Endlich einstellig – es ist vollbracht!
Dieser Tage schaute ich bei Amazon nach, ob der Titel meines neuen Buches „Endlich einstellig! Golf und die Kunst des Scheiterns“, das Mitte September erscheinen wird, immer noch falsch geschrieben stand. Dabei entdeckte ich, dass „EE!“ gerade auf Rang 9 der Golfbücher-Bestsellerliste geklettert war. Das mag sich stündlich ändern, aber es war, um das mal ganz naiv auszudrücken, ein sehr schönes Gefühl.
Denjenigen, die hier neu sind, darf ich kurz die Hintergründe zu „Endlich einstellig!“ erklären:
An einem kalten Wintertag zu Beginn des Jahres 2008 traf ich zwei Kumpel auf dem Parkplatz des Golfparks Winnerod und es entstand die Schnapsidee, ob und wie ich, der ich immer über Handicap-Jäger und Stableford-Fetischisten ablästerte, es schaffen könnte, einstellig zu spielen. Als mein persönliches Ziel legte ich fest, dass ich mich bis zum 31.8.08 auf 9,8 runterspielen würde.
Ich beschrieb in diesem Blog, wie es voranging und hatte zeitweise mehr als 10Tsd. Leser pro Woche - am Anfang war alles ein Riesenspaß. Aber mit der Zeit begann ich die Sache ernst zu nehmen, zu ernst. Leider begann ich erst im Juni ein reguläres Golftraining mit der Golfmeisterin Barbara Helbig. Gleichzeitig wurde ich von Therapeuten, Schamanen, Clubfittern und anderen Experten betreut.
Etwa zu der Zeit verlor ich leider meinen Job, was in meinem Alter nicht so besonders prickelnd ist. Jetzt hatte ich noch mehr Zeit zu trainieren. Aber ich übertrieb es. Obwohl ich es besser wusste, wollte ich es erzwingen. Ich scheiterte.
Psychisch und physisch schwer angeknackst, in Sandalen hinkend, spielte ich, als letztmögliches Turnier vor der Deadline, erstmals die Seniorenclubmeisterschaften mit. Ich wurde Seniorenclubmeister, aber mein Handicap ging hoch, anstatt runter. Ziel verpasst. Alles aus.
Ich begann ein neues Projekt, leckte meine Wunden und meditierte über die Kunst des Scheiterns. Und dann, als ich bereits alle Hoffnung hatte fahren lassen, passierten noch ein paar nette Geschichten …
Obwohl ich die Sache vermasselt hatte, bat mich der KOSMOS-Verlag, diesen Sommer meines Ringens zu beschreiben. Das war zu einer Zeit, als ich mich mit Karsten Kuhnen, dem Webmaster von GOLFGAGA beriet, ob ich nicht einen Spendenknopf auf diesem Blog installieren sollte, damit ich ein paar Wochen finanzieren könnte, die ich brauchen würde, um das Buch zu schreiben, was mir dann letztendlich zu peinlich war.
Aber das Universum lieferte und dank der großzügigen Unterstützung des CO’MED-Verlages konnte ich in meinen drei Wochen Weihnachtspause alle bisherigen Blogs von 2008 auswerten und dazu neue Texte schreiben, so, wie ich das auch bei „Golfgaga - der Fluch der weißen Kugel“ gemacht hatte. (CO’MED ist ein Fachverlag für Naturheilkunde und gibt monatlich die gleichnamige Zeitschrift heraus, die ich den Medizinern und Ihnen sehr empfehlen möchte.)
So konnte ich das Manuskript von „Endlich einstellig!“ im Januar an meine Lektorin Susanne Landskron schicken (die manche von Euch noch aus dem Golfforum kennen), um mich dann meinem neuen Job bei CO’MED zu widmen. Nach einem Treffen mit Peter Ruge, einem der besten Cartoonisten Deutschlands, der schon den „Weg der weißen Kugel“ illustriert hatte, war sofort klar, dass er auch „Endlich einstellig!“ illustrieren würde.
In dieser Saison hatte ich zwar wesentlich weniger Zeit, aber ich trainierte noch regelmäßig und entdeckte dabei, dass das, was ich mit Barbara Helbig erarbeitet hatte, begann, seine Wirkung zu entfalten. Ich spielte das beste Golf meines Lebens. Im Matchplay besiegte ich drei Mitglieder der Clubmannschaft, zwei davon Longhitter, zum Teil ohne auf die zwei oder drei Schläge zurückzugreifen, die mir die „Einstelligen“ vorgeben mussten. Bei einem Match spielte ich eine 76.
