Die Reise zum Fleesensee ging ausgesprochen flott voran. Bereits um die Mittagszeit war ich vor Ort, weshalb mein Zimmer noch nicht frei war. Ich beschloss, zuerst im Golfclub vorbeizuschauen. Trotz des kalten Windes zog es mich zur Driving Range. Ich hätte es besser wissen sollen. Nachdem ich einen Eimer Zementkugeln in den Wind geballert hatte, begann der Schmerz im linken Ellbogen und plötzlich – Zack – hatte ich zu allem Übel auch noch eine nussgroße Muskelverhärtung in der Wade. Schluss mit Bälle kloppen.
Radisson SAS Resort Schloss Fleesensee ein und fühlte mich in meinem schönen Zimmer auf Anhieb wohl. Der Obstkorb, die Flasche Sekt mit besten Wünschen der Direktion … ich lächelte dankbar und rieb meine Wade. Dann probierte ich eine Erdbeere. Erdbeeren im März sind immer der Lackmus-Test für ein Hotel. Sind es diese geschmacklosen, gummiartigen Fake-Erdbeeren oder schmecken die Erdbeeren nach Erdbeeren? Der Obstkorb soll ein besonderes Interesse am Gast signalisieren, verbunden mit der Hoffnung, dass er sich wohl fühlt und gesund bleibt. Wenn der Obstkorb aber aus einer harten Kiwi, einer grünen Banane, drei Gummi-Erdbeeren, einem toten EU-Apfel und einem Bündel vergifteter Trauben besteht, kann ich daraus nur schließen, dass das besondere Interesse des Hotels darin besteht, mich möglichst schnell umzubringen. Nicht so im Schlosshotel. Die Erdbeeren waren aromatisch, die Trauben köstlich.
Aus dem Fenster meines Zimmers blickte ich auf den 1. Abschlag des „Schlossplatzes“. In einem der Häuser an der ersten Bahn hatte Oliver Heuler mit seiner Frau gelebt. So stelle ich mir meinen Alterssitz vor: Mit dem Fernglas würde ich von meiner Veranda aus den 1. Abschlag unter Kontrolle haben und sofort sehen, wenn rumgetrödelt wird. Dann ertönt über das Megaphon: „Herr Dr. Müller-Wüppenbach, Startzeit 11 Uhr 10, bewegen Sie Ihren Hintern! Das ist jetzt schon der 3. Probeschwung! Davon wird es auch nicht besser. Meinetwegen treten Sie die Kugel vom Tee, aber bewegen Sie sich, sonst setzt es Schrot!“
Das wär´s doch, oder? Ausgerüstet mit Fernglas, Megaphon, Schrotflinte und einem dieser Elektrogeräte, das Sicherheitskräfte gerne an gefesselten Demonstranten ausprobieren, würde ich mein Terrorregime als Onlinemarshall beginnen. Als „Blogwart vom Fleesensee“ würde ich alle Etikettevergehen, Schummeleien und Peinlichkeiten von meiner Veranda aus direkt im Internet veröffentlichen. Diese Chefetagen-Golfer sind doch alle etwas Maso.
Als „Dominator vom Schlossplatz“ würde ich diesen jungen Anlageberatern Beine machen, weiß Gott! Ärzte, Banker, Juristen, das ganze Gesocks! Husch, Husch! Da wäre nix mit gewaltfreier Kommunikation nach Rosenberg. Wie die Hasen würden sie springen, wenn ich, die Satellitenantenne mit Totenkopfemblem am Buggy, drohend hinter den Hügeln hervorpresche. Natürlich würde ich nur schießen, wenn es unumgänglich ist, denn eigentlich bin ich ein friedliebender Mensch.
