Der Ryder-Virus

Golfgaga ist nach wie vor vollkommen werbefrei. Sollte jedoch hin und wieder ein Marke oder ein Produkt in meinen Zeilen erwähnt werden, was man heutzutage „product placement“ nennt, dann hat das zwei mögliche Gründe: Ich habe etwas ausprobiert und war zufrieden, oder die betreffende Firma hat sonst in irgendeiner Weise meine Aufmerksamkeit erregt, zum Beispiel mit Geld.
Nehmen wir Massstrumpf.de, die ich auf der Golf Europe kennenlernte: Die haben leider kein Geld geschickt, aber Socken. Schon auf der Golf Europe versuchte ich, Muster in meiner Größe zu schnorren, aber gewisse Kollegen waren mir offensichtlich schon zuvor gekommen und meine Größe war vergriffen. Mit der Post kamen eines Tages dünne, schwarze Kniestrümpfe als Muster. Mittlerweile war es draußen kalt geworden, weshalb ich die Strümpfe erstmal wegpackte.
Irgendwann hatte meine Waschmaschine mal wieder alle Socken gefressen und in meiner Not zog ich ein Paar dieser schwarzen Maßstrümpfe an. In denen sitze ich jetzt – Wochen später – immer noch am Schreibtisch. Diese Strümpfe unterscheiden sich von allen anderen Strümpfen die ich kenne einmal dadurch, dass die Größe 45 keine Größe 49 ist (wie sonst üblich) – deshalb Maßstrümpfe! Ansonsten sind selbst die dünnen Strümpfe überraschend warm, so dass ich ohne kalte Füßen arbeiten kann. Und noch eine Besonderheit: Man die Strümpfe endlos tragen, ohne dass sie stinken. Vielleicht vertilgt die Anti-Zeckenimprägnierung auch Stinkfußmoleküle? Wobei ich, nach dem unappetitlichen Krampfader-Outing eines Kollegen darauf hinweisen möchte, dass ich keine Stinkfüße habe.
Trotzdem werde ich noch vor Jahreswechsel auch die Socken wechseln. Vielleicht werde ich das andere Paar schon zur Pressekonferenz des DGV am 8.12.09 in Frankfurt anziehen. Abends habe ich eine Lesung in Frankfurt und so könnte es sein, dass ich beim DGV in frischen Strümpfen vorbeischaue, um mir anzuhören, wie man Ryder Cup-Atmosphäre in deutschen Clubs schaffen will.
Ich weiß immer noch nicht, warum mir das RD Deutschland Gebimmel so auf den Keks geht. Vielleicht ist es wie mit der Schweinegrippe: Je mehr die Bild-Zeitung trommelt, umso mehr ahnen selbst tumbe Teutonen, dass etwas an der Sache faul ist.
Ich habe nichts gegen einen Ryder Cup in Deutschland, Gott bewahre – nein. Aber als gestern im Radio aus der FAZ zitiert wurde, musste ich an RC Deutschland denken. Mit der Bemerkung „Globalisierung und Business zerstören den Sport“ war zwar der Fußball gemeint, aber beim Golfsport ist es nicht anders.
Es ist nur so ein Gefühl, das ich mal so zu erklären versuche: Wir Deutschen haben uns das Handicap 54 erlaubt, damit Golf ein Breitensport werden kann, was Vor- und Nachteile hat. Ein Vorteil ist, dass Golflehrer mit der Platzreifeprüfung mehr Geld verdienen können, ein Nachteil ist, dass Golfanfänger glauben, sie könnten dann Golf spielen. Sie haben gezeigt bekommen, wie man am Automaten ein Busticket zieht,  aber jetzt glauben manche ernsthaft, sie hätten einen Busfahrer-Führerschein. Ein fataler Irrtum. Die Platzreife ist kein Persilschein, um bis zum St. Nimmerleinstag im Schneckentempo auf Zackzackkurs über den Platz zu krauchen, aber man sagt es dem Golfanfänger nicht, weil der Kunde König ist, und mit der Zeit geht immer mehr von dem, was mal  SPIRIT of GOLF genannt wurde, flöten.
Eine ähnliche Illusion oder Verwechslung spüre ich beim Ryder Cup: Im internationalen Vergleich haben wir Deutschen golferisch in fast jeder Hinsicht die rote Ampel. Als „Ryder Cup Nation“ haben wir bisher nicht mal Platzreife, geschweige den Handicap 36. Natürlich würden “wir” den Cup weltmeisterlich organisieren, sowas können wir. Aber könnten wir auch ein weltmeisterliches Publikum sein? Egal? Die Tickets werden ohnehin ins Ausland verkauft? Stimmt. Aber warum müssen wir uns dann alle BEKENNEN, wie zu einer Religion?
Mich stört das und wenn sich zeitgleich auch noch die Anti-Doping-Industrie auf unseren Sport wirft und wir olympiareif geschossen werden, dann gute Nacht.
Der deutsche Golfsport hat meiner Ansicht nach andere Sorgen und der VcG andere Aufgaben, als sein Geld in RC-Marketing zu verpulvern. Es gäbe da einige Anregungen, aber wie sagte der Betreiber eines anderen Golfportals dieser Tage so treffend: „Der DGV ist ein closed shop.“
Also los: Jeder Club wird ein Bekennerclub und darf die Ryder Cup-Atmosphäre auf seine Anlage holen. Wenn es dem schnelleren Spielfluss dient, bin auch ich bereit mitzumachen und vergessen wir nicht - die Sache auch eine gute Seite: Solange DGV und DGS mit dem Ryder Cup beschäftigt sind, habe sie (hoffentlich) keine Zeit, anderen Unfug zu stiften. (Ich sage nur CSA!)
Gegen den derzeitigen Bekenner-Virus bin ich - dank meiner gesunden, natürlichen Abwehrkräfte offensichtlich immun - aber - wer weiß was passieren wird? Vielleicht gelingt es der Firma Baxter, einen mutierten Ryder-Virus zu entwickeln. Die erfolgreiche weltweite Verbreitung von Schweinegrippe-Viren durch Pharma-Multis hat gezeigt, wie man globalisiertes Business macht. Davon können unsere Ryder-Kappen eine Menge lernen.

Ihr / Euer
Eugen Pletsch
So, und jetzt der Dreizeiler:
Ich steh beim Ryder Cup,ohne Kapp, denn die is ab.

ryder-kapp