Das Schneerennen
„Vielleicht sind sogar die Sommergrüns offen“, spekulierte ich.
Vom 7. Abschlag kann man bei klarem Wetter Hessen Fuji, den Vogelsberg, beobachten. Angeblich ist unser Hausvulkan erloschen, aber angeblich sind auch die Renten sicher. Also wer weiß, was sich wirklich in Tausend Metern Tiefe abspielt.
Als ich ankam, standen auch andere Golfer auf dem Parkplatz herum, die zu Hause vermutlich ähnlichen Spekulationen nachgegangen waren.
Plötzlich hatte ich eine Eingebung:
Vier Verrückte mit ihren Elektrotrolleys und Frau Perchtl mit der Thermoskanne, die sich den Unsinn anschauen wollte, brachen in die weiße Hölle auf.
Die Räder der Trolleys rutschten oder verklebten zu dicken Schneewalzen, die man mühselig abklopfen musste. Jens trampelte einen Slalom-Parcour.
„Das reicht“, brüllten wir, denn es war bitterkalt.
„Alles klar, und los geht’s!“
Frau Perchtl blickte auf die Uhr. Ich meinte, ein leises Zittern zu verspüren, das nicht von der Kälte kam. Geologische Verwerfungen? Ein Knirschen von uraltem Vulkangestein? Vielleicht bahnte sich die Lava gerade ihren Weg unter dem 1. Abschlag.
Morgen, vielleicht schon morgen, würde der Platz schneefrei sein und die Sommergrüns wären offen.
Mit dieser Hoffnung im Herzen stürzte ich hinter den anderen her, um den vielleicht letzten Tag in Schnee und Eis voll auszukosten.


