Der gedopte Osterhase

Ich weiß nicht mehr, ob Frau Oelmann oder ich die Idee hatte, am Ostermontag zusammen ein Turnier im Golfpark Winnerod zu spielen. Im herrlichen Golfclub Braunfels machten wir uns schon am Samstagnachmittag warm. Dieser Platz, der einst vom alten Bernhard von Limburger erbaut wurde, ist spielerisch ein Genuss. Ich hatte dort jahrelang nicht mehr gespielt, obwohl Braunfels nur wenige Kilometer von meinem Heimatort entfernt liegt. Am Ende der 4. Bahn, wo zu meiner Zeit noch eine Flasche Weißwein an einer Schnur befestigt in der Linde baumelte, hat es seitdem erhebliche Umbauten gegeben. Der dunkle Fichtenwald von einst, der den Abschlag von der 5 zum Trauma werden ließ, ist verschwunden. Alles wirkt lichter und heller. Ich weiß nicht, ob es der junge Manager Gregor Sommer ist, der diesen frischen Wind mitgebracht hat – jedenfalls haben wir uns in Braunfels sehr wohl gefühlt.
Ostersonntag trainierten wir in Winnerod auf dem Kurzplatz und am Montag starteten wir mit einer Teamvorgabe von 17.

Wir begannen mit drei easy Pars und dann zickten wir beide rum. Ich war unkonzentriert und Frau Oelmann konnte uns in diesem Match, das im klassischen Vierer gespielt wurde, nicht immer retten. Schließlich kamen wir mit 12 über rein und ich dachte, wir lägen unter ferner liefen. Aber nein. Nicht mit Frau Oelmann. Sie hatte bisher in ihrem Leben drei Turniere gespielt und immer den ersten Platz belegt. Das würde sich heute nicht ändern.
Wir gewannen das erste Netto der Klasse A und als Preis bekamen wir einen großen Schoko-Osterhasen, der in seiner Packung angeschmolzen war, weil sich manche Redner die Gelegenheit nicht entgehen lassen können, vor der Preisverleihung noch ein paar persönliche Anmerkungen über Gott, die Welt und die Holo-Bildchen auf den neuen Clubausweisen zu machen, die zum Beispiel manchen unsportlichen Snob-Cub veranlassten, sich die Kasse aufzubessern, indem sie unsere Mitglieder (ohne Holo-Bildchen) zu einem erhöhtem Greenfee verdonnerten, was nur ein Rindvieh zu zahlen bereit wäre.
Tage nach dem Turnier gestanden Frau Oelmann und ich uns gegenseitig am Telefon, den Schoko-Osterhasen sofort weiter verschenkt zu haben. Ich, weil ich diese Menge Industriezucker für hochgiftig halte und sie, weil sie seit zwei Jahren clean ist. Ja – darf ich das hier outen? – Frau Oelmann war schokosüchtig!
Während in diesen Tagen die üblichen Verdächtigen aus der bigotten Saubermannliga einen dubiosen Doping-Wahn herbeihalluzinieren, sind die wahren Drogen – Alk, Fett, PS, Zucker, Hochmut und Größenwahn – bei jeder Siegerehrung auf jeder Clubhausterrasse präsent.
In der Golfweek las ich von einem Workshop für Jugendliche in St. Leon Rot, in dem erzählt wurde, dass Nahrungsergänzungsmittel als Vorstufe zum Doping betrachtet werden müssen. Da bin ich fast ausgerastet. Meine große Abrechnung mit den Doping-Hysterikern und Verbands-Verführern habe ich bisher immer vor mir hergeschoben. Einmal, weil die, die gemeint sind, meine Texte ohnehin nicht lesen und dann, weil ich diesem Blödsinn eigentlich keine Energie zuführen möchte. Aber bevor ich meinen Blutdruck nicht mehr in Griff bekomme und zu Betablockern greifen muss, für die ich dann beim nächsten Herrenmittwoch in der Voltaren-Liga mit DQ abgestraft werde, werde ich zum Thema Doping demnächst ein paar Anmerkungen machen, die ich mir nicht länger verkneifen kann.

Bis dahin wünsche ich allen LeserInnen schöne Frühlingstage

Eugen Pletsch