10 Grad Bounce
… also wirklich – nein – natürlich wollte ich in meinem letzten Blog keine tröpfelnden Minderheiten verspotten, sondern auf ein Problem hinweisen, das mir eine gute Bekannte offenbarte, die nicht mehr ganz dicht ist und sich deshalb kaum noch zu Turnieren traut.
Und – JA – natürlich hat es die besagte Inkontinenz-Tagung in Watzenborn-Steinberg gegeben. Leute: Das kann man doch googeln! Wie Sylvia S. auf M. freundlicherweise erkannte, hat mein „humorvoller Umgang mit einem Tabu für Entspannung gesorgt“. Danke. Genau so war das auch gemeint. Solche Themen fasst nun mal keine Golfzeitschrift an. Wenn ein bezauberndes Pfundsmädel wie Martina Eberl den Mut hat, über ihre Bulimie zu sprechen, dann wird das in den Golfzeitschriften höchstens in einem Nebensatz erwähnt. Nein: Tabuthemen haben dort keinen Platz, weder die Golfsucht vieler Golfer, noch die Alkoholsucht von Golfredakteuren wird da auch nur mit einer Zeile erwähnt.
Immerhin hat die Geschichte von Karsten Kuhnen* offensichtlich noch andere Dinge angestoßen, zum Beispiel die Absicht der Leading Golfblog Autoren, sich zu einem gemeinsamen Turnier zu treffen. Pläne werden geschmiedet und Mails machen die Runde. Die Jungs wollen sich im Herbst in Berlin treffen. Leider nur Jungs. Die Bemerkung eines Bloggers, es würde ihn aber auch sehr reizen, den sagenumwobenden Golfpark Winnerod kennenzulernen, habe ich geflissentlich übersehen. Das Greenkeeper-Team des Golfparks ist immer noch damit beschäftigt, die Spätschäden zu beseitigen, die nach Karsten Kuhnens Besuch offenbar wurden.
Bunker ruiniert, Bäume abgeknickt, Fairway verwüstet. Head- Greenkeeper JC meinte: „Der Wirbelsturm „Karsten“ hat den Platz zerlegt.“ Ich bitte also um Verständnis, wenn ich in den nächsten Wochen nicht schon wieder Gäste einladen kann.
Der Golfpark Winnerod ist auch nur bedingt sagenumwoben. Zugegeben: Die Leute hier altern nicht, was dem wundertätigen Heilwasser zugeschrieben wird, das sich immer mehr Menschen in Flaschen abfüllen. Die große Eiche rechts der Driving Range auf dem Weg zu Kurzplatz, wird der „sprechende Baum“ genannt, weil hier einer der letzen Baumelfen Hessens lebt. Das alte Herrenhaus hinten im Hof sieht nur in unserer Dimension so verkommen aus. Auf einer anderen Quantenebene ist es der strahlende Mittelpunkt festlicher Gesellschaften. Dass es in den ehemaligen Stallungen, dem jetzigen Restaurant, spukt, hat schon mancher Kellner leidvoll erfahren müssen, der von leisen Rufen wie „Ober, Ober ich verdurste!“ aus seinen Träumen geweckt wurde. Ansonsten ist Winnerod ein ganz normaler, sehr sportlicher Golfclub. Mein alter Freund Lord Timbo schrieb über die Golfplätze in der Region Frankfurt:
„Kommen Sie in die Gegend von Frankfurt, dann können Sie aus einem Pool von mehr als zwanzig guten Golfplätzen auswählen. Was aber macht einen guten Golfplatz aus? Meiner Meinung nach sind die folgenden 10 Aspekte zu berücksichtigen:
- leicht zu finden/ gute Erreichbarkeit
- herausfordernde Gestaltung
- True Greens
- gute Greenkeeper
- ruhige Lage
- gute Übungsmöglichkeiten
- kompetente Pros
- angenehmes Clubhausambiente
- gutes Essen zu angemessenen Preisen
- Gastfreundlichkeit.
Nun eine Frage: Betrachten Sie alle Golfplätze die Sie kennen und fragen Sie sich, ob es darunter einen gibt, der auf Timbos Testometer volle Punktzahl erreichen würde. Mir fällt einer ein, der Golf Park Winnerod in Reiskirchen ca. 30 Minuten nördlich von Frankfurt. Es gibt sicher Plätze, die in dem einen oder anderen Aspekt besser abschneiden, aber ich kenne wenige, die so ein gutes Gesamtergebnis erreichen. In Winnerod werden Sie herzlich empfangen. Golfsnobs gibt es nicht, und die Mitglieder freuen sich neue Leute zu treffen. Der in einer Hügellandschaft angelegte Kurs bietet Anfängern wie Fortgeschrittenen gute, spannende und abwechslungsreiche Herausforderungen. Spieler mit einem langen Schlag haben eine Menge Möglichkeiten den Driver zu nutzen. Die meisten Löcher belohnen den Spieler, der entweder einen leichten Draw oder geradeaus schlägt. Es gibt wirklich kein Loch, das sich verstecken muss und alle Par 5 Löcher sind für einen Birdie geeignet. Zusätzlich zu dem sehr reizvollen Meisterschaftsplatz bietet Winnerod eine großzügige Übungsanlage mit 50 teilweise überdachten Abschlagsplätzen, großes Putting- und Chipping-Grün. Umgeben von einem herrlichen Baumbestand erstreckt sich der 9-Loch Par 3 Platz. Auch dieser Platz wird mit sehr großem Aufwand gepflegt und bietet Einsteigern ohne Mitgliedschaft und Platzreife eine ideale Möglichkeit das Golfen zu erlernen. Nach der Runde können Sie sich auf eine sehr nette Atmosphäre in einem schönen Clubhaus freuen. Die ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäude wurden sehr geschmackvoll in die jetzigen Räumlichkeiten umgewandelt. Nehmen Sie sich meinen Ratschlag zu Herzen und verbringen einen ungezwungenen und spaßigen Golftag in Winnerod.“ Timbo
Ich würde in dem Zusammenhang vielleicht noch unsere niveauvollen mittelhessischen Kulturevents erwähnen, die so viel ungezügelte Lebensfreunde transportieren.Also – dann kommen Sie irgendwann mal vorbei und schauen Sie, was Karsten Kuhnen von unserem Platz übrig gelassen hat.
Wenige Tage später nahm ich übrigens am „Interactive Golfcup“ teil. Viele junge Männer mit hohen Handicaps spielten eine noch höhere Punktzahl zusammen. Ich verbrachte sechs Stunden in glühender Hitze zusammen mit einem Marketingleiter, nennen wir ihn Rainer H. aus F., der mit einem Handicap 37 startete. Realistisch wäre 18 gewesen. Im Gegensatz zu anderen Tennisspielern, die meist wild herumslicen, schlug Rainer nicht nur einen langen und geraden Ball, sondern traf dann auch noch das „green in regulation“ und zwar so, dass er rummaulte, wenn der Ball nicht am Stock lag. Gegen solche Leute muss ich auf meine alten Tage antreten. Mein einziger Trost war, dass er mit seinem 48 (?) Stablefordpunkten als Mitveranstalter den ersten Preis nicht annehmen durfte. Ich spielte 36 Nettopunkte. Das Turnier musste dann wegen Unwetter abgebrochen werden musste, weshalb es zu keiner regulären Gesamtwertung kam. Die meisten Preise wurden verlost und so gewann ich ein Saab Cabriolet – für ein verlängertes Wochenende. Jetzt muss ich nur noch das Geld zusammenbekommen, um Benzin für den Saab zu kaufen, dann geht es los.
*Natürlich habe ich in der Geschichte „Karsten Kuhnen kommt!“ etwas geflunkert. Sein Sandwedge hat, wie auf seinem Blog richtigstellte, keine 12, sondern nur 10 Grad Bounce.