Nachdem ich die Hotelanlage inspiziert hatte, fuhr ich nach Waren, wo mich die Familie Heuler zum Abendessen eingeladen hatte. Kaum war der Ford an der Straße unterhalb von Heulers Schloss geparkt, kam der Maestro auch schon angehopst. Er gedachte, mit mir um den See zu rennen. Das wären nur acht Kilometer. Er trug sein übliches, wetterfestes, schwarzes, paramilitärisches Outfit. Schwer einzuordnen, ob er zum schwarzen Block oder zum SEK gehört. Ich erwähnte meine Wade nur beiläufig, weil ich ein zäher Kerl bin, der kleine Wehwechen wegstecken kann. Ich wollte ihm eher von meiner Epikondelitis, meinen neuen Therapiegeräten und dem Befund des Internisten und des Urologen berichten, aber Oliver war total gehyped. Ein STERN-Reporter hatte ihn drei Tage lang begleitet. Er trällerte etwas von der „totalen Professionalität“ dieser STERN-Leute. Der Autor wäre superkompetent und, wie Heuler, eine Eleve von Wolf Schneider … und dann: der Fotograf! WOW! Heuler hyperventilierte in Superlativen, als er beschrieb, wie der Fotograf die Trainingsbaracke ausleuchtete, in der seine Wunderwaffe SCOPE stand. Heuler liebt Profis, Leute, die in ihrem Fachgebiet so Top sind wie er selbst.
Ich war gelb vor Neid. Ich kann nichts richtig, nicht mal Grammatik oder Rechtschreibung. Meine neue Mini-Knipskamera, die ich extra für meine Fleesensee-Reise gekauft hatte, konnte gegen einen STERN-Profi natürlich nicht anstinken. Beleidigt hinkte ich hinter Heuler her, während er von diesen professionellen Leuten brabbelte. Er war glücklich wie eine Frau, die endlich einen Mann gefunden hatte, der es bis zum gemeinsamen Höhepunkt durchhielt. Am Abend zuvor hatte er mich angerufen.
„Wo steckt du?“„Zu Hause.“„Wie, zu Hause? Ich dachte, wir spielen morgen früh.“
„Oliver, schau in Deine Mails: Anreise Sonntag, SCOPE & Training Montag, Dienstagvormittag wollten wir spielen.“
Dass ein Journalist vom STERN mitspielen würde, hatte er bereits erwähnt.
„Hm“, murmelte er. „Ist mir entfallen. Jedenfalls spielen wir Sonntagmorgen, Montag bin ich in Berlin.“ Er bot mir an, am Dienstag mit ihm zu spielen, danach könnten wir eine Stunde scopen.
„Na, prima.“ Ich war stinksauer. Seit Wochen hatte ich auf diese Runde und Heulers Coaching hin gefiebert. Ich wollte meinen IST-Zustand am Anfang der Saison dokumentieren und suchte Hilfen, die man nicht in eine einzige Golfstunde packen kann. Eine Stunde würde ich alleine brauchen, um alle meine Fragen zu formulieren.
Jetzt liefen wir um den See und er erzählte mir, wie begeistert er von dieser „professionellen Arbeit des STERN“ war. „Die haben vielleicht professionelle Terminkalender“, murmelte ich vor mich hin. Oliver erzählte mir, dass der STERN-Journalist nur selten Golf spielen würde, aber Heulers Arbeit schon vor Jahren im Golfforum verfolgt hätte.
„Dich kannte er auch“, warf er mir einen Knochen hin. Ich biss sofort zu. Mein Kopf glühte. ER kannte MICH? Dankbar hechelte ich neben Oliver her und vergaß meine verknotete Wade.
„Ja, er sagte so was wie: Eugen Pletsch? Ist das nicht der, der einen auf lustig macht?“Jetzt hing mir der Knochen quer im Hals. „… einen auf lustig macht?“
„Na ja, so ähnlich, ich weiß nicht mehr genau, was er sagte…“Einen auf lustig macht. In meinem lustigen Geiste merkte ich mir vor, in der nächsten Woche den STERN zu abonnieren, nur um ihn dann zu KÜNDIGEN!Ehrlich gesagt hatte ich insgeheim gehofft, diesen Journalisten auf der gemeinsamen Runde durch meine scheue Wesensart, kurze trockene Bemerkungen, astreine Etikette und makelloses Spiel zu beeindrucken. Ich hatte mein Tweed-Jackett und die schottische Club-Krawatte eingepackt und überlegt, ob ich meine Persimmon-Hölzer mit den Bob Tosky-Eisen, (meinen absolut geheimen Privat-Satz) spielen sollte. Eine kurze Erwähnung im STERN würde Golf Gaga in die Bestsellerlisten katapultieren. Jetzt hatte ich wieder eine Chance verpasst, mir den Lebensherbst etwas gemütlicher zu gestalten. Oliver stakste weiter, ich humpelte hinterher.
