Ferien im Karstadt
Ich wollte am Samstag mal gar nichts machen, sozusagen Ferien von mir selbst. Also fuhr ich in unsere kleine Weltstadt Gießen und der Gesetzmäßigkeit folgend, nach der es jeden Unhold an die Stätte seiner Tat zurück zieht, zog es mich in den Golf-Shop vom KARSTADT, der kürzlich eine Lesung mit mir veranstaltet hatte.
Herr Alt, ein Clubkamerad, der den Golfshop leitet, hat einen Tisch nur mit meinen Büchern gestaltet. Deshalb schaue ich gerne vorbei um zu beobachten, wie die Bücherberge langsam schrumpfen und meine beim Universum bestellten Sommerreifen dadurch Gestalt annehmen.
Um Schläger zu testen, gibt es eine kleine Video-Golfanlage in einem separaten Raum.
Darin stand ein Hüne und donnerte Bälle in die Videowand, so hart, dass das Wild aus dem Wäldchen hinter der Driving Range aufschreckte und in die Berge rannte.
Ich habe mich in einer solchen virtuellen Golf-Welt seit etlichen Jahren nicht mehr versucht, aber nachdem der Kollege fertig war, reizte mich plötzlich die Idee, selbst ein paar Eisen und Hölzer zu schlagen. Herr Alt erklärte mir das System und ich legte los. Seit fast drei Monaten hatte ich nur mit meinem extraschweren Heim-Schläger Trockenübungen ohne Ball gemacht. Mir wurde schnell warm, dann begann ich zu schwitzen und nach knapp einer halben Stunde war ich von einem Glücksgefühl erfüllt, das nur der kennt, der nach wochenlanger Verstopfung endlich Erlösung findet.
Zugegeben: Bälle an eine Videowand knallen ist nicht das Gleiche, wie eine flotte Runde über den Platz; aber mein energetischer Stau kam in Fluss und das ist der halbe Jakob.
Nächste Woche werde ich mit einer Auswahl meiner Schläger hingehen, da mir einige Ergebnisse, besonders Carry-Längen von 220 Metern, nach dieser langen Pause nicht besonders glaubhaft vorkommen. Aber vielleicht hat Herr Alt auch etwas an der Computereinstellung gedreht, um mir eine Freude zu machen. Ein guter Service ist nur mal so ziemlich das Wichtigste, was man sich an einem Ferientag wünschen kann, oder?
Danach überfraß ich mich in einer Sushi-Bar.
Eugen Pletsch


