Ass mit Ansage
Ich saß im GOLFHAUS Restaurant des Bad Homburger Kurparks und blickte auf den „Old Course“. Ich war lange nicht mehr hier gewesen. Früher, als mein Freund Timbo noch in der Kaiser-Friedrich-Promenade residierte, hatte ich gerne auf dem hübschen Kurzplatz trainiert oder einfach nur den Park und seine Besucher betrachtet. Hier wäre ein schöner Ort um eine Lesung zu machen, dachte ich.
Ich sprach eine Weile mit der netten Sekretärin, so, wie ich mich früher gerne mit der früheren Sekretärin, der mittlerweile fast schon legendären Rosemarie Duisberg unterhalten hatte.
Es war wenig los, was mich verwunderte, denn das Wetter war sonnig, wenn auch frisch. Nur ein paar einzelne Spieler waren unterwegs. Ein Vater mit seinem Sohn, eine Japanerin, die ihren Ball auf der 2. Bahn zum Grün schlug. An dieser zweiten Bahn hatte ich vor etlichen Jahren mein erstes Ass gespielt:
Es war ein neblig-nasser Tag, aber ich wollte ein paar Loch spielen. Die schöne Manu, Beauty-Queen vom Vogelsberg, die mich später auch auf einer Reise in die schottischen Highlands begleitete, schlenderte neben mir her. Wie immer, wenn sie mitging, streifte sie mit ihrem goldenen Fuß durch Laub und Rough und fand jede Menge Bälle. Es ist nur ein kleiner Pitch vom 2. Abschlag zum Grün. Damals zog sich ein kleiner Graben vor dem Grün und ein kleiner Hügel mit Sandloch war da auch, soweit ich mich entsinne, jedenfalls konnten wir nach meinem Pitch nicht sehen, wo der Ball aufkam. Hinter dem 2. Loch ging ein Pro mit einer älteren Dame Richtung Clubhaus. Er machte ein Zeichen, es sah aus, als würde er klatschen, worauf ich mir keinen Reim machen konnte. Dann suchten wir meinen Ball. Das Laub schien ihn verschluckt zu haben. Schließlich fanden wir ihn im Loch. Mein erstes Ass!
Daran dachte ich, als ich wenige Tage zuvor mit meiner Schwester und meinem Sohn den Kurzplatz in Winnerod spielte, den ich sehr schätze. Meine jüngere Schwester, (Nichtgolferin) ging erstmals mit. Auf den ersten Neun erklärten wir ihr, was ein Par, Birdie und ein Bogey ist und was man so wissen muss, wenn man mitgeht.
Die ersten 9 lag ich Level Par, was auf diesem kniffligen, kleinen Platz nicht einfach ist und mir nur gelingt, wenn ich sehr entspannt bin.
Auf der 2. Runde, wir waren gerade am 2. Abschlag, vom dem aus ich das Grün meist mit Pitching-Wedge anspiele, erzählte ich von Frankies Ass die Woche zuvor.
„Was ist ein Ass?“ fragte meiner Schwester.
„Das ist, wenn man von hier mit einem Schlag ins Loch … warte … ich zeigs Dir”, sagte ich großspurig und schlug mein Wedge.
Der Schlag sah gut aus.
„Mit einem Schlag ins Loch, ganz einfach“, prahlte ich.
Der Ball verschwand hinter dem Grün, die Fahne konnten wir nicht einsehen. Hinter dem Grün liefen zwei Spieler, die uns zuwinkten.
„Siehst Du“, sagte ich, “eingelocht!“
Ich wusste, dass der Ball nahe an der Fahne liegen musste.
Als wir das Grün erreichten, lagen nur die beiden anderen Bälle meiner Mitspieler rechts am Vorgrün.
„War der doch zu weit“, überlegte ich. Aber nein - der Ball lag im Loch.
Ich habe bisher zwei „Hole in one“ gespielt, aber niemals mit Ansage.
So, wie meine Sterne stehen, sollte ich schnellstens Lotto zu spielen.
Die nächste Bahn spielte ich ein Doppelbogey und der Zauber war vorbei.
Die 18 Loch beendete ich mit zwei über Par, was auf diesem Kurzplatz bisher mein bestes Ergebnis ist.