Abends, in meinem Zimmer, bereitete ich den medizinischen worst case vor. Ich legte meine Salben und Schmerzmitteln zurecht, köpfte eine Flasche Rotwein und behandelte meine Wade und den Ellbogen mit dem InterX-Therapiegerät. Als ich in den frühen Morgenstunden von meiner pochenden Wade geweckt wurde, ließ ich das InterX wieder anlaufen und schlief weiter. Endlich eine Nacht, in der ich tiefe Ruhe fand. Morgens um sechs Uhr weckte mich eine SMS mit der Meldung, dass Feldbefreier ein Gen-Versuchsfeld der Uni Gießen besetzt hätten. Dankbar, dass ich um diese Zeit nicht solidarisch auf einer nassen Wiese rumstehen musste, schlief ich noch eine Runde.
Ich erwachte erfrischt und nach meinen Morgenübungen genoss ich das reichhaltige, gentechnik-freie Frühstück. Danach lernte ich den Hoteldirektor Foerster kennen, einen Herrn vom alten Schlag: humorvoll, interessiert und hellwach. Er hat seinen Laden im Griff und, im Gegensatz zu jungen Hotelmanagern, die ich hin und wieder treffe, keine Probleme im Umgang mit Exoten wie mir.
Den Axel-Lange Course hatte ich zuletzt vor Jahren gespielt, als er noch Tchibo Course hieß. An einem Montagmorgen hätte ich gähnende Leere erwartet, aber schon nach vier Bahnen lief ich auf. Ein älteres Pärchen, Eingeborene, die seit der Gründung Clubmitglieder sind, lud mich ein, mitzuspielen. Da der Viererflight vor ihnen weit auseinanderstrebende Interessen verfolgte, stimmte ich gerne zu, denn an durchspielen war nicht zu denken. Der wetterfeste Mann, den ich auf über siebzig Jahre schätzte, ging an Krücken. Laufen könne er seit seiner Hüftoperation im November noch nicht so richtig, aber das Golfen würde schon ganz gut klappen, meinte er. Seine zierliche, sehr agile Frau zog das gemeinsame Bag an die Seite. „Sie spielen sicher von weiß?“ „Natürlich.“
Also musste ich zum weißen Abschlag zurücklaufen. Als die Bahn frei war, schlug ich ab und traf den Ball gut. Im frischen Morgenwind flog er mindestens 170 Meter, um dann im nassen Gras liegen zu bleiben. Mein Mitspieler stellte seine Krücken ans Bag, nahm den Driver seiner Frau und drosch den Ball mit zusammengestellten Füßen ohne Hüftdrehung, nur aus den Armen, auf das Fairway. OK, er schlug von Schwarz/Gelb ab, aber sein Drive war länger als meiner. Dann kam die kleine Dame, die auch von Schwarz/Gelb abschlug. Es schien, als würde sie den Schläger kaum heben können. Es war ein leichtes Fächeln, als wollte sie eine Fliege vom Ball verscheuchen. Der Ball flog. Auch sie hatte mich ausgedrived. Ich überlegte, ob mein 16° Grad Driverkonzept mit dem „Pinken Panther“ wirklich aufging? Nur, wenn ich gegen ein paar Senioren spielen würde, die aus Rollstühlen abschlagen, könnte ich auf einen „Longest Drive“ hoffen.Ganz klar, ich brauche mindestens 30 Meter mehr vom Tee. Das nette Ehepaar hatte sehr gute Etikette-Kenntnisse. Die beiden waren ambitionierte Spieler, aber nach neun Bahnen war der Herr mit der Hüfte am Ende seiner Kräfte und wir verabschiedeten uns herzlich.Meine Wade verhielt sich unauffällig. Die zweite Neun spielte ich alleine, kassierte einige Bogeys, war aber nicht mehr so depressiv wie zuvor, als ich ständig von einer winzigen Dame Mitte siebzig und einem Frischoperierten an Krücken ausgedrived wurde.
Zurück im Clubhaus genoss ich die Nachmittagssonne und betrachtete die Fotowand mit den prominenten Gästen hinter der Bar. Kein Bild von Heuler dabei. Auch im Proshop gab es von ihm weder Bücher noch Videos zu kaufen. Er, das bekannteste Alleinstellungsmerkmal des Clubs, schien vor Ort überhaupt nicht vorzukommen. Im Eingangsbereich, auf einer Tafel, auf der alle Pros abgebildet waren, fand ich schließlich ein kleines Foto von ihm. Das wars schon.Offensichtlich ist Heuler der Scheinriese vom Fleesensee*: Je weiter man von ihm weg ist, umso größer wirkt er. Vor Ort scheint er kaum existent, bis man ihn dann in seinem SCOPE-Schuppen besuchen darf, in dem sich der Zauberer dann in seiner wahren Größe offenbart.
Den späten Nachmittag verbrachte ich mit Pitchen und Chippen auf dem Riesengrün hinter der Driving Range, das ich wegen der extrem vielen Bombenkrater „Monte Cassino“ taufte. Ich übte auch lange Bunkerschläge mit dem Gap-Wedge. Mittlerweile war die Sonne rausgekommen, mein Wetterglück schien mir treu zu bleiben. 16 Uhr, die Wade verhielt sich ruhig.
Abends, nachdem er aus Berlin zurück war, rief Heuler an. Ob ich etwas dagegen hätte, wenn „Suxi“ morgen mitspielen würde. Marc Suxdorf, Hamburger Designer und Betreiber des Spicygolfforums hatte gemeinsam mit Heuler den Spicy Putter erfunden. Der Spicy Putter kann auf dem Grün stehen, womit das Visieren der Puttlinie leichter fällt. Suxdorf und Heuler produzierten bereits zwei Modelle, die durch Flüsterpropaganda in Kenner-Kreisen verkauft werden. Da beide nicht davon leben müssen und auch nicht bereit sind, viel Geld in Werbung zu investieren, kommt der klügste Putter Deutschlands in den Fachzeitschriften so gut wie überhaupt nicht vor, während jedes Stück Eisen, das blau und wahnwitzig teuer ist, durch Unsummen von Marketingmitteln zur „Innovation“ hochstilisiert und prämiert wird. Marc und ich hatten schon öfters telefoniert und längst geplant, uns mal kennen zu lernen.
Logbucheintrag “Hamburg, Dienstagmorgen, acht Uhr
Wie jeden Morgen brachte Marc Suxdorf seine Tochter in den Kindergarten. Dann stieg er in seinen raketengetriebenen Spicy Mini-Turbo Jet und gab die Startzeit in Fleesensee (10 Uhr) ein. Der Hyperraum-Antrieb katapultierte den jungen Vater durch ein Zeitloch (und über manche Staus auf der Stecke Berlin – Hamburg hinweg) direkt in die Tiefgarage des Schlosshotels, wo er sich samt Golfbag materialisierte. Sein Wagen landete auf dem Stellplatz 22, direkt neben einem blauen Mondeo, der auf Stellplatz 23 übernachtet hatte. Während Marc Suxdorf die wenigen Meter zum ersten Anschlag eilte, begannen die beiden Raumgleiter Daten auszutauschen.
Auf der Bank am Gehweg zum 1. Abschlag des Schlossplatzes saß ein mürrischer Golfautor. Es war kurz vor 10 Uhr und er hatte von seinen beiden Mitspielern noch keine Nachricht erhalten. Seine InterX-therapierte Wade klingelte leise. Der mürrische Golfautor hatte seine Chi Gong-, Stretching- und Yogaübungen bereits vor mehr als einer Stunde gemacht. Die Morgenkälte kroch in ihm hoch. Er spürte, wie seine Haut fröstelte und er emotional frostig wurde. Seit mehr als zehn Jahren hatte er keine Startzeit verpasst und damals, auf dem Gary Player Course in Sun City, auch nur, weil er sich den Launen eines reichen Dummkopfes beugen musste. Der mürrische Golfautor versuchte es mit der alten chinesischen Übung des „Inneren Lächelns“, sah damit aber nur noch älter und grimmiger aus. Dann hörte er Schritte. Ein schlaksiger, junger Mann mit langen Haaren steuerte lächelnd auf ihn zu. Der mürrische Golfautor riss sich zusammen. Das musste Suxdorf sein. Jetzt nur nicht gleich böse werden.
„Moin“ sagte Suxdorf freundlich.„Wo ist Heuler?“ blaffte der mürrische Golfautor zurück.
„Der wollte direkt zum Abschlag kommen“, erwiderte Suxdorf.Zusammen gingen sie durch den Park zum 1. Abschlag des Schlossplatzes und tatsächlich: Auf dem 18. Grün, hinter seinem Putter, hockte Oliver Heuler im Outfit seines neuen Sponsoren NIKE. Er sah aus wie ein großer schwarz-weißer Käfer in einem Minirock von Mary Quant. Heuler trug eine weiße Schirmmütze mit schwarzem Tiger Woods Logo. Suxdorf war, wie alle Hamburger Designer, ganz in schwarz gestyled. Der mürrische Golfautor war nicht gestyled. Er trug eine alte Kordhose und eine verwaschene blaue Windjacke, die er in einem „Umsonst-Laden“ gefunden hatte. Nur sein hinayana-gelbes buddhistisches Golfbag verriet, dass er kein Faktotum aus dem 18. Jahrhundert war.”
Abgesehen von den dunklen Seiten unseres Spiels, wurde es ein sonniger Tag. Wir schlenderten über den Platz und machten ein paar gute und ein paar weniger passende Schläge, wie das so ist. Einmal erzählte Suxi von einem Turnier in Huston, bei dem Cejka (und andere Spieler, die glaubten, den Cut nicht geschafft zu haben) schon abgereist waren und dann doch wieder antreten mussten. Cejka flog/fuhr die Nacht durch zurück zum Turnier und spielte mit alten Leihschlägern eine 71, seine beste Rundein diesem Turnier. Der Grund aus meiner Sicht: Er hatte keine besonderen Erwartungen, ließ los und spielte entspannt. Ich hatte auf dieser Schlossplatz-Runde (ohne STERN-Journalist) auch keine besonderen Erwartungen. Ich ließ los und spielte ganz entspannt meine bisher schlechteste Runde in diesem Jahr. Auf dem 16. Grün beobachtete Oliver meinen Putt (mit dem neuen Belly-Putter). Ich würde im Treffmoment immernoch schließen, meinte er, und nachyipsen, wie wir das schon mit dem SAMS Putt Lab festgestellt hatten. Ein wertvoller Hinweis, denn nach dieser Korrektur konnte ich die Putts auf den letzten Löchern alle lochen.
Nach der Runde fuhren wir zur Driving Range, um eine SCOPE-Aufnahme zu machen und meine Schwungebene zu betrachten. Die Diagnose wird Oliver hoffentlich noch nachliefern.
„Wie komme ich carry über 200 Meter?“ fragte ich ihn. Ich ahnte, dass es auch eine Welt jenseits der magischen Grenze geben musste. Der Meister nahm einen Golfball und warf ihn auf die Wiese. Dann sollten Suxi und ich ebenfalls einen Ball werfen. Heulers Ball lag knapp vor der 50 Meter-Markierung, Suxi knapp bei vierzig, ich kaum bei 30 Metern. Unsere geworfenen Bälle lagen in dem proportional gleichen Abstand, wie unsere Drives am Morgen auf dem Fairway.
„Da siehst Du es“, sagte er. „Jeder hat, was er hat. Mehr geht nicht.“
Dunkle Erinnerungen an die Bundesjugendspiele kamen in mir auf. Der dicke, drüsenkranke Herbert und ich waren beim Weitwerfen stets die hoffnungslosen Schlusslichter gewesen. Ludmilla sagte einmal zu mir, dass mein später Wunsch Golf zu lernen der Versuch wäre, mein frühes Trauma Bundesjugendspiele zu verarbeiten. Da ist was dran, dachte ich, als ich in Olivers Hütte Bälle warf. Mehr geht nicht? Na gut. Das werden wir ja sehen!
*Vergl. Jim Knopf von Michael Ende.
6. April 2008 · Allgemein ·