Der Ostervierer

Es ist Ostersonntag, morgens 6 Uhr. Die präsenile Bettflucht treibt mich aus den Federn. Ich schaue aus dem Fenster und starre auf eine geschlossene Schneedecke. Ist das Gottes Wille? „Warum, Herr?“ murmele ich, in meinem gestreiften Bademantel.
Ich gedachte die Ostertage in Stille zu verbringen. Ein Rückzug in die Besinnung  sechs Stunden Fasten und Beten – kurz: Ich wollte den Ostervierer spielen, denn ich habe so ein Gefühl, als könnte ich die 80 schon früh im Jahr knacken, um „Endlich einstellig!“ zu werden. Dumm gelaufen.
Gestern konnten wir gerade noch acht Bahnen bei herrlichem Sonnenschein runterreißen, dann kam die weiße Flut. Meine drei Mitspieler, ich nenne jetzt keine Namen, rannten wie die Hasen die neunte Bahn (Par 5) hinab. Ich war störrisch und spielte weiter. Der Ball lag mit dem 3. Schlag vor dem Grün. Mein Chip schlidderte auf den weißen Körnern über das Loch hinaus. Ich puttete mit dem Wedge. So wurde es eine Sechs. Die anderen waren in dem Moment gerade auf Grün-Höhe, was besagt, dass ich etwa so schnell spiele, wie drei Hasen im Schnee rennen können.

Die Frage, warum es gerade an Ostern schneit, ist noch ungeklärt. Weint der Himmel, wegen der Tibet-Problematik. Jahrelanger von der Welt unbeachteter Genozid via Zwangssterilisierungen und Folter, die komplette Übernahme eines Landes in einer Brutalität, die hier im Westen kaum bekannt wurde. Bleibt uns nur die Mahnwache anstatt dem Ostervierer?
Wenn man bedenkt: Bei all den Sorgen, die er hat, kam der Dalai Lama im letzten Jahr trotzdem noch zu uns in den Westen, um sich besonders irrer Schafe wie Roland Koch oder George Bush anzunehmen. Das nennt man Bodhichitta! Selbstlose Liebe und Herzensgüte!
Sollten wir Golfer uns dem China-Boykott anschließen? Aber mit welchen Schlägern können wir dann noch spielen? Weiß jemand, ob es noch irgendeinen Schlägerhersteller gibt, der Köpfe und Schäfte  (!) anbietet, die NICHT in China hergestellt werden?
Meines Wissens kommt ALLES aus wenigen chinesischen Riesenfabriken: Die Markenprodukte, die No Name-Produkte und die Plagiate. Und weil die Industrie den Rachen nicht voll bekommen kann, erfand man den Trampolin-Effekt und bald darauf die Idee, dass diese Schläger wieder verboten werden müssten. Das war ein Trick. Es ist sattsam bekannt, dass der Durchschnittsgolfer nicht die Schlägerkopfgeschwindigkeit generieren kann, die einen „Trampolin-Effekt“ bewirken könnte. So wurden wir zweifach belogen. Einmal mit der Behauptung, dass dieser Effekt uns nützen könnte, und dann mit der Behauptung, dass dieser Effekt verboten werden müsste, weil man dadurch ein Spielvorteil habe.
Die Behauptungen der amerikanischen Golf-Industrie waren so absurd, wie die Beweise von Saddams Giftgaslagern, die, wenn sie vorhanden gewesen wären, auch nur von der amerikanischen Golfkriegs-Industrie gestammt hätten.

Aber die Golfindustrie konnte sich mit dem Trampolin-Gefasel durchsetzen. Die R&A hat sich noch eine Weile gesperrt und ist dann eingeschwenkt. Warum, weiß kein Mensch. Ich würde auch nicht behaupten, dass da nur Geld im Spiel war oder belastende Fotos aus den Umkleideräumen der R&A.
Gestern kam die Pressemeldung von Dr. Falk Billion ins Haus geschneit, der zur Golfdom Affäre in der Ausgabe 1/2008 (März/April) der Zeitschrift „Golf Time“ Stellung nahm. Titel: Golf Time“ und Horst Schubert geben Unterlassungserklärungen ab“.  Da sollte ich besser mal nicht weiterspinnen, was die Golfindustrie angeht. Ich mag keine Unterlassungserklärungen abgeben. Sonst hätte ich bereits deutlichere Worte anlässlich der Rheingolf geschrieben.
Aber noch mal zurück zum Trampolin-Effekt.
Den Juristen unter meinen verehrten Lesern sei folgende Situation geschildert:Ein älteres Ehepaar hat sich vor wenigen Jahren neue Driver geleistet, nachdem der Pro sie davon überzeugen konnte, dass diese Schläger (mit ihrem herrlichen Trampolin-Effekt)  gerade das Richtige für ihre alten Tage wären.
Sie kommen jetzt – 2008 – in den Club und erfahren, dass sie ihre Driver nicht mehr spielen dürfen. Ihr Handicap ist ihnen egal. Turniere spielen sie nur zwei oder drei Mal im Jahr bei gesellschaftlichen Anlässen und vorgabewirksame Turniere mögen sie ohnehin nicht, weil das nur Stress bedeutet. Müssten sie sich neue Driver kaufen, um überhaupt an einem Turnier teilnehmen zu können und wären sie disqualifiziert, wenn sie es nicht tun?
Lassen wir mal die Frage außen vor, ob es überhaupt Sinn macht, einen Driver zu spielen, mich interessiert jetzt nur:
Müsste der DGV nicht für Club-SpielerInnen eine Sonderregelung finden, oder von der Industrie den Beweis fordern, dass ein Trampolin-Effekt bei alten Damen überhaupt möglich ist. Darf es vorgabewirksame Turniere für Freizeitgolfer mit beliebigen Schlägern geben? (Mannschafts- und Vergleichsturniere meinetwegen nach R&A Reglement.)
Zug abgefahren? Schnee von gestern? Na, wartet mal ab, was dann sonst noch kommt.
Mir geht es um meine Interessenvertretung. Solange der DGV als Monopolist für alle vorgabewirksamen Belange verantwortlich ist, müsste er im Interesse seiner Mitglieder prüfen, ob die Behauptung eines angeblichen Trampolin-Effektes überhaupt stimmt. Ich weiß nicht, ob man dieser Sorgfaltspflicht nachkommen ist oder ob man sich einfach den Vorgaben gebeugt hat, die aus den USA bzw. von der R&A kamen.
Warum soll unser älteres Ehepaar gezwungen sein, neue Driver zu kaufen, wenn sie nur beim Ostervierer, dem Sommerfest und dem Martinsgans-Turnier mitspielen wollen, um ihre Freunde zu treffen?
Mich interessiert auch, ob ein Club in Deutschland den Mut hatte, Sonderregelungen für diese Situation zu schaffen, indem sie sich auf ihr Hausrecht berufen (falls das möglich ist).
Bleibt noch die Frage, wer in den Clubs in der Lage ist, zu kontrollieren, ob alle Turnierteilnehmer die rechten Schläger spielen. Bei unserer Jahreshauptversammlung verwies man auf diese endlose Liste der R&A, aber es fand sich niemand, der sich bereit erklärt hätte, dieses Controlling durchzuführen.
Daraus folgt die nächste Frage: Kann ich bei jedem Turnier „Protest“ einlegen und die Vorgabewirksamkeit bestreiten, bis eindeutig geklärt wurde, ob alle Mitbewerber regelementsgerechte Driver gespielt haben?
Und meine letzte Frage wäre: Wem kann ich in diesem Zusammenhang eine Unterlassungserklärung schicken?
Frohe Ostern!