Mussekoppunnelasse: Emotions – made in Germany
2018 soll der Ryder Cup, das zweitgrößte Sportereignis nach der Olympiade, nach Deutschland kommen. Bis April 2010 haben wir Zeit, unseren Sport in die Herzen aller Deutschen zu verpflanzen. Dann entscheidet eine internationale Kommission, aus welchem der Bewerberländer sich die meiste Kohle rauspressen lässt. Die genialen Strategen des RC Deutschland haben den besten Slogan entwickelt, den die Kampagne haben kann: Emotions made in Germany - repräsentiert von Bernhard Langer, dem bedeutendsten deutschen Golfer, der für seine emotionale Wesensart und seine Gefühlsausbrüche weltbekannt ist. Auch distinguierte Golfer müssen jetzt lernen, Gefühle zu zeigen, um unseren “Elite-Sport” von seinem versnobten Image zu befreien. Wir müssen unseren Mitbürgern deutlich machen, dass wir Golfer nichts “Besseres” sind, sondern genauso versoffen, ordinär und gewalttätig, wie alle anderen auch! Deshalb erzähle ich folgende Geschichte, die auch die Liebe meiner Sportkameraden zu diesem wunderbaren Spiel dokumentiert:
Ich hatte in der Gegend zu tun und dachte, ich mal mal `nen kleinen Umweg und schau am Club vorbei. Nur mal so. Der Platz war ja vermutlich geschlossen. Es ging nicht so flott voran, weil ich die ersten 15 Kilometer im Stau stand und dann acht weitere Kilometer hinter dem Schneeräumer herfuhr, der über die Landstraße kroch, aber schließlich war ich angekommen. Es war ein gutes Gefühl, mal wieder im Club zu sein. Ich war auch nicht der Einzige. Ein paar Autos standen auf dem Parkplatz und die üblichen Verdächtigen drängelten sich unter dem Torbogen vor dem Eingang zum Sekretariat …
„Ei guude…“
„Du mich auch.“
„Frohes Neues…“
„Werissnfroh bei dem Drecksschnee?“
„…“.
Karl trat mit dem Fuß durch eine Schneewehe und der Wind trug eine Fontaine von Pulverschnee über unsere Mäntel. Die Stimmung war gereizt. Vom Parkplatz her näherte sich noch eine vermummte Gestalt.
“Frohes … .“
“Ja, ja …sonst noch was?“
„Wie iss die Wetterlaache, Heinz?“
„Soll kälder wern.“
„Scheisedreck!“
„Ich war bein Obi. War kein Verkäufer weit und breit. Da hab isch mir ma drei Meder von de grüne Balkonware ausgerollt, mein Putter genomme und e paar Bäll´ gespielt. ICH MUSST EINFACH MAL SEHN, WIE ISS, WENN DE BALL ROLLT.“
„Isch war bei so e Blummetrulla in irm Gewäkshaus. Ich sach: “Bau´n sie auch Gras an?” Ich wollt nur mal endlich widder was Grünes sehn. Isch sach Dir, die Schnegge in dem Lade hätt´ gleich die Bulle geholt, weil die dacht´ wohl ich wollt von ihr Ebbes zu rauche ham.“
Wir traten von einem Bein aufs andere. Es wurde kalt.
„Isch glaab, ich dräh´ dorsch.“
„Isch aach.“
„Kammer werklisch ned spiele?“
„Nee.“
„Haste ma gefracht?“
„Ei, was soll isch fraache. Is doch alls verschneid.“
„Ja nu, des iss en aale Schnee. Der ist fest. Wemmer druff laufe kann, kammer aach druff spiele.“
„Schorsch: De Blatz is geperrt. Ich saachs Dir!“
„Und die Dreifing Rainsch?“
„Die is ach geschlosse.“
„Abber da lije Bäll im Schnee.“
„Jo, abber die sinn eingefrorn.“
„Na unn? Muss mer hal midde Wedsch rauskloppe. Is auch ned anners wie aus em Raff.“
„Stimmt eischendlisch.“
„Jo, warum ned. Da werd uns waam.“
Die Herren nickten. Einer packte eine Flasche aus.
„Ei gugge ma, de gute Mald ausm Lidl. 14,90.“
„Des Golfers Winderglügg.“
„Gebbe ma ´n Schlogg.“
Vier Männer, ein paar Runden Malt. Dann gingen wir auf die Driving Range und hackten Bälle aus dem verharschten Schnee.
„Jetz fühl isch misch besser.
„Iss noch was in de Flasch?“
„Hier.“
„Kommt gud, des Stöffsche.“
„Isch war schon immer fer Dobing.“
„Isch aach.“
„Was kommd´n dann da angehobbelt?“
„Ei wass´n stolze Reider.“
Vom Wald her nähert sich ein Reiter.
„Komm mir schlache ma paa Schneebäll nach dem Blödkopp uff seim Gaul.“
„Nach dem Reider da?“
“Mach´ kei´ Posse.”
„Warum dannnett? Jeder ein Schneeball midde Wedge?“
„Also los.“
Wodsch.
“Is zu kozz.”
Wodsch.
“Aunix”
Wodsch.
“Mussekoppunnelasse”
“IschmeissmeinBall.”
Dschuff.
„Ui gugge ma, jetz habbisch den voll an dem seiner Kapp erwischt…“
„Genau uff de Reider sei Kapp.“
„Guggema, wie der jetz devonhobbelt uff seim Gaul.“
„Des wa unsern Reider Kapp, Leut! Gibb nomman Schlugg.“
„Genau. Des wa unsern Winder Raiderkapp.“
„Mermussichnurzuhelfewisse.“
„Unnekoppunnelasse!“
„Gibb nomman Schlugg.“
„Gudes Feeling.“
„Geht nix über paa Schlääsch midde Wedsch.“
„Genau! Isch fühl misch jetz gut.“
„Isch aach.“
„Isch hab schon mein Hund getrede, deheim. Jetz fühl isch misch besser.“
„Die Flasch iss leer.“
„Dann nix wie bei die Muddi.“
„Ja, machtihrma, isch geh mein Hund streischele.“
„Also Männer: Imme de Kobunnelasse!”
“Am Aasch die Reuber, Schorsch.”
Deutsche Golfer
am Rande des Wahnsinns
bekennen sich zu ihren Gefühlen.
Emotions – made in Germany!
“Mussekoppunnelasse!”
Life on stage. Lesung 14.1.2010 Karstadt Sports Gießen


