Golfsport: Beim Nordhessen ProAm

Den Termin des 6. Switcher Nordhessen ProAms hatte ich voll verpeilt. Als ich zufällig mit Holger Gartz wegen einiger Polo-Hemden telefonierte, war er einigermaßen verwundert. Holger war mit seiner Firma KAMA Golf jahrelang Sponsor der EPD Tour und hat mir bisweilen Polohemden und Kappen mit Cybergolf und Golfgaga Logos bestickt. Als Hoflieferant etlicher Clubs und Spieler hat er natürlich ausgezeichnete Kontakte in die Golfszene und wenn Holger Gartz zu seinem ProAm ruft, kommen Gäste aus nah und fern, darunter Namen wie Jochen Lupprian (an seinem Geburtstag) oder Ben Schlichting. Für die teilnehmenden (meist Teaching-) Pros ist es wie ein Familientreffen, für die Sponsoren der Golfindustrie eine angenehme Abwechslung, fernab von dem nervigen Getue der Business-Golfer, Möchtegern-Promis und Adabeis.
„Du kannst dir deine Polo-Hemden am Freitag mitnehmen, wenn du kommst“, sagte Holger.
„Wie, wo, was ist Freitag?“
„Na, unser Nordhessen-ProAm!“
„Ach ja? Wolltest du mir nicht noch etwas PR und Vorankündigung schicken?“
„Brauchten wir nicht. Die Hütte ist voll. Keine Plätze mehr frei. Aber ich habe dich fest eingeplant.“
Ich überlegte: Der Golfclub Wissmannshof liegt nördlich von Kassel, das sind gut und gerne 150 Kilometer und Reisen in die Ferne meide ich, wenn es geht, wie die Unterstellhütte links oben an unserer 5. Bahn, in der sich Wespen angesiedelt haben. Andererseits: wenn ich mich gerade nach Norden bewegen würde, hätte ich keine Probleme mit Zeitzonen. JetLag war ausgeschlossen.
„Prima, danke, ich freue mich.“

Vor der Abfahrt wischte ich die Mückenleichen mit einem Spezial-Lappen von der neuen, doppelt lackierten Stoßstange meiner eleganten Kult-Reiselimousine, dem 99er Mondeo mit eingebautem Marder unter der Motorhaube. Dann bretterte ich gen Norden.

Das erste, was ich unterwegs im Radio hörte, war, dass am nächsten Tag die Ferien beginnen würden und der Stau am Kirchheimer Dreieck bis Hannover reichen könnte, weshalb ich noch aus dem Auto mein Zimmer stornierte.

Als ich nach überraschend flotter Fahrt ankam, erinnerte der Parkplatz tatsächlich an das Wespennest der Wetterhütte an unserer fünften Bahn. Summen und Sausen, ein Kommen und Gehen. Ich versuchte einzuparken, ohne meine neue Stoßstange, mich oder andere zu verletzen, begab mich zur Anmeldung und wurde, wie alle anderen Gäste, von Frau Gartz und ihrem Team sehr freundlich umfangen und sofort reichlich beschenkt.

„Herr Pletsch zum Proshop in die Ankleide“, hieß es, nachdem ich via Gästeliste identifiziert war. Eine attraktive junge Dame mittleren Alters, führte mich zum ProShop. (Diese Dame war auch nach der Runde meine gute Fee, die sich meiner mit größter Fürsorge annahm. Als sie mir Lose für die Tombola anbot, hielt ich schließlich um ihre Hand an, was dazu führte, dass ich auch ihren Gatten, einen kernigen Eishockeyspieler, kennen lernen durfte.)

Im Proshop erhielt ich ein schönes rotes Polo-Hemd (mein neues Tiger-Siegerhemd) und eine Hose aus einem künstlichen Material, in dem man angeblich nicht schwitzt. Diese Hose würde, selbst wenn man mich in tausend Jahren aus einem Moor ziehen würde, immer noch ordentlich und schick aussehen.

Am Himmel hingen drohend dunkle Wolken, der Wetterbericht hatte für den Nachmittag schwere Regenfälle angesagt, aber niemand schien sich daran zu stören. Es herrschte das übliche Gesummse wie vor jedem Turnier, ich traf alte Freunde wie Hugh Cairnes (Bad Arolsen) und wir zogen los, um uns aufzuwärmen.

Von der Driving Range aus hat man einen schönen Blick über das weite Land und bekommt eine Ahnung, wie schön der Platz sein kann, wenn man ihn an einem sonnigen Tag spielt. Frau Oelmann würde sagen: „Herrlich!“

Die Driving Range ist leicht abschüssig (im Gegensatz zu unserer in Winnerod, wo man immer bergauf schlägt und ich hasse bergauf). Auf einer abschüssigen Driving Range mit RÜCKENWIND und einem Bagger Vance Driver in der Hand werde selbst ich zum Long-Hitter. Na ja, zumindest, bis ich später die Drives „meines Pros“ Hajdini Adnan aus Würzburg sah, bzw. jenen „Longest Drive“ von Benjamin Schlichting (290 Meter), der hinter uns spielte. Trotzdem: Meine Bälle flogen hoch, lang und weit. Vielleicht habe ich sogar eine Wolke getroffen, denn es begann leise und dann immer stärker zu regnen.

Wie zumeist üblich, erspare ich meinen geschätzten LeserInnen den Ablauf der Runde. Es wurde ein gutes Scramble-Teamwork: „Unser“ Pro erledigte die Drives, ich (meist) die 2. Schläge und gemeinsam mit dem überaus freundlichen Ehepaar aus Hamburg (beide Hcp 36) erarbeiteten wir uns die Puttlinien.
Wir starteten auf der 10 und lagen nach neun Loch drei unter Par, als es schon ordentlich regnete. Wir wussten, dass der 2. Teil der Runde noch schwieriger würde, zumal alle Schlägergriffe und Handschuhe nass waren. So spielten wir die 2. Neun Level Par, kamen also mit 3 unter rein, was für einen ordentlichen 13. Platz unter den 30 Teams ausreichte. Der Platz war trotz der schwierigen Witterung sehr gut in Schuss und hat mir gut gefallen. Ich hoffe trotzdem, die langen Bahnen und teilweise sehr kniffligen PAR 3 Löcher irgendwann noch mal bei gutem Wetter spielen zu dürfen.

Nun denn: Das Schöne bei dem Nordhessen-ProAm ist, dass Holger Gartz und seine Sponsoren nicht nur bei den Antrittsgeschenken jeden Gedanken an die Wirtschaftskrise vergessen lassen, sondern auch bei der Siegerehrung. Alle 30 Teams bekamen einen Preis! Und danach begann die Tombola! Der Motocaddy, den Geschäftführer Bärwald überreichte, war einer der Höhepunkte, eine Reise nach St. Andrews mit einer Runde auf dem Old Course und einem Drink an der Bar der R&A der Hauptgewinn, gestiftet von Golf Scotland. Auch andere Sponsoren, darunter Bay Hill und Wilson, zeigten sich überaus großzügig.
Ich genoss das gute Essen und angenehme Gespräche, aber noch in der Nacht fuhr ich zurück, damit ich heute eine schöne Runde spielen kann, weshalb ich meine verehrten Leser jetzt verlassen werde, denn der Himmel hat aufgeklart, der Dschungel ruft und Mani Neumeiers Trommeln gemahnen zum Aufbruch.