Elefantengras

Wen ich mir in Pulheim anschauen würde? Einige Spieler fallen mir sofort ein: Henrik STENSON, allein schon um Fanny Sunneson in Aktion zu erleben und natürlich meinen Pro/Am-Partner vom Vorjahr Gonzalo FERNANDEZ-CASTANO! Oder Alvaro QUIROS, der mir seit der US PGA aufgefallen ist. Richtig mitlatschen und staunen würde ich auch bei Lee WESTWOOD und Ross FISHER oder Oliver WILSON und G-MacDOWELL. Vielleicht auch Trevor IMMELMAN, da ich seine Preshot-Routine nachzumachen versuche und natürlich bei Chris WOOD, weil ich denke, dass er ein Großer wird. Schließlich habe ich auch schon anno Tobak den jungen Ernie Els auf seiner ersten Runde in Deutschland gesehen. Soweit ich mich entsinne war das anlässlich der Mercedes Masters in Stuttgart?

Ich möchte damit sagen, dass bei der Mercedes Benz Championship vom 10.-13. September im Golf Club Gut Lärchenhof in Pulheim bei Köln sehr gute Spieler auflaufen werden. Da es keinen Cut gibt, könnt Ihr dort vier Tage lang rcdeutschland-Bekennerschreiben ausfüllen (Keine Macht den Doofen!) und „YOURE THE MAN“ und „IN THE HOLE“ brüllen, um jene Stimmung zu zaubern, die Irek Myskow so dringend braucht, um bei seinen „Wahnsinns- Moderationen“ zur Höchstform aufzulaufen. (Wir schalten derweil auf den englischen Sprachkanal um…). Deutsche Zuschauer müssen lernen, saturiertes Understatement und betuliche Zurückhaltung aufzugeben, wenn das mit dem Ryder Cup etwas werden soll. Wenn Golf bis 2018 wie Fußball werden soll, dann müssen wir jetzt mit der Aufzucht und Pflege von Golf-Hooligans beginnen!

In der Kölner Mercedes Zentrale hatte Erwin Langer zur Pressekonferenz geladen. Ich fuhr hin, weil es vermutlich die letzte Gelegenheit für mich sein würde, Gut Lärchenhof zu spielen. Bei den Häppchen vor der Pressekonferenz ratschte ich mit zwei anderen Betreibern einer Onlinebude, die wie ich am lieben Sonntagmorgen, wenn andere Leute Golf spielen, ihre Texte schreiben. Namen nenne ich mal lieber nicht. Ihnen geht es wie mir: Die Werbeetats gehen an die Print-Magazine, die dafür meist auch noch zu den ProAms eingeladen werden, während wir Online-Fuzzis für nachhaltige Präsenz im Netz sorgen und dafür meist leer ausgehen.

Wir standen also zusammen und echauffierten uns über die Unfähigkeit der Marketingmächtigen, unsere Webseiten als angesagte Multiplikatoren zu begreifen, als eine Dame zu unserem Tisch kam, die sich als Mitarbeiterin des DGV outete. Sofort bekam sie eine Salve ab, was mir im Nachhinein sehr Leid tut, denn der DGV kann ja nix dafür, dass der DGV ständig Sachen anstellt, die mich ärgern, oder?

Die Pressekonferenz war wie immer eine Gaudi. Auf die provokante Frage nach Kaymers Unfall und ob Go-Cart fahren für einen Profi der angesagte Ausgleichssport wäre (Kaymer hatte dabei einen Unfall und brach sich einen Knochen im Fuß) schoss Rhetorik-Pistolero Erwin Langer zurück: „Im Bett sind auch schon schlimme Dinger passiert.“

Mir dauerte alles zu lange. Für unsere Startzeiten war nur ein kleines Zeitfenster zwischen 13 Uhr 30 und 14 Uhr eingeplant, denn eigentlich fand gerade das Herrenmittwoch-Turnier statt. Die Kollegen, die in Pulheim nicht mitspielen durften, schienen die, die in Pulheim spielen durften und auf Kohlen saßen, mit ihren seichten Fragen quälen zu wollen. Schließlich war Schluss und ich raste los.

Auf dem Platz traf ich meine Online-Kollegen und die nette Dame vom DGV. Ich durfte mit auf die Runde. Wie üblich erspare ich meinen lieben Lesern spielerische Details, außer, dass meine Mitspieler sehr ordentlich spielten. Ich eher weniger, wofür es mehrere Gründe gibt, die ich nicht weiter erörtern möchte – na gut – ein Grund war das Elefantengras.

Wir alle lagen ständig in dem fetten Zeug, das meine Mitspieler Elefantengras nannten. Ich kannte diesen Ausdruck noch nicht. Dieses dichte, nasse, zähe Gras am Rande der Fairways, das so ausschaut wie bei der US Open: Man kriegt da keinen Ball mehr heraus. Mit jedem Hieb aus dem Elefantengras wuchs mein Respekt vor den Profis, die dann immer noch Pars und Birdies spielen.

Die Grüns waren noch nicht schneller als bei uns in Winnerod (wo sich viel getan hat), aber bis zur Mercedes Benz Championship wird sich noch viel ändern. Trotzdem war es eine nette Runde, sozusagen eine Elefantenrunde. Die Mercedes Benz Championship mit dem Motto Winners Only! wird in dieser Form letztmalig stattfinden. Da kann ich nur sagen: Sattelt die Hühner und auf nach Pulheim!

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