Die Hauptursache dafür ist, dass ich keinen Yips mehr habe. In Uwe Wagners Proshop in Winnerod fand ich in einer Grabschkiste einen seltsamen alten Putter, den Uwe mir schenkte. Gleichzeitig entdeckte ich den Pencil-Griff. Seit dem ist mein Yips weg. Mit meinem kurzen Spiel hat sich auch meine Selbstsicherheit verbessert. Meine Abschläge sind nach wie vor nicht wirklich lang im Vergleich zu manchen Kollegen, die mich um 30-80 Meter kurz lassen. Aber dafür liegt mein Ball meist Mitte Fairway. Was mir aber nicht gelang, war, dieses Spielvermögen in einem vorgabewirksamen Turnier umzusetzen. Fest implementierte Selbstzerstörungsprogramme setzten bei einer guten Runde meist ab der 16. Bahn ein, und dann war alles wieder futsch. Ich spielte mich in dieser Saison sogar wieder von 10,5 auf 11 hoch.
Nachdem ich also die Amazon Golfbuch-Bestsellerliste gesehen hatte, fuhr ich zum Club, um an einem Turnier der Golffriends-Serie teilzunehmen. Mit mir spielten drei Personen mit Handicaps zwischen 20 und 35. Die Dame kannte ich aus unserem Club, die Herren kamen aus anderen Clubs. Meine üblichen Ängste, ob und wie mich meine Mitspieler diesmal abnerven würden, waren schnell verflogen. Um es kurz zu machen: Dank der Birdies auf der 1. und 8. Bahn lag ich nach der 9. Bahn Level Par. Auf der 11 (Par 4), in einer Sekunde der Unaufmerksamkeit, erwischte mich unser berüchtigtes Rough. Es wurde eine 7.
Aber ich bekam keinen Filmriss. Ich spielte weitere Pars, auch drei Bogeys, aber nach einem Chip-In auf der 17. zum Birdie überkam mich eine sonderbare Ruhe. Die meiste Zeit hatte ich beim Abschlag in meinen Tom Watson-Modus geschaltet, wie ich das nenne, wenn ich still und schweigend (!) aus der Wäsche gucke. Leider hatte ich an diesem Tag – erstmals in dieser Saison – schlecht gedrived. Aus den unmöglichsten Lagen gelang es mir trotzdem, den Ball an oder auf das Grün zu spielen und (fast) alles zu lochen, was irgendwie fallen konnte.
Schließlich standen wir auf der 18 und mussten warten. Dieser Moment war eigentlich der merkwürdigste auf dieser Runde. Zeitweise verschob sich sogar der Raum vor mir. Ich blickte über den Platz, eine tiefe Stille erfüllte mich. Ein Gedanke kam auf, dass Tom Watson auf der 18 in Troon eine 5 gespielt und verloren hatte. Eine 5 ist OK, sagte ein anderer Gedanke. Ich betrachtete meine Gedanken, aber ich war nicht diese Gedanken. Dann war die Bahn frei.
Ich schlug ab, hatte einen guten Drive, spielte ein Eisen 7 rechts vom Teich und machte einen schönen Pitch, aber der Ball blieb zu früh liegen. So hatte ich einen langen Putt zum Par, der nicht fiel. Eine Fünf ist OK, dachte ich.
Ich hatte 32 Bruttopunkte erspielt. 1. Brutto in der Wertung, neues Handicap 9,8, eigentlich 9,6, aber selbst in diesem Moment stiller Freude konnte es der DGV nicht lassen, sich in mein Leben einzumischen. Der CSA lag bei -1.
Nun denn: Ich habe 9,8 gesagt und auf den Tag genau geliefert, wenngleich ein Jahr zu spät, doch was ist schon ein Jahr in Anbetracht der Unendlichkeit von Zeit und Raum und der Spielgeschwindigkeit auf deutschen Golfplätzen.
Das war also meine Geschichte vom Senioren, der auszog, einstellig zu werden. Der Versuch, einen „Trekking-Pfad zum Single-Handicap“ zu finden, hat mich immens angestrengt. Jetzt habe ich noch mehr Respekt vor denen, die solche Runden öfter spielen können. Ich werde mich hoffentlich bald wieder auf „mein“ Handicap 12 hochgespielt haben, wo ich mich seit Jahren wohl fühle. Die Seniorenclubmeisterschaften in der nächsten Woche werden dafür eine gute Gelegenheit bieten.
Ich danke allen, die mich auf dieser Reise begleitet haben und ganz besonders meinen Lesern, die meine Bücher mögen und weiter empfehlen. Ich hoffe, dass Euch „Endlich einstellig!“ viel Freude bereiten wird.
Eugen Pletsch
P.S: Ich habe alle Bücher mit Frank Pykos Im Fluss-Verlag verlinkt, der meine Bücher nicht nur vorrätig hat, sondern auch meine b-to-b Bestellungen für Events und Turniere zuverlässig bearbeitet. Danke, Frank!


