und ich war aushäusig. Ich habe sogar etwas Schnee zu einem Ball geformt und den Ball in einem Moment, in dem ich mich unbeobachtet glaubte, geworfen. Die Therapeuten unter Euch werden jetzt fragen, ob ich mich häufig, vielleicht ständig, beobachtet fühle und ob ich darüber reden möchte. Nein, darüber möchte ich nicht reden. Aber mir ist vor wenigen Tagen, anlässlich der langersehnten Einladung zum Geburtstag meines Freundes Peter (und dem damit verbundenen guten Essen in einem feinen Restaurant, dem ich jährlich entgegenfiebere) bewusst geworden, dass sein 59. Geburtstag meinen 58ten ankündigt. Im Mittelalter waren 20 Jahre das Maß für ein halbes Leben, mit 40 galt ein Mann als alt. Bald habe ich anderthalb Leben gehabt. Da überlegt man sich schon, ob man mit Schneebällen um sich wirft. (Ich rede jetzt wohlgemerkt nicht von der Driving Range in Winnerod)… äh …stop - ich fürchte, ich bin mal wieder etwas aus der Spur geraten. Eigentlich wollte ich erzählen, dass ich mir für eine geschickte PR am passenden Ort nicht zu schade bin, weshalb wir jetzt von nichts Geringerem als dem PuttingGame® sprechen werden - einer innovativen Neuheit für Golfer, die mir Herr Paust von www.dublisGolf.de freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, bis unser Platz abgetaut ist. Als das System gleich nach dem Start mit einem amerikanischen Slang losquakte, war ich zuerst erschrocken. Dann aber merkte ich schnell, dass man mit dem PuttingGame® sehr exakt putten lernt – und dabei auch noch Spaß hat.
Wo wir gerade beim Indoor Training sind: Ich war noch mal im Karstadt (siehe letzter Blog), weil ich meine eigenen Schläger testen wollte. Ich hatte berichtet, dass mir die Längenmessung in der virtuellen Drving Range viel zu lang vorkam. Diesmal war es insofern anders, als die Bälle viel zu kurz flogen. Zuerst dachte ich, die Videowand wäre zu kalt, bis mir einfiel, dass Herr Alt, der Filialleiter, gerade Mittag machte. Mein Verdacht erhärtete sich, dass er die Messungen meiner Abschläge bei meinem letzten Besuch sehr wohlwollend mit dem Computer stimuliert haben könnte. Aha! Deshalb wird so eine Anlage auch Golf-Stimulator genannt.
Diesmal flogen meine Bälle so kurz, dass ich mich fragte, ob jemand die Entfernungsschilder auf der Video-Leinwand verstellt haben könnte. Gottlob hatte ich meinen Dublis-Laser dabei (Herr Paust: Heute können Sie sich die Hände reiben…). Den holte ich raus und vermaß die Driving Range. Ich sage Euch, Leute: Mit den Entfernungen hat nichts gestimmt. Rein gar nichts. Also habe ich meine Längen bei den nächsten Schlägen einfach wieder geschätzt, wie ich das immer mache. Da fühle ich mich wohler. Mit dem gesammelten Knowhow einer Zivilisation, die beim Weltraumflug neue Bratpfannen entwickelt, peitschte ich meinen Driver mit einem Amalgam aus vollendetem Schwung und doppelt gehärteter Titanlegierung carry auf fast 180 Meter gefühlte Länge. Das kann sich doch sehen lassen, oder?

Es schneit*

Eugen

*Zitat: r.

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Bild: Ina Rosenstock