Pletsch blättert in der GOLFTIME 11/1209
„Saubere Spiele – oder?“ fragt der Chefredakteur im Editorial der aktuellen GOLFTIME. Geht es um die Frage, ob wir unseren olympiahungrigen Golfkader von bewährten „Experten“ aus den neuen Bundesländern tunen lassen sollten? Nein. Oskar Brunnthaler verweist nur mit einem Augenzwinkern auf den einstmals für Olympia obligatorischen Amateur-Status, um sodann Tiger Woods anzumoderieren, dem nach der ersten Milliarde nur noch eine Goldmedaille fehlt.
Wie ihm geholfen werden könnte, beschreibe ich ausführlich im Kapitel „Der Golfmedaillentrick“ in „Endlich einstellig!“, aber das konnte der Oskar nicht lesen, weil das rechtzeitig verschickte Rezensionsexemplar wieder mal nicht in der GOLFTIME-Redaktion angekommen ist. Wie damals, bei Golf Gaga. Wir mussten das Buch dreimal verschicken, um keine Rezension zu bekommen.
Vermutlich liegen auf den Redaktionsfluren allerorten Praktikanten auf der Lauer, um Presseexemplare abzugreifen. Acht von zehn Redaktionen, die Rezensionsexemplare erhalten sollten, haben angeblich nichts bekommen. Bei den Online-Redaktionen, die nach meinem Buch fragten, sind interessanterweise alle angekommen. Kann man daraus schließen, dass Website-Betreiber entweder keine Praktikanten beschäftigen oder besser bezahlen? Egal. Oskar wird meine Neuerscheinungen immer (irgendwann) bekommen, denn er war vor etlichen Jahren der erste, der eine kleine Notiz über den „Weg der weißen Kugel“ veröffentlichte. Ja, so was merke ich mir. Ich werde Helmut Kohl überhaupt immer ähnlicher, der ich mit meiner Elefantenhaut und meinem Elefantengedächtnis durch das Elefantengras heimatlicher Roughs trampele.
Aber sonst: Wozu noch Bücher an Redaktionen schicken? Wer bespricht überhaupt noch Bücher (außer den Werken der eigenen Redaktionsmitarbeiter). Die SZ Golf-Beilage? Die FAZ? Ha Ha Ha. Außer Online-Autoren scheint es überhaupt niemanden mehr zu geben, der Golfbücher liest und bespricht. Eine wundersame Ausnahme bei den Golfmedien (zumindest in meinem Fall) ist GOLFPUNK, und natürlich die große Überraschung der Saison: GOLF.de! – weshalb meine neuen Freunde, jetzt und hier, die erste Verlinkung von mir bekommen, die nicht auf die Seite der Natural Born Golfers führt.
Zurück zu GOLFTIME: Mit „Sandy Par“ wird ein Bild aus der Sahara betitelt. Auf dem Foto sehen wir einen Beduinen, der in der Wüste Golf spielt. Das Bild passt perfekt zu meiner derzeitigen Lektüre „Der Kampf ums Brot“ von Wolfgang Hirn. Der Mann ist kein hysterischer ÖKO-Spinner (wie ich bisweilen), sondern Redakteur beim Manager Magazin. Er reiste durch 25 Länder, um sich ein Bild von der Ernährungssituation unseres Planeten zu machen.
Die Aussichten: Düster! Die Konsequenzen, die ich aus dieser Lektüre für den Golfsport ziehe: Wetterkapriolen, sowie Land- und Wassermangel werden das Golfspiel auf satten Rasenflächen in einigen Jahren unmöglich machen. Ein Sandy Par auf einem Brown wird unser aller Zukunft werden, wenn wir fetten Golfer nicht zuvor von den Hungernden dieser Welt gebraten und gefressen werden.
Ich blättere weiter. Wieder mal schaffen es Herr Kramski und Herr Keller von JAB Anstoetz, sich in den Focus von GOLFTIME zu rücken. Der eine mit bodenständiger Handarbeit, der andere mit seinen Ladies. Ich bin diesen beiden allgegenwärtigen Gesichtern unserer Golf-Medien auf der Golf Europe begegnet und habe beide höflich angesprochen. Während Herr Keller, der Frontmann von JAB, irritiert schien (um das mal höflich zu formulieren…), hat mich Herr Kramski mit seiner ausgesprochen offenen und höflichen Wesensart angenehm überrascht. Das Getue um den Kramski-Putter hatte ich bisher stets für eine geniale Marketing-Strategie gehalten, aber in Herr Kramskis Aura meinte ich sehen zu können, dass er ein Überzeugungstäter ist, der den Bodenkontakt noch nicht verloren hat. Auch sein verschmitzter Humor gefiel mir!
Weiter in GOLFTIME. Jetzt ist Society TEA Time: „Abschalten“ (S. 110) heißt die mediative Betrachtung eines gewissen Ralf Rangnick. Mit seiner Gastkolumne versucht er offensichtlich, Heinz Fehrings „Statement“ bezüglich quirliger Aussagekraft und geistigem Tiefgang den Rang abzulaufen: „Dieser gepflegte Rasen, wenn man erstmals ein Grün betreten hat und dies unter seinen Füßen spürt, das ist ein gutes Gefühl.“ Genial! Das könnte von Cejka sein!
Eine Seite weiter: „Ein Fall für den Arzt“ (S. 112). Darin beschreibt „Susi Sweetspott“ ihre Turniererfahrung mit einem Schummler (natürlich Mediziner!). Sie zählte ihn und beim Scorekartenvergleich begannen die Differenzen, die Frau Sweetspott aber nicht austragen wollte. Also unterschreibt sie seine Scorekarte. Er bleibt dadurch in der Schonung und gewinnt das 2. Netto. Sweetspott meint, Schultern zuckend, jetzt müsse der „Schummel-Doc“ mit seinem Beschiss leben.
Frage an die Erbsenzähler: Wird durch Susis Unterschrift auf einer Scorekarte, die offensichtlich falsche Angaben enthält, eine Übereinkunft auf Nichtanwendung der Regeln getroffen (1-3), weshalb beide, Arzt und Susi Sweetspott, sozusagen wegen Bildung einer regelwidrigen Vereinigung, hätten disqualifiziert werden müssen?
Da der Kollege Yves C. Ton-That auf meine Mail von Anno Tobak immer noch nicht zu antworten geruhte (OK, er ist Schweizer, das kann dauern), gebe ich diese Regelfrage an die erlauchte Runde meiner geschätzten Leser weiter.
Uli Kaisers Glosse hebe ich mir stets bis zum Schluss auf. Für diese zwei Seiten giesse ich mir extra einen grünen Tee ein, lege die Füße hoch und genieße. Kaiser-Nachtisch!
Eugen Pletsch
PS: Danke für die freundlichen Rezensionen auf AMAZON, die mir, wie könnte es anders sein, natürlich zu Kopf gestiegen sind. Aber nächste Woche mache ich weiter mit meinen Dreizeiler-Übungen, versprochen!


