Die Golfresistenz-Therapie
Meine geschickte Offerte im letzten Blog hat die mittlerweile zahlreiche Leserschaft offensichtlich in stummes Erstaunen versetzt. Kein einziger Sammler meldete sich, um einen meiner angebotenen Schlägersätze zu übernehmen. Selbst die Nummer mit Alex hat nicht gezogen. Nix. Trotz der „Golf Gaga“- Rezension in GolfPunk hat kein solventer Senior zum Hörer gegriffen und gefragt, was ich denn für so einen Satz unsterblicher Schläger verlangen würde. Ich musste also zu anderen Mitteln greifen. Schließlich war ich mehr als 20 Jahre lang als Top-Verkäufer unterwegs gewesen. Ich rief einen Freund an, den Verleger und Chefredakteur einer Fachzeitschrift für Naturheilkunde. Ich berate ihn hin und wieder für eine warme Mahlzeit. Dabei geht es recht fröhlich zu, was immer viel Wert ist. Diesmal hatte ich aber einen Mehrwert im Sinn, denn ich brauchte Geld für ein Macbook!
Er war offensichtlich sprachlos.
„Wir sollten dieses Set gleich verpacken“, schlug ich vor.
Ich öffnete die Heckklappe meines Power-Mondeos. Ich trug die obere Schicht Kartons, voll mit vorzüglichem Weißwein, zu meinem Wagen. Schließlich klappte es, die Hecktür ging zu.
Der Verleger nickte. Auch ich schloss die Heckklappe meines Mondeo. Etwas traurig sah er seinen Weinkisten nach. Fast ein Drittel seiner Bestände waren im schmutzigen Schlund meiner Karre verschwunden.
„Wir hätten das Bag auch auf den Hintersitz legen können“, murmelte er noch, aber damit kam er nicht durch.
Ich hatte Hunger. Seit Wochen lebte ich eine streng vegetarische, basische Diät. Wer irgendwann „Endlich einstellig!“ spielen will, der muss entschlacken, aber darüber werden wir ein andermal sprechen. Jetzt hatte ich Kohldampf, dass mir der Dampf vor den Nüstern stand.
Auf der Tafel mit den Tagesgerichten stand: Linsensuppe mit Würstchen! Nicht unbedingt total passend für meine Diät, aber total passend für meinen Hunger. Ich schob meinen Freund ins Restaurant. „Wo bekommt man noch eine gute Linsensuppe“, sagte ich. Er nickte nur.
An einem der Tische saß die Chefredakteurin einer Golfzeitschrift, die sich lobenswerterweise mehr mit dem sportlichen und weniger mit dem gesellschaftlichen Aspekt des Golfsports befasst. Sie speiste mit zwei hoffnungsvollen Jungstars der Golfszene, aber die mir angeborene Diskretion erlaubt mir nicht, irgendwelche Namen zu nennen. Mein dezenter Gruß wurde geflissentlich übersehen, was ich niemand verdenken kann, der es in der Golfbranche zu etwas bringen will.
Die freundliche Kellnerin brachte das stille Wässerchen und dann ein saures Tröpfchen aus der Gegend um Würzburg, wie ich es bisweilen heimlich Nächtens in einer Dorfkneipe von Willigis Jägers „Benediktushof“ getrunken hatte, um einer möglichen Übergeistigung durch zu viel Meditation vorzubeugen.
„Genau“, sagte ich, “aber wie lange noch? Deshalb brauchst Du diese Schläger! In Deinem Alter, so wie Dein Laden jetzt aufgestellt ist, schreit alles nach Golf. Es kann jederzeit passieren. Eine Sekunde der Unachtsamkeit an einem weinseligen Sommerabend in der Toskana und irgendein Pro setzt Dir den ersten Schuss. Nein, mein Lieber, das kannst Du Dir nicht leisten. Spielt Deine Frau mittlerweile Golf?“
Das sah er irgendwie ein. Trotzdem: Aus seinem dankbaren Blick sprach immer noch eine gewisse Verunsicherung.
„Siehst Du! Diesen Blick musst Du üben. Dann weiß jeder echte Golfer sofort Bescheid und würde Dich nie wieder nach einer Runde fragen. Aber er würde bei Dir Anzeigen kaufen: das ganze Jahr! Fette Vierfarb-Seiten und Sonderbeilagen! Du könntest ein Vermögen im Marketing ausgeben und hättest nicht diesen Effekt, den Dir das richtige Bag im Büro bringt.“
Er atmete schneller und griff freiwillig zum Weinglas.
Nach einer viertel Stunde schloss ich damit, dass er eine ähnliche Größe wie ich habe und ihm die Schläger deshalb auf den Leib geschmiedet wären, was man beim Preis unbedingt berücksichtigen müsse, selbst wenn er die Schläger niemals spielen würde.“
Ich nannte ihm eine Zahl. Ein leichter Grünschimmer, der nicht vom Wein kam, überzog seine Wangen. „Natürlich kannst Du irgendwelche Schläger billiger bekommen“, fuhr ich fort. Aber die haben nicht den gleichen Effekt. Das ist wie der Unterschied zwischen synthetischen Vitaminen aus dem Supermarkt und den natürlichen Vitaminen aus dem Bio-Laden-Gemüse. Deine Zeitschrift wirbt für natürliche Heilmethoden. Da kannst Du kein Billigschlägerset nicht spielen wollen.“
Mein Freund der Verleger nickte hilflos, ergab sich seinem Schicksal und bestellte einen Schnaps.
Nachdem er abgefahren war, trainierte ich noch eine Weile Abschläge mit meinem neuen „Pink Panther“-Driver. Meine Statistik: Ich traf die Driving Range zu fast 90 %. Maiwald, zieh Dich warm an!
Zu Hause angekommen füllte ich ein Gewinnspiel aus. Schließlich brauchte ich neue Golfschläger. Und dann, gestern, kaufte ich mir das Apple Macbook 403, ein schnuckeliges Teil, trotz der scharfen Kante an der Handauflage, vor der mich Oliver Heuler gewarnt hatte. Mit diesem Macbook und den neuen Weißwein-Kisten im Keller kann das Projekt „Endlich einstellig!“ beginnen.


