Mein roter Kopf

Eigentlich wollte ich heute ein paar Testschläger besprechen oder anlässlich von Michael Jacksons Tod über jene Woche schreiben, in der wir beide - sozusagen als Etagennachbarn - im Palace Hotel in Sun City wohnten.
Aber die Geschichte von Michael und den Hyänen erzähle ich ein andermal, denn heute ist es eindeutig zu heiß.

Ob es mir gut ginge, fragte mich unser Manager nach der Siegerehrung und ob ich das Turnier mitgespielt hätte.

„Hä?“ Ich war etwas verwirrt. Er hatte doch noch die Ergebnisliste in der Hand.
Na gut. „Wieso fragst du?“

„Du hast so einen roten Kopf.“

„Ach so. Alles OK.“

Was hätte ich sonst sagen sollen. Dass ich Stress-Hypertoniker bin, ist bekannt. Aber heute hatte ich keinerlei Grund, mich aufzuregen. Der Flight war sehr angenehm, ich spielte mein Handicap – wenngleich mehr drin gewesen wäre. War der Zählspiel-Modus im Anblick von halbmeterhohen Roughs der Grund? Nein. Ich habe drei strategische Fehler gemacht und das führte zu zwei Doppelbogeys. Dazu kamen ein paar Bogeys. Aber nicht so viele wie sonst! Geputtet habe ich relativ gut.

War es die Scham über den drei-Putt auf der 15, die mir die Röte ins Gesicht trieb? Oder die Tatsache, dass ich kaum geschlafen hatte und fünf Stunden bei 30° im Schatten durch die Hitze krebsen musste, weil Frankie, (wir erinnern uns an sein Ass vor ein paar Wochen) seinem Spielplan treu blieb und bei jedem Abschlag den Driver benutzte, auch wenn er in einem 300-Meter Radius streute.

Na gut - ich hatte mich nach dem Herrenmittwoch wegen der schnellen Grüns beschwert, zumal die Fahnen in der Schräge standen. Wer soll das denn putten könne, bitteschön? Diesmal waren die Grüns langsamer. Zu langsam. Mein Ball verhungerte zweimal vor dem Loch. Wer soll das denn putten können, bitteschön?

Roter Kopf?! Na - bei den Grüns! Und überhaupt: wie wär´s mit Sonnenbrand? Es war HEISS, da draußen!
Aber so ist er nun mal, unser Manager. Besorgt umsorgt er uns, wie eine Gans ihre Welpen.
Schon als Kind hatte ich oft einen roten Kopf. In der Schule, wenn ich aufgerufen wurde, dann später in der Pubertät, die etwa andauerte, bis ich 40 war. Damals hatte ich alle 12 Sekunden einen unkeuschen Gedanken, aber dann lernte ich den Golfsport kennen und die echten Freuden des Lebens begannen.

Das Tigerzählspiel im Golfpark Winnerod beginnt zu einer morgendlichen Unzeit. Allein der Gedanken, dass ich nicht ausschlafen kann, lässt mich nicht schlafen. Als mich der Wecker aus dem Schlaf riss, war ich todmüde. Darum musste ich mir erstmal mit Doping auf die Sprünge helfen.
Die Menge der Nahrungsergänzungsmittel, die ich mittlerweile jeden Morgen mit einer doppelten Dosis Magnesium runterspüle ist so groß, dass ich im Magen kaum noch Platz für das Frühstück habe.
Zuerst kommt die Entsäuerungsrevolution mit Basenwasser zur
Zelloptimierung, dann zum Zellschutz Astaxanthin und zur Zellernährung Hawaiian Spirulina. Zu meiner Grand Flex Gelenkkapsel (so heißt auch mein Driver Schaft!) werfe ich etwas Q10 und Chlorella-Algen ein. Dann folgt der Vitamin-B-Komplex, den ich in sehr guter Qualität von VitaminOne beziehe. Irgendwas habe ich jetzt vergessen, weil ich wiedermal vergessen habe, meine Ginkgo-Tropfen (Gedächtnis) zu schlucken.
Vor einem Turnier fahre ich mir dann noch ein paar Amino Loges ein, die aus einem Kinderdreirad ein Rennrad machen. Nur meine Nerventropfen habe ich heute nicht geschluckt, weil die sich vielleicht nicht mit meinem Herz-Kreislauftropfen vertragen hätten. Kreislauf geht bei dem Wetter vor. Limptar N gegen Wadenkrämpfe (hätte ich letztes Jahr gebraucht) werde ich demnächst testen, da muss ich mir aber zuerst noch den Waschzettel durchlesen. Im letzten Jahr hat mir Karazym sehr gut bei verschiedenen Entzündungen geholfen, weshalb ich mir das auch wieder besorgt habe.
Und wenn man das alles schluckt, als Streßhypertoniker durchs Rough taumelt und fünf Stunden in der Sonne rumsteht, dann wird man ja wohl mal einen roten Kopf haben dürfen, Herr Manager